Eine ganze Reihe von offensichtlichen "Kunden" des Wemdinger Hausarztes, der wohl bei Corona-Impfungen betrogen hat, wird in naher Zukunft vor dem Nördlinger Amtsgericht stehen. Grund: Die Frauen und Männer wollen die Strafbefehle, die das Gericht gegen sie erlassen hat, nicht akzeptieren.
Der Impfskandal um den Allgemeinmediziner flog Ende September 2021 auf. Er soll zahlreichen Patienten eine Impfung gegen das Virus bescheinigt, tatsächlich aber nicht vorgenommen haben. Dies geschah anscheinend zu einem erheblichen Teil mit dem Wissen der Personen, die bei dem Arzt vorstellig wurden - und zum Teil von weither anreisen. Bei rund 100 Frauen und Männern, die mit dem Mediziner und Impfgegner gemeinsame Sache gemacht haben sollen, fand im Januar eine Razzia statt. Aus diesem Komplex ergaben sich nach Auskunft von Amtsgerichtsdirektor Dieter Hubel bisher rund 50 Strafbefehle wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz.
Amtsgericht Nördlingen hat Strafbefehle zwischen 60 und 120 Tagessätzen erlassen
Das Gericht verhängte Hubel zufolge Geldstrafen zwischen 60 und 120 Tagessätzen. Ab 91 Tagessätzen gilt man als vorbestraft. Ein Teil der Strafbefehle sei inzwischen rechtskräftig. Eine Reihe der Betroffenen habe inzwischen aber Einspruch eingelegt. Ein Teil dieser Personen wiederum beschränkte den Einspruch auf die Rechtsfolge. In manchen Verfahren sei die Einspruchsfrist noch nicht abgelaufen.
Schon jetzt sei absehbar, dass sich das Amtsgericht mit einer größeren Zahl der Verfahren in Prozessen beschäftigen muss, was nach einem Einspruch automatisch passiert. Die Verhandlungen werden voraussichtlich im Frühsommer stattfinden. Die Angeklagten kommen aus dem Donau-Ries-Kreis, aber auch weiter darüber hinaus.
Termin für den Prozess gegen den Wemdinger Hausarzt steht noch nicht fest
Noch unklar ist, wann sich der Hausarzt vor dem Landgericht Augsburg verantworten muss. Die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg hat mittlerweile Anklage gegen den Mediziner erhoben. Dem wird unter anderem vorsätzliche Körperverletzung in über 300 Fällen vorgeworfen. Strafbar gemacht haben soll sich der Arzt auch wegen Betrugs - er rechnete die Impfungen ab - und wissentlicher unrichtiger Dokumentation von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus.