Bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Wemdinger Hausarzt Dr. Gerhard Holst ist jetzt eine neue Behörde federführend. Die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Abrechnungsbetrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) hat das Verfahren an sich gezogen. Die ZKG ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg angesiedelt.
Patienten haben trotz Corona-Impfung keine Antikörper im Blut
Der Mediziner steht bekanntlich im Verdacht, reihenweise Corona-Impfungen vorgetäuscht zu haben – mit und ohne Wissen der Personen beziehungsweise Patientinnen und Patienten, die zu ihm kamen. Zuletzt ergaben sich zunehmend Anhaltspunkte, dass dies – wie von der Staatsanwaltschaft bereits nach den ersten Nachforschungen vermutet – in Hunderten von Fällen erfolgte. So ließen sich bei einer eigens organisierten Testaktion im Blut von rund 200 Patienten, die sich von Holst impfen hatten lassen, keine Antikörper finden.
Bislang führte die Staatsanwaltschaft Augsburg das Verfahren gegen den Allgemeinmediziner. Weil gegen Holst unter anderem der Vorwurf des Abrechnungsbetrugs im Raum stehe, habe die ZKG die Sache übernommen, erklärt deren Pressesprecher Matthias Held auf Anfrage unserer Zeitung.
Verfahren gegen Ärzte, Apotheker oder Pflegedienstleister
Die Sonderbehörde ist erst seit gut einem Jahr tätig und auf diesem Gebiet für den ganzen Freistaat zuständig. Hintergrund: Der Sachverhalt im Gesundheitswesen sei teilweise hoch komplex. Mit der nötigen Fachkompetenz könne man in Verfahren, die sich gegen Ärzte, Apotheker oder Pflegedienstleister richten, auf Augenhöhe agieren.
Aufseiten der Polizei ändere sich im Fall Holst nichts an den Zuständigkeiten, berichtet Held. Hier sei weiterhin die Kriminalpolizei Dillingen verantwortlich.
Ermittlungen gegen Personen, die mit Dr. Holst gemeinsame Sache machten
Auch die Staatsanwaltschaft Augsburg ist weiter im Spiel. Das bestätigt deren Leiter Rolf Werlitz. Seine Behörde behalte die Fälle, in denen es gegen Personen gehe, die wohl bewusst zu Holst gingen, um eine Impfung vorzutäuschen. Wie gemeldet, fiel über Wochen hinweg in Wemding auf, dass wohl Leute aus ganz Bayern und darüber hinaus die Praxis besuchten, vor allem an Freitagabenden.
Insgesamt müsste der Hausarzt nach Informationen unserer Zeitung den vorliegenden Unterlagen zufolge rund 1200 Leute gegen Covid-19 geimpft haben. Angeblich verbrauchte Holst ungefähr 2000 Spritzen. Die Kripo ist momentan damit beschäftigt, jede einzelne Impfung nachzuvollziehen. Dazu wurde eigens eine Ermittlungsgruppe gebildet. Es ist damit zu rechnen, dass die Arbeit der Kriminalbeamten noch Wochen und Monate dauern wird.