Wer wird Donauwörths neuer Oberbürgermeister? Dass es einen Neuen geben wird, das steht seit Längerem fest. OB Armin Neudert (CSU), jüngst von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit einer Verdienstmedaille ausgezeichnet, wird definitiv nicht wieder antreten zur Wahl am 15. März 2020. Dafür haben sich bislang vier Kandidaten in Stellung gebracht. Wir haben mit ihnen über ihre Motivation und Ziele gesprochen – und darüber, was ihrer Meinung nach die heißen Eisen in Donauwörth sind.
Der erste Kandidat: Michael Bosse (FW/PWG)
Bosse war der erste der vier Kandidaten, der seinen Hut in den Ring geworfen hat. Das habe durchaus Vorteile, ist der 49-jährige dreifache Familienvater aus Riedlingen überzeugt: „Ich hatte zwei Jahre Zeit, ein konkretes Programm zu entwickeln.“ Aufsehen erregte sein Vorstoß, eine neue Stadthalle als Veranstaltungsort für Kultur, Vereine und die Schulen bauen zu wollen. In Sachen Tanzhaus ist für Bosse die Sache klar: „Es gibt nur den Abriss.“ Zwar solle das Gebäude danach wiederaufgebaut werden, doch sei es für größere Veranstaltungen fast zu klein. Attraktive Gastronomie, Gewerbe, eventuell Wohnungen – hierin liege die künftige Stärke des Tanzhauses. Die Veranstaltungshalle indes, die auf dem ehemaligen Schwabenhallen-Areal in Nähe zum Airbuswerk entstehen könnte, sei ebenfalls notwendig.
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Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass Donauwörther Vereine als auch überregionale Künstler die Hallen in kleineren Nachbarkommunen buchen müssten. Die Reichsstraße sei ein weiteres gewichtiges Thema. Hier sieht er zunächst eine Fußgängerzone als mittelfristig nicht realisierbar – jedoch eine Verkehrsberuhigung und Begrünung, um mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. In Sachen Wohnraummangel gelte es für die Stadt, „alles an Grundstücken zu kaufen, was geht“. Um die Parkstadt besser an die Innenstadt anzubinden, sei eine Seilbahn keine Spinnerei – die Geografie ließe dort schier keine andere Lösung zu.
Das Rathaus müsse derweil Dienstleister für die Bürger sein, die eben „keine Bittsteller, sondern Kunden“ seien. Die Stadtpolitik und die Verwaltung müssten in Zukunft wesentlich transparenter arbeiten, weswegen es eine Informationsfreiheitssatzung wie sie andere Kommunen längst hätten, geben müsse, betont der selbstständige Versicherungskaufmann. Bosses Wahlkampf nach den Sommerferien soll indes kein klassischer Haustürwahlkampf werden. Er plant zum Beispiel vier „Sternmärsche“, bei denen er mit den Bürgern aus den verschiedenen Stadtteilen ins Gespräch kommen möchte.
Der jüngste Kandidat: Joachim Fackler (CSU)
Fackler stammt aus einer politischen Familie – Bruder Wolfgang ist christsozialer Landtagsabgeordneter. Der 33-jährige Oberregierungsrat selbst, der im Finanzministerium arbeitet und in Riedlingen wohnt, sieht das nicht als Problem, im Gegenteil: „Wir sind unabhängig, jeder hat seinen Aufgabenbereich.“ Die Brüder Vogel etwa seien auch beide in der Politik aktiv gewesen, was stets problemlos gewesen sei. Fackler betont die Wichtigkeit, als OB gut vernetzt in München zu sein: „Kurze Wege sind Gold wert für Donauwörth.“ Das treffe bei ihm als Mitarbeiter im Finanzministerium zweifellos zu.
Zur aktiven Politik sei er bereits früh, vor 17 Jahren, mit seinem Eintritt in die Junge Union gekommen. Seine Motivation sei stets gewesen, „die Extremen auf der linken und rechten Seite kleinzuhalten“. Kommunalpolitik sei Politik für die Bürger. In Donauwörth stünden freilich die Innenstadtentwicklung mitsamt den Themen Tanzhaus, Reichsstraße und Verkehr vornan. Aber auch der Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz sei von außerordentlicher Wichtigkeit: „Wir sollten 1000 Bäume pflanzen in den kommenden Jahren.“ Das Stadtklima habe eine völlig neue Relevanz bekommen. Auch der Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr stehe in diesem Zusammenhang. Fackler schlägt vor, zwei Rad-Brücken zu schlagen – eine bei Felsheim in Richtung Krankenhaus, die andere zwischen Sibinger-Glände/ Zusamweg und Airbusparkplatz. Die „Häuserschlucht“ Reichsstraße müsse zweifelsohne begrünt und zum Teil verkehrsberuhigt (mit zeitlich begrenzten Sperrungen), das Tanzhaus wieder ein „kultureller Magnet“ mit einer Art „Haus der Vereine“ werden.
Beim Bürgerspital-Neubau pocht Fackler auf den Standort Innenstadt, da die Älteren nicht nach außen abgedrängt werden dürften. Baupotenzial für eine Multifunktionshalle für größere Veranstaltung sieht im neuen Alfred-Delp-Quartier in der Parkstadt. Die Wirtschaft gelte es beispielsweise über eine Senkung des Gewerbesteuer-Hebesatzes zu entlasten. Im Rathaus müsse ein „neuer Politikstil“ für mehr Serviceorientierung und Transparenz sorgen. Ferner werde es mit ihm als OB eine Jugendsprechstunde sowie regelmäßige Bürgerversammlungen in den Stadtteilen geben, sagt Fackler. Seinen Wahlkampf werde er unter anderem „an den Haustüren“ führen.
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Der erfahrenste Kommunalpolitiker Albert Riedelsheimer (Grüne):
Riedelsheimer hat lange mit seiner Kandidatur gewartet, obwohl für ihn schon lange klar war, dass die Grünen einen OB-Kandidaten aufstellen müssten. Der Riedlinger ist vielfach engagiert in seiner Heimatstadt: Als Stadtrat, als Sozialarbeiter im Ankerzentrum und im Krankenhaus sowie als praktizierender katholischer Christ in seiner Pfarrei. Der Familienvater hat sich eine nachhaltige ökologische Stadtpolitik auf die Fahnen geschrieben. Er möchte eine weitgehende Verkehrsberuhigung in der Reichsstraße und deren Begrünung, um ein besseres Stadtklima im wahrsten Sinne des Wortes zu erreichen. Denkbar sei auch eine Fußgängerzone auf Teilen der Reichsstraße (wir berichteten). Das würde auch der Attraktivität der Läden zugute kommen, ist Riedelsheimer überzeugt.
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Für eine neue Veranstaltungshalle zeigt sich Riedelsheimer offen, auf dem Schwabenhallen-Areal wäre dies möglich – nicht aber auf dem vormaligen Kasernengelände in der Parkstadt. In dem neuen Siedlungsgebiet neue Lärmprobleme zu schaffen, das sei kontraproduktiv. Ob beim Tanzhaus eine Sanierung oder ein Abbruch besser wäre, darüber sei er sich noch nicht klar: „Wir brauchen endlich Zahlen dazu.“ Weitere große Baugebiete außerhalb des neuen Alfred-Delp-Quartiers sieht der Grüne skeptisch; es gelte, ein aktives Leerstandsmanagement einzurichten und Baulücken zu schließen. Kleinere Baugebiete seien derweil durchaus denkbar. Unterdessen sei die Diskussion rund um den Bahnhof Donauwörth schon fast peinlich – der Durchstich in Richtung Airbus müsse kommen, der Bahnhof attraktiver und barrierefrei ausgebaut werden. Hier müsse mit mehr Vehemenz auf die Bahn als bundeseigenes Unternehmen eingewirkt werden. Zur Anbindung der Parkstadt plädiert auch Riedelsheimer für die Seilbahn-Option.
Riedelsheimer rechnet mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen allen Kandidaten. Der bekennende Christ möchte sich auch für eine Stärkung des Wallfahrtsgedankens in Donauwörth einsetzen.
Der Überraschungskandidat: Jürgen Sorré (parteilos/ SPD)
Sorré ist der Überraschungskandidat der Donauwörther Sozialdemokraten. Als er von Vertretern der Partei angesprochen wurde, ob er sich als Parteiloser eine Kandidatur vorstellen könne, da ging er erst einmal in sich. Als kommunalpolitisch Interessierter und gebürtiger, engagierter Donauwörther sagte er schließlich zu – und dass er bislang keine kommunalen Ämter innehatte, sieht Sorré nun eher als Pluspunkt. Er könne unvoreingenommen als Quereinsteiger an die Arbeit gehen, noch dazu sei er parteipolitisch unbelastet. Der Banker, der bei der Sparkasse in Donauwörth arbeitet, sieht seine Stärken unter anderem im Wirtschafts- und Finanzressort. Aus dieser Branche könne er einiges mit ins Rathaus nehmen: etwa den Servicegedanken und die Überzeugung, dass mit Bedacht, aber auch mal mutig investiert werden müsse. Sorré will die Bürger über eine noch nicht im Detail definierte neue „Plattform“ stärker in die Politik und die Entscheidungen mit einbinden.
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Grundsätzlich wolle er es im Falle seiner Wahl vermeiden, sagt Sorré, mit einer „fertigen Aufgabenliste“ ins Rathaus einzuziehen und zu signalisieren, dass der Neue nun alles besser wisse: „Das wäre anmaßend“. Vielmehr wolle er gemeinsam mit dem Rat, der Verwaltung und den Bürgern Prioritätenlisten für die kommenden fünf beziehungsweise zehn Jahre aufzustellen.
Die Innenstadt sei für die Donauwörther ein „emotionales Thema“. Viel deute darauf hin, sagt Sorré, dass das Tanzhaus abgerissen und neu gebaut werden sollte. Die Kasernenkonversion – auf dem Gelände müsse es Wohnraum für jeden Geldbeutel geben–, der Bau einer Veranstaltungshalle mit 400 bis 700 Plätzen und der Bau des Seniorenheims Bürgerspital an einem neuen Standort : die Liste der anzugehenden Baustellen sei lang und anspruchsvoll. Des Weiteren pocht Sorré auf die Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements und die Stärkung der Vereine. Das liegt nahe, der zweifache Familienvater aus Berg ist unter anderem Jugendtrainer beim SV Wörnitzstein-Berg.
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