Ebermergen: Der vergebliche Kampf gegen die Schließung der Dorfschule in Ebermergen
Ebermergen
Der vergebliche Kampf gegen die Schließung der Dorfschule in Ebermergen
Das Buch "Ebermergener Schulgeschichten" beschäftigt sich mit der 400-jährigen Historie der Dorfschule. Zum Inhalt gehören auch Zeugnisse und Klassenfotos.
19.09.23 - aktualisiert:
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Der Heimatgeschichtliche Verein Ebermergen hat dieses Buch mit dem Titel "Ebermergener Schulgeschichten" herausgebracht.Foto: Heimatgeschichtlicher Verein Ebermergen
Als 1973 das neue Schuljahr begann und 32 Erstklässler stolz mit ihren Schultüten in die Ebermergener Grundschule einzogen, beobachteten dies viele Erwachsene im Ort wehmütig. Mancher hatte wohl auch eine gehörige Portion Wut im Bauch. Denn mit der Einschulung vor 50 Jahren wurde in Ebermergen das Ende der rund 400-jährigen Historie der Dorfschule eingeläutet. An diese erinnert ein Buch mit dem Titel „Ebermergener Schulgeschichten“, das der Heimatgeschichtliche Verein (HGV) produziert und jetzt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert hat.
Um 1970 herum verschwanden in Bayern viele Dorfschulen. Die hohe Politik strebte bei den Grund- und Hauptschulen größere Einheiten an. In Ebermergen bedeutete dies das Aus einer Institution. Deren Geschichte begann 1570. Der Unterricht fand zunächst in einem Haus in der Dürrgasse statt, dann in der Wohnung des jeweiligen Lehrers. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war dieser allein und für bis zu fast 100 Kinder zuständig. 1843 entstand das heute noch existierende Schulhaus.
Nach dem Krieg besuchten rund 230 Kinder die Schule in Ebermergen
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg platzte die Ebermergener Schule, die 1912 erweitert worden war, durch die vielen Heimatvertriebenen aus allen Nähten. 1100 Einwohner zählte der Ort, 230 Kinder gingen zur Schule und zeitweise drängten sich um die 80 Mädchen und Buben in einem Klassenzimmer.
Übervolles Klassenzimmer: 74 Kinder der jüngeren Jahrgänge hatte die Lehrerin in Ebermergen im Jahr 1928 gemeinsam zu unterrichten.Foto: Heimatgeschichtlicher Verein
Die Verantwortlichen der Gemeinden Ebermergen und Brünsee/Marbach – diese bildeten den Einzugsbereich der Schule – planten in den 1950er und 1960er Jahren mehrfach eine neue, größere Schule, auch ein Reihenhaus mit Wohnungen für die Lehrer. In die Bemühungen, die Dorfschule zu erhalten, schaltete sich auch der Ebermergener Dekan Edwin Zwilling ein. Er wendete sich mit aus heutiger Sicht bemerkenswerten Argumenten an die zuständigen Behörden. Es wäre „ein gewagtes Experiment“, in einer zentralen Schule in Harburg „Stadt- und Landkinder zusammenzufassen“, denn: „die soziologische Struktur ist eine verschiedene.“ Auch die Luftverschmutzung durch das Zementwerk in Harburg führten der Kirchenmann, die Gemeinden und der Elternbeirat an.
Diese Zeichnung zeigt die Dorfschule in Ebermergen im Jahr 1897.Foto: Museum Kulturland Ries
Doch es half nichts. Erst wurde den Ebermergenern die Hauptschule abgesprochen, dann die Grundschule. Als 1973 zum letzten Mal Erstklässler (übrigens auch die aus Mauren) starteten, war der Standort Ebermergen bereits eine Außenstelle der Volksschule Harburg. Weil dort der Neubau noch nicht fertig war und der Platz für die Schüler aus dem Umland nicht ausreichte, war die Situation bis 1974 durchaus kompliziert: Dritt- und Viertklässler besuchten den Unterricht in Mauren (und auch Mündling), die beiden 5. Klassen der Volksschule Harburg mit Schülern aus Brünsee, Ebermergen, Harburg, Mauren und Ronheim waren in Ebermergen angesiedelt.
Ein Kind ertrinkt auf dem Heimweg von der Schule in der Wörnitz
Den Inhalt des Buchs stellte Wolfgang Widemann, der sich um das Projekt gekümmert hat, den rund 100 Interessierten in dem mit alten Schulmöbeln "dekorierten" Saal des Gemeindehauses "Arche" vor. Das 160-Seiten-Werk gliedert sich in drei Kapitel: 400 Jahre Schulleben in Ebermergen, Zeugnisse und Klassenfotos. Es geht unter anderem um eine künstlerisch begabte Lehrer-Familie, die Rolle der Schule in der Zeit des Nationalsozialismus und um den Tod eines Neunjährigen aus Brünsee durch Ertrinken in der Wörnitz auf dem Heimweg von der Schule. Die Zeugnisse reichen bis ins Jahr 1829 zurück, das älteste Klassenfoto stammt aus dem Jahr 1888.
Blick in das Buch "Ebermergener Schulgeschichten", das sich mit der 400-jährigen Historie der Dorfschule beschäftigt.Foto: Heimatgeschichtlicher Verein
HGV-Vorsitzender Bernhard Röthinger stellte heraus, dass viele Personen ihren Beitrag zu dem Buch geleistet hätten und dadurch ein echtes Gemeinschaftswerk entstanden sei. Dieses bilde einen wesentlichen Beitrag zur Ortsgeschichte.
Das Buch ist für 23 Euro erhältlich im Dorflädle Ebermergen, im Buchhaus Greno in Donauwörth und in der Raiffeisen-Volksbank in Harburg. (AZ)