Der Wunsch nach einer unabhängigen und klimafreundlichen Wärmeversorgung geht in Wolferstadt bald für jeden zweiten Haushalt in Erfüllung. In dem Juradorf haben die Bauarbeiten für ein umfangreiches Wärmenetz begonnen. Um das Millionenprojekt zu verwirklichen, gründeten die Wolferstädter eigens eine Aktiengesellschaft. Der Zeitplan für das Vorhaben sei straff, berichtet Willi Kupies, einer der drei AG-Vorstände.
Die Idee für die Maßnahme entstand laut Kupies vor gut drei Jahren. Seitdem liefen die Planungen und Vorbereitungen. Der Rückhalt für das Wärmenetz sei in der Kommune groß, stellten die Verantwortlichen fest. Nach aktuellem Stand werden 140 Gebäude beziehungsweise Grundstücke angeschlossen. Das entspricht laut Kupies einer Quote rund 50 Prozent im Ort. In diesem existieren bisher zwei kleine Wärmenetze, die mit Hackschnitzelheizungen betrieben werden.
Biogas wird über Leitung von Steinbühl nach Wemding geschafft
Das Konzept der Energie Wolferstadt AG sieht so aus: Die Landwirtsfamilie Seefried, die in Steinbühl eine Biogasanlage betreibt, liefert den Brennstoff. Der wird aus dem Ortsteil über eine rund zwei Kilometer lange Leitung zu einer sogenannten Satellitenanlage im neuen Gewerbegebiet am westlichen Dorfrand von Wolferstadt geschafft. Dort wird ein Betriebsgebäude errichtet, von dem aus mit der Abwärme das Wasser erhitzt und in ein Leitungsnetz eingespeist wird, das zu den Anwesen der Abnehmer führt. Das Ortsnetz aus glasfaserverstärkten Kunststoffrohren wird etwa neun Kilometer lang.
Die Bauarbeiten dafür starteten bereits und in einigen Bereichen sind die Rohre schon verlegt. Nach Auskunft von Kupies will die Firma Mieling die nötige Infrastruktur bis November 2026 fertig haben. Das Unternehmen sei mit „voller Kapazität“ am Werk. Mehrere Bautrupps seien parallel auf verschiedenen Abschnitten tätig, um den Termin einzuhalten. Damit könnten die AG-Beteiligten schon in der nächsten Heizperiode beliefert werden.
Für einen Anschluss an das Wärmenetz in Wolferstadt sind 13.000 Euro fällig
Die meisten Hauseigentümer, die sich für einen Anschluss an das Wärmenetz entschieden, besäßen bislang eine Ölheizung und hätten in den kommenden Jahren ohnehin investieren müssen, berichtet Willi Kupies. Um in der Energie Wolferstadt AG dabei zu sein, muss jeder Abnehmer einen Anschlussbeitrag von 13.000 Euro bezahlen. Damit sei man auch Aktionär. Die genannte Summe beinhalte die Leitung bis ins Haus, einen Pufferspeicher mit 1000 Litern und einen Übergabebehälter. Die Wiederherstellung des Oberflächenbelags auf dem jeweiligen Grundstück habe dessen Eigentümer selbst zu tragen.
Der Preis pro Kilowattstunde Wärme, die abgenommen wird, liegt Kupies zufolge bei neun Cent. Hinzu kommt ein monatlicher Grundbetrag von 52 Euro. Die Kosten dürften damit geringer sein als bei Heizöl als Brennstoff.
Am neuen Wärmenetz in Wolferstadt hängen auch Schule und Kindergarten
Größter Einzelabnehmer in Wolferstadt ist die Gemeinde. Künftig werden über das neue Wärmenetz die Kanzlei, die Grundschule, die Turnhalle, der Kindergarten, das Jugendheim und die Kirche versorgt. Bisher betreibt die Kommune für die Schule, die Turnhalle und die Kirche eine Hackschnitzelheizung. Die Gesamtkosten für das Wärmenetz beziffert das Vorstandsmitglied auf gut fünf Millionen Euro.
Beim offiziellen Spatenstich versammelten sich unter anderem die Verantwortlichen der Gemeinde, der AG und der beteiligten Baufirmen. AG-Vorstand Hans-Peter Felber hob einer Pressemitteilung zufolge besonders die Initiative der Gemeinde und des ehemaligen Bürgermeisters Philipp Schlapak hervor. Sie hätten den Anstoß für das Projekt gegeben. Um der wachsenden Verantwortung und dem Umfang des Vorhabens gerecht zu werden, beschloss die Hauptversammlung, den Aufsichtsrat von drei auf sechs Mitglieder zu erweitern. Neuer Vorsitzender des Gremiums ist Bürgermeister Klaus-Peter Aurnhammer.
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