In mindestens sechs Familien klingelte in der Nacht auf Sonntag in Riedlingen um 3 Uhr der Wecker. Mitten in der Nacht hieß es für die sechs Festdamen der Hubertus-Schützen im Donauwörther Stadtteil: Vorbereiten für den Jubeltag. Stunden später hatten sie ihre Aufgaben bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins zu erfüllen. „Ich bin stolz“, drückte Hanna Müller ihr Empfinden auch für ihre „Mitstreiterinnen“ aus.
Es wurde ein turbulenter Tag für die Organisatoren und Beteiligten in Riedlingen. Die Verantwortlichen wollten vor dem angekündigten Starkregen den Umzug retten und zogen den Start vor. Doch kaum hatten sich Festdamen, Musikanten und Schützenabordnungen mit ihren Fahnen aufgestellt, prasselte ein Platzregen nieder. Nach wenigen Minuten blieb nichts anderes übrig, als das Vorhaben abzusagen und Zuflucht im Festzelt zu suchen. Kaum waren die Durchnässten dort im Trockenen, schien stellenweise wieder die Sonne.
Nach dem Regen rücken die Schützen in Riedlingen im Festzelt zusammen
Alle waren auf den Beinen, um zur Feier des Traditionsvereins ihren Beitrag zu leisten. Die meisten Anwesenden ließen sich von dem Gewitter nicht die gute Laune verderben. Die Schützinnen und Schützen rückten im Zelt enger zusammen, feierten ausgelassen, die durchnässten Musikanten brachten ihre Instrumente zum Erklingen, die Fahnenträger zogen ein. Erfahrene Schützenfest-Gratulanten sprachen von „einmaligen Erlebnissen des Zusammenrückens“.
Mit einer Energieleistung hatte der Verein um seinen Schützenmeister und Festausschussvorsitzenden Armin Durner das Ereignis organisiert. Man erlebte einen Auftakt nach Maß: mit den Wörnitzsteiner Musikanten, mit dem in Freundschaft verbundenen Patenverein aus Wörnitzstein und einem gut gelaunten Oberbürgermeister Jürgen Sorré. Er zapfte als Schirmherr das erste Bierfass routiniert an, ohne einen Tropfen zu vergeuden.
Festdamen beim Schützenfest in Riedlingen: „So etwas vergisst man nie“
Nach einer Plattenparty am Freitag sowie einer Oldtimershow und einem Stimmungsabend mit der Band Donaulumpen am Samstag wurden am Sonntag die ersten Gastvereine empfangen. Mittendrin: Hanna Müller. Vor vier Jahren hatte sie mit einer Freundin bei einem Fest in Harburg Festdamen beobachtet. Da sei der Wunsch aufgekommen, auch einmal ihren Verein zu repräsentieren. Vor zwei Jahren erhielt sie dann die Zusage, am Sonntag war die 17-Jährige „ziemlich aufgeregt“. Bewegte Monate liegen hinter der FOS-Schülerin: Mit ihren Kolleginnen mussten Kleider ausgesucht und eine zeitaufwendige Hochsteckfrisur zurechtgemacht werden. Die Festdamen hatten auch einen Tanz einstudiert, der die Gäste begeisterte. „So etwas vergisst man nie“, pflichteten die Festdamen einhellig bei. Nur die Hochsteckfrisuren waren nach der Regen-Dusche im Eimer...
Zum Programm am Sonntag gehörte auch ein Gottesdienst. Der katholische Dekan Robert Neuner leitete diesen, die Wörnitzsteiner Kapelle sorgten für die musikalische Umrahmung. Gauschützenmeisterin Heike Wildfeuer-Fick beglückwünschte die Hubertus-Schützen, forderte aber auch alle Vereine auf, die Tradition aufrecht zu erhalten und die Jugendarbeit nicht zu vernachlässigen. Bei den Grußworten stand das Miteinander im Mittelpunkt: bei Robert Manz von der Schützengilde in Riedlingen in Baden-Württemberg, ebenso wie bei Herbert Hochmuth von der Schützengesellschaft Adler Wörnitzstein.
Knapp 70 Vereine wollten am Umzug, geleitet von acht Musikkapellen, teilnehmen. Am Ende lernten sich unter Schirmen wildfremde Menschen kennen. Alle waren sich einig: Das war ein Fest, das in die Geschichte von Riedlingen eingehen wird. Nur einer mochte nach dem Regen nicht so recht lachen: Schirmherr Sorré. Etwas betrübt lief er zum Zelt zurück, hatte er doch in seiner Funktion auch für gutes Wetter zu sorgen.
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