Am Ulrichsbrunnen im Tapfheimer Orsteil Donaumünster gibt es ein unbebautes Grundstück. Es umfasst exakt 838 Quadratmeter und liegt in einem seit Jahren existierenden Wohngebiet. Das Areal sollte – und dies soll den Bewohnern seinerzeit versprochen worden sein – unbebaut bleiben, wie eine Art „grüne Lunge“. Weil der neue, von der Bundesregierung beschlossene „Bau-Turbo“ eine Bindung an bestehende Bebauungspläne aushebeln kann, gab es die Idee, das gemeindliche Grundstück nun zu verkaufen und zur Bebauung freizugeben. Doch dagegen gab es Protest.
Die Ideengeber hatten ihre Pläne ohne die Anlieger gemacht. 110 Wohneinheiten bestehen rund um das Grundstück. Zahlreiche Bewohner liefen nun gegen die Pläne Sturm, brachten ihre Bedenken gegen das Vorhaben direkt bei Bürgermeister Marcus Späth vor. Dieser nannte die Kritikpunkte im Gemeinderat. Hauptargument sei, dass den Bauherren seinerzeit sogar Teilbeträge aufgebürdet worden seien, um die Kosten für das freistehende Areal zu decken. Außerdem befürchteten die Anwohner, dass Wohnqualität verloren gehe, Gefahrenstellen entstünden und wertvolle Grünfläche verschwinde.
Tapfheimer Gemeinderäte wollen Entscheidung zu Grundstück in Donaumünster vertagen
Das Thema war wohl schon mehrmals nichtöffentlich besprochen worden. Karl-Philipp Sauter begrüßte es, dass man darüber nun öffentlich diskutiere. Er nahm dies zum Anlass, um eine Kritik zu äußern: „Es wird bei uns viel zu viel nichtöffentlich besprochen.“ Sauters Anmerkung deckt sich mit Äußerungen von Gemeinderäten hinter vorgehaltener Hand, die schon mehrmals ebenfalls bedauert hatten, „dass vieles hinter verschlossenen Türen besprochen wird“. Dieter Keller hob hervor, dass es sich bei der Bebauung des fraglichen Grundstücks um nur eine Wohneinheit handele. Dafür Fläche zu versiegeln und einen solchen Aufwand zu betreiben, könne er nicht verstehen. Auch Leonhard Kleinle riet von einer Bebauung ab und erinnerte an den Bestandsschutz. Martina Achzet schloss sich dem an.
Hubert Rettenmeier erklärte, es gehe doch nicht darum, Einnahmen für die Gemeinde zu generieren, sondern in einer angespannten Situation eine weitere Wohnmöglichkeit zu schaffen. Das sei angesichts der „weit und breit“ fehlenden Wohnungen legitim. In einem Nebensatz nannte er einen Quadratmeter-Ertrag von 220 Euro für die Gemeinde. Werner Freißler und Josef Hiltner, beide ausscheidende Gemeinderäte, plädierten dafür, eine Entscheidung zu vertagen und noch einmal mit den Anliegern zu sprechen. Ihr Antrag wurde abgelehnt. Letztlich entschied sich der Gemeinderat bei einer Kampfabstimmung gegen eine Bebauung. Den Bau-Turbo wird man hier also nicht anwerfen können.
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