In Marxheim bewegt sich derzeit sehr viel. Die Kommune ist trotz großer Aufgaben finanziell gut aufgestellt – mit 1,54 Millionen Euro auf dem Rücklagenkonto und nur 325.000 Euro Verschuldung. Es bleibt aber ein Kraftakt, das notwendige Geld für eine zeitgemäße Infrastruktur aufzubringen. Erster Bürgermeister Alois Schiegg gab bei sechs durchwegs gut besuchten Bürgerversammlungen zugleich Rück- und Ausblick. Letztmals haben die Bürger am 13. Mai, 20 Uhr, im Feuerwehrhaus Lechsend die Gelegenheit zu Information und Fragestellung. In den bisherigen Diskussionsrunden zeigten sich die Besucher mit der Gemeinde zufrieden und gaben Schiegg einige Anregungen mit auf den Weg.
Zwei Großprojekte beschäftigen den Gemeinderat derzeit. Beide Maßnahmen sollen nächstes Jahr abgeschlossen werden. Die neue Kindertagesstätte kostet laut Kostenfortschreibung acht Millionen Euro – das ist etwas weniger als ursprünglich kalkuliert; 4,18 Millionen Euro kommen aus der Kasse des Freistaates. Die „Ertüchtigung“ der Kläranlage könnte mit sieben Millionen Euro ebenfalls knapp unter der Kostenberechnung abschließen. Hier kommen 636.000 Euro aus der Staatskasse, der Großteil der Kosten wird durch Verbesserungsbeiträge auf die Bürger umgelegt. Das gilt auch für Wasserleitungs- und Kanalerneuerungen, die es in Raten bis 2028 zu finanzieren gilt. Die Sanierung des ehemaligen Schulhauses Graisbach ist bis Juli abgeschlossen. Auf die Baukosten von rund 1,15 Millionen Euro bekommt die Gemeinde eine halbe Million Euro als staatliche Förderung.
Bürgerversammlungen in Marxheim: Alois Schiegg informiert
Großer Nachteil ist für die Gemeinde ihr weitläufiges Gebiet mit acht Dörfern: Den Breitband-Ausbau übernimmt der günstigste Anbieter bei einem Baukostenzuschuss der Gemeinde von 3,3 Millionen Euro. Denn dicht bebaute Kommunen finden Anbieter für eigenwirtschaftlichen Ausbau oder geringerem Gemeindezuschuss. Ziel sei, so Bürgermeister Schiegg, dass jedes Haus mit Glasfaser versorgt wird. 2,63 Millionen Euro Zuschuss hat der Bund zugesagt, auf den Förderbescheid des Staates, der auf 90 Prozent aufstockt, wartet Marxheim noch. 330.000 Euro sind am Ende aus der Gemeindekasse zu zahlen.
Mehrere Alternativen hat die Gemeinde für den Wohnungsbau geschaffen. Sie setzt auf die „Aktivierung“ von Leerstand. Andererseits bietet sie neue Bauplätze. Elf von 23 Parzellen wurden im Baugebiet „Am Marksfeld“ in Graisbach, zehn von 30 Parzellen im „Grießfeld“ Marxheim sowie acht von 22 Plätzen im „Schachenfeld“ Neuhausen verkauft. Die Bauverpflichtung ist auf fünf Jahre festgeschrieben. In Gansheim ist bereits der Bebauungsplan „Stockwiesen“ aufgestellt worden, wegen der anderen Gebiete wird dort vorerst nicht erschlossen. Derzeit beginnt der Bau von zwei Freiflächen-Photovoltaikanlagen bei den Erlhöfen, für die der Gemeinderat die Bebauungspläne aufstellte. Insgesamt werden auf den 14,48 Hektar Solarpaneele mit einer Nennleistung von 15.500 kWp installiert.
Der Bürgermeister stellte auch die Leistung der gemeindlichen Mitarbeiter heraus: 13,87 Vollzeitstellen sind insgesamt besetzt. In der Kernverwaltung liegt man mit 3,35 Vollzeitstellen bei 2723 Einwohnern weit unter dem Durchschnitt vergleichbarer Gemeinden (2,51 Stellen pro 1000 Einwohner). Und eine gute Nachricht hatte Bürgermeister Alois Schiegg zur Windkraft: Das mit Abstand größte Vorranggebiet der Region nordwestlich Marxheim und Schweinspoint soll aus Naturschutzgründen erheblich kleiner werden und deutlich von den Dörfern wegrücken. Die entsprechende Änderung des Regionalplanes wurde am Dienstag aber nicht verabschiedet.
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