Drehen sich im Lechgebiet in einigen Jahren mehr als ein Dutzend Windräder? Möglich scheint das. Drei Windkraftwerke stehen bei Riedheim, fünf weitere entstehen derzeit im Forstgebiet Brand, das zu den Gemeinden Holzheim und Münster gehört. Der Entwurf des Regionalplanes Augsburg vom November 2024 sieht zwei weitere Vorranggebiete in den Fluren von Bayerdilling und Oberpeiching mit zusammen 291 Hektar vor. Stadt und Bayerischer Bauernverband informierten im Bayerdillinger Gasthof Hertl die Eigentümer und interessierte Bürger zu dem Plan. Und wichtig war Bürgermeister Karl Rehm wie Lena Käsbauer vom Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes, dass im Fall der Realisierung die Wertschöpfung vor Ort bleibt – wenn man denn diese Windräder will.
Über 100 Interessierte waren gekommen, darunter viele der Grundstückseigentümer. Es gebe keinen Anlass zu überstürztem Handeln, so Bürgermeister Karl Rehm im Hinblick auf den Verfahrensstand. Noch wichtiger für den sachlichen Versammlungsverlauf war seine Feststellung zum Auftakt: „Wenn Sie als Eigentümer auf Ihrem Grundstück kein Windrad wollen, kommt bei Ihnen auch keines“. Quintessenz der Beiträge von Bürgermeister und Bauernverband war, dass sich die Grundstückseigentümer nicht durch vorschnelle Bindung an eventuelle Investoren auseinanderdividieren lassen. Fakt ist bei den VRW 42 und 43 beiderseits der Staatsstraße von Rain nach Gut Sulz in den Gemarkungen Bayerdilling und Oberpeiching, dass sehr viele Grundstückseigentümer „im Spiel“ sind. Windräder wie sie derzeit im Staatsforst „Brand“ gebaut werden, haben Rotor-Durchmesser von 172 Metern. Für nahezu alle Standorte bedeutet dies, dass Grundvoraussetzung das Einvernehmen mehrerer Nachbarn wäre.
Rain Bürgermeister Karl Rehm informierte über Windkraft-Gesetze
Bürgermeister Karl Rehm informierte über die bundesgesetzlichen Grundlagen zum Ausbau der regenerativen Energie, die im Hinblick auf Umweltschutz und weltpolitischer Lage gelegt wurden. Bei Nichterreichen der gesetzlichen Flächenziele sind Windräder „privilegiert“ außerhalb ausgewiesener Flächen denkbar. Im ersten Anhörungsverfahren habe die Stadt auf Abstände von 1200 Metern statt 800 Meter zur Bebauung und zu Bereichen für die künftige Stadtentwicklung gedrungen, so der Bürgermeister. Auf 1000 Meter Abstand sei der Planungsverband eingegangen, woraus sich die 291 Hektar errechnen. Bei der Forderung der Stadt verblieben 195 Hektar für Windkraft.
Lena Käsbauer vom Generalsekretariat des Bayerischen Bauernverbandes stellte die Chancen und Risiken von Windkraft für die Landwirte und die Region dar. Externe Investoren würden maximalen Gewinn anstreben, Nutzung und Preisvorteil „vor Ort“, beispielsweise durch ein Regionalwerk, gäbe es nicht. „Es geht nicht darum, ob Windkraft entsteht, sondern wer an dieser verdient“, so Käsbauer. Von der Flächensicherung bis zum späteren Betrieb soll man die Regie vor Ort behalten. Sie empfahl „Flächenpooling“, also finanzielle Beteiligung aller Eigentümer im Umgriff. Die „Standortgüte“ von nur 55 bis 60 Prozent werde zur Förderung dezentraler Energieversorgung durch eine höhere Vergütung ausgeglichen, um möglichst wenig teure Stromtrassen von Nord nach Süd bauen zu müssen.
Windkraftgegner beteiligten sich an Diskussion in Rain
Auch „Nicht-Grundstückseigentümer“ brachten sich in die Diskussion ein – teils als Gegner, teils als Befürworter von Windenergie. Bürgermeister Rehm schlug als nächste Schritte vor, die betroffenen Eigentümer an einen Tisch bringt zu bringen (Anwesende konnten sich in eine Liste eintragen) und einen Windkümmerer“ (Landesagentur für Energie und Klimaschutz) einschzualten. Ergebnisoffen werden sich wohl zunächst die Eigentümer treffen: Eindeutige „Ja-“ oder „Nein-Stimmen“ gab es an dem Abend aus deren Reihe nicht.
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