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Stadt Harburg informiert über Windkraft-Pläne

Harburg

Windkraft bei Harburg: Informationsveranstaltung löst viele Debatten aus

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    Viele Interessierte kamen zur Informationsveranstaltung der Stadt Harburg - das brachte viel Diskussionsbedarf mit sich.
    Viele Interessierte kamen zur Informationsveranstaltung der Stadt Harburg - das brachte viel Diskussionsbedarf mit sich. Foto: Imke Rauhut

    Kaum ein Thema beschäftigt die Harburger derzeit wohl so sehr wie der Teilflächennutzungsplan für Windenergie. Besonders die Bürgerinitiative „Gegenwind Harburg“ hatte mit ihren Flugblättern für neuen Wirbel gesorgt. Eine Informationsveranstaltung sollte nun für mehr Transparenz und Aufklärung sorgen. Auch die Stellungnahmen der Bürger an die Stadt fanden dabei Erwähnung.

    Das Interesse seitens der Bevölkerung war groß: Zahlreiche Interessierte besuchten am Dienstagabend die Wönitzhalle. Vertreter der Firma Märker, des Projektentwicklungsunternehmens „ReVenton“, des Planungsbüros „Lars Consult“ und des Bund Naturschutz standen für Fragen bereit. Auch die Bürgerinitiative zeigte sich erstmals der Öffentlichkeit mit einem eigenen Informationsstand.

    Stellungnahmen zur Windkraft in Harburg: Große Sorgen um Auswirkungen auf Gesundheit

    Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Bürgermeister Christoph Schmidt erneut die Gründe für das Vorgehen der Stadt: In erster Linie wolle man dem Regionalen Planungsverband, welcher die Flächen auf der Anhöhe westlich der Kernstadt mit ziemlicher Sicherheit zu einem Vorranggebiet für Windenergie erklären werde, zuvorzukommen. Nur so könne die Stadt ihr Mitsprache- und Gestaltungsrecht beibehalten.

    Bürgermeister Christoph Schmidt eröffnete die Veranstaltung. Dabei erwähnte er auch die Stellungnahmen der Bürger an die Stadt Harburg.
    Bürgermeister Christoph Schmidt eröffnete die Veranstaltung. Dabei erwähnte er auch die Stellungnahmen der Bürger an die Stadt Harburg. Foto: Imke Rauhut

    Eben darum habe man auch die Stellungnahmen aus der Bevölkerung einbezogen. Laut Schmidt erreichten die Stadt 215 Einwände, wobei es darunter auch positive Äußerungen zur Windkraft gab. Die häufigsten Einwände bezogen sich auf die Gesundheit, den Rotorabtrieb, die Biodiversität sowie das Landschaftsbild. Als Nächstes werde sich der Stadtrat in einer öffentlichen Sitzung mit den einzelnen Stellungnahmen auseinandersetzen und entscheiden, ob, beziehungsweise wie es mit den Plänen weitergeht.

    Zementwerk Märker: Strombedarf steigt weiter an

    Für das Zementwerk sprach Geschäftsführer Graf Maximilian Pückler-Märker. Der Strombedarf werde aufgrund der Elektrifizierung von Arbeitsprozessen in den kommenden Jahren weiter steigen. Bereits jetzt liege der Stromverbrauch bei 100 Gigawattstunden im Jahr - was etwa 30.000 Haushalten entspreche. Windenergie sei deshalb ein grundlegender Baustein für die Versorgung der Firma.

    Die Windräder möchte das Zementwerk selbst bauen und betreiben, so der Geschäftsführer weiter. Dadurch werde auch das Stromnetz nicht weiter belastet. „Der Strom bleibt in der Region, im Betrieb und sichert auch die Arbeitsplätze“, sagte er. Gleichzeitig bezog er sich auf die zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten. „Vor zehn, 15 Jahren hätte ich die Windkraft-Diskussion auch noch kritischer gesehen. Aber 2026 ist die Lage eine andere.“

    An den Informationsständen in der Wörnitzhalle konnten die Bürger Fragen stellen und Meinungen austauschen.
    An den Informationsständen in der Wörnitzhalle konnten die Bürger Fragen stellen und Meinungen austauschen. Foto: Imke Rauhut

    Auf diesen Wandel verwies auch Franz Waldmann vom Bund Naturschutz. Man müsse den Ausbau erneuerbarer Energien deutlich beschleunigen. Die Windkraft sei dabei besonders flächeneffizient: Ein Hektar Windenergie produziere so viel Strom wie zwei Hektar Solarenergie oder 200 Hektar Biomasse. Zwar gebe es in Bayern im Vergleich zu Norddeutschland durchaus weniger Wind, doch für die benötigte Stromerzeugung reiche er aus. Auch den Rotorabtrieb müsse man in Relation sehen: Laut einer Studie der Enquete Kommission des Deutschen Bundestags aus dem Jahr 2020 würden allein durch den Schuhabrieb zehnmal und durch den Reifenabrieb von Fahrzeugen 100-mal mehr Partikel freigesetzt werden.

    Bürgerinitiative „Gegenwind Harburg“ zeigte sich erstmals der Öffentlichkeit

    Bereits bei Waldmanns Vortrag zum Umweltschutz wurden Stimmen aus dem Publikum laut. „Man darf ihn nicht verharmlosen, diesen Abrieb“, mahnte eine Frau. An den Informationsständen äußerte sich auch der Vorstand der Ortsgruppe des Bund Naturschutz, Michael Ziegelmeier, zurückhaltender zu den Plänen der Stadt: „Wir gehen den Weg schon mit“, sagte er, „aber wir schauen genau auf die Standorte“. So grenze derzeit ein Naturschutzgebiet an einer der geplanten Flächen an.

    Kritische Stimmen kamen, wie erwartet, auch seitens der Bürgerinitiative. Weil sie auf der Bühne nicht sprechen durfte, hielten einige die Veranstaltung für einseitig. Bürgermeister Schmidt wies auf Nachfrage der Redaktion darauf hin, dass man Fachinformationen vermitteln und keine Podiumsdiskussion veranstalten wollte. Er bedauerte auch, dass der vermeintliche Initiator der Initiative, Eberhard Steffen, nicht zu der Veranstaltung erschienen war.

    Andere Besucher äußerten sich wiederum deutlich positiv. Eine Frau lobte die Vorgehensweise der Stadt: „In Zeiten, in denen man sich wegducken könnte, geht man es proaktiv an.“ Auch zwei Männer aus Mündling, die bereits negative Erfahrung mit der Privilegierung von Flächen für Solarenergie gemacht haben, unterstützten die Entscheidung der Stadt, die Auslegung der Windenergie selbst in die Hand zu nehmen. Im Allgemeinen blieb der Diskussionsbedarf an dem Abend jedoch weiterhin hoch.

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