Der Abend war schon fortgeschritten und Bürgermeister Christoph Schmidt hatte bereits zahlreiche Zahlen und Fakten präsentiert, da nannte er bei der Bürgerversammlung in Harburg ein Stichwort, das aktuell offenbar viele Menschen in der Kommune bewegt: „Windkraft“. Konkret: die möglichen Windräder auf der Anhöhe westlich der Kernstadt. Was in der Versammlung folgte, war eine rund eineinhalbstündige Aussprache. Einige der Anwesenden stellten kritische Fragen und ließen durchblicken, dass sie von den Anlagen nahe dem Bock und bei Eisbrunn nicht begeistert wären.
Schmidt erläuterte nochmals die Ausgangslage, die dazu geführt habe, dass der Stadtrat nun ein Verfahren für einen Teilflächennutzungsplan gestartet hat. Dieser umfasst zwei Flächen, auf denen jeweils drei Windräder gebaut werden könnten. Bis Ende April können Behörden, Institutionen und Bürger Stellungnahmen zu dem Plan abgeben. Anschließend soll am 9. Juni eine Info-Veranstaltung in der Wörnitzhalle stattfinden (Beginn 19 Uhr), ehe die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung am 25. Juni alles abwägen und über den weiteren Fortgang entscheiden wollen.
Stadt Harburg will einem Vorranggebiet für Windkraft zuvorkommen
Der Bürgermeister betonte, erst nach der Anhörung, die gerade läuft, wisse man, „ob dort Windkraft möglich ist“. Würde die Stadt nichts unternehmen, würde der Regionale Planungsverband den besagten Bereich mit ziemlicher Sicherheit zu einem Vorranggebiet für Windenergie erklären. Die Folge wäre, dass dort Windräder privilegiert wären, es keiner Genehmigung mehr bedürfte und die Kommune kaum noch Einfluss hätte. Mit dem Teilflächennutzungsplan hätte die Stadt dort die Entscheidungshoheit und könnte sicherstellen, „dass nicht mehr jemand kommen kann und ein siebtes, achtes oder neuntes Windrad bauen kann“.
Schmidt ging auch erneut auf das Flugblatt ein, das kürzlich eine Bürgerinitiative (BI) im Stadtgebiet verteilt hatte. Die Bildmontage mit den Windrädern oberhalb der Harburg sei schlicht falsch und die aufgelisteten Argumente gegen Windkraft seien einseitig. „Hier wird versucht, Angst zu machen“, so der Rathauschef. Der riet dazu, „neutral zu recherchieren“. Unter anderem merkte der Bürgermeister an: „Wenn einer sagt, dass in Mauren ein Schattenwurf entsteht, müsste die Sonne von Norden kommen.“
Harburgerin: BI-Flugblatt hat manche auf das Thema Windkraft gestoßen
Sogleich meldete sich ein Bewohner der Oberen Reismühle bei Mauren zu Wort. Er sei einer von denen, die näher an den möglichen Standorten der Windräder leben. Gerade das vermeintlich dominanteste Windrad würde relativ nahe am Dorf stehen. das von einer schönen Landschaft umgeben sei: „Ich fände es schade, wenn so ein Einschnitt kommen würde.“ Eine Harburgerin sagte, viele Menschen im Ort dächten, die Windräder kämen sowieso. Das BI-Flugblatt habe die positive Wirkung gehabt, dass mancher erst auf dieses Thema gestoßen sei. Mehrere Bewohner der Kernstadt äußerten ihre Befürchtungen, das Stadtbild würde durch die Rotoren beeinträchtigt. „Mich stört die Höhe“, so ein Mann, der in der Schießhausstraße lebt und sich um den Wert seines Grundstücks sorgt. Ein älterer Harburger drückte seine Bedenken so aus: „Meine Befürchtung ist, dass die Ansicht von Harburg leidet.“
Auf die Frage, welche Rolle denn die Firma Märker spiele, erklärte Christoph Schmidt, diese sei hier nicht die treibende Kraft. Vor ein paar Jahren habe das Unternehmen, dem die nahe dem Bock ins Auge gefasste Fläche gehört, solche Pläne erst einmal abgelehnt. Erst als sich die Vorranggebiete im neuen Regionalplan herauskristallisiert hätten, habe Märker Interesse gezeigt. Ob sich Windräder für die Firma überhaupt rentieren würden, könne momentan niemand sagen.
Zu Sitzung des Harburger Stadtrats Ende 2025 kam kein einziger Zuhörer
Ein Anwesender monierte, er hätte sich eine Info-Veranstaltung vor dem Ablauf der Frist für Stellungnahmen gewünscht. Schmidt entgegnete, ein solcher Termin mache nur Sinn, wenn Fakten vorlägen. Dies sei erst nach der Anhörung der Fall. Eine Frau aus Harburg hätte sich ebenfalls mehr Informationen gewünscht. Die Reaktion des Bürgermeisters: Alles sei bislang transparent abgelaufen und nichts sei entschieden. Leider sei zu der Stadtratssitzung, in der es Ende 2025 um die Windräder ging, kein einziger Zuhörer ins Rathaus gekommen.
Dem Entwurf des Teilflächennutzungsplans zufolge befinden sich die Standorte der Windräder jeweils im Wald. Man habe hier bewusst Stellen mit jungen Baumbeständen gewählt. Laut Schmidt müsste kein alter Mischwald gefällt werden. Es führten auch bereits Wege zu diesen Flächen. Der Bürgermeister machte klar, dass ihm und den Ratsmitgliedern vor einem Beschluss ein Punkt „ganz wichtig“ sei: „Die Stimmung aus der Bevölkerung zu hören.“
Indes zeichnet sich im Regionalen Planungsverband Augsburg eine neue Entwicklung ab, welche die Vorgehensweise der Stadt Harburg ins Leere laufen lassen könnte (Bericht folgt).
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