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Mering

09.11.2019

Diese Meringerin mischt die Geschäftswelt auf

Miriam Wölfle ist mit dem elterlichen Laden in Mering groß geworden. Sie will der Geschäftswelt in schwierigen Zeiten neuen Mut geben.
Bild: Gönül Frey

Plus Miriam Wölfle betreibt die "Meringer Gerüchteküche". Daraus entstand die erfolgreiche Initiative für eine Neugestaltung des Zentrums. Das hat sie noch vor.

Nach Jahren der Planung ist wieder Schwung in Merings Ortsgestaltung gekommen. Und das ist Miriam Wölfle zu verdanken. Die 30-Jährige ist mit und im gleichnamigen Modehaus aufgewachsen. Sie sieht die Meringer Geschäftswelt vor großen Herausforderungen. „Ob wir noch zu retten sind, weiß ich auch nicht. Aber wir müssen es wenigstens versuchen!“, sagt sie.

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Ihre Familie betreibt drei Filialen: eine in Emmering im Landkreis Fürstenfeldbruck, eine im Gewerbegebiet St. Afra und eine im Zentrum. Hier läuft in zwei Jahren der Mietvertrag aus. Und nachdem eine ganze Reihe wichtiger Läden wie Steinbrecher, Modehaus Seiler oder Schreibwaren Hummel schließen mussten, stellte sich für die Wölfles die Frage, ob sie sich langfristig mit einem neuen Vertrag für den Standort im Zentrum verpflichten sollen.

Miriam Wölfle steht hinter der Meringer Gerüchteküche

„Wir glauben an Mering. Mering ist unser Zuhause“, sagt Miriam Wölfle. Aber haben die Leute überhaupt noch Interesse, im Ort einzukaufen? Die 30-Jährige war sich nicht sicher. Als eine Art Testballon hat sie deswegen im April die Meringer Gerüchteküche ins Leben gerufen. Es ist eine Plattform im sozialen Netzwerk Facebook, auf der Miriam Wölfle auf lockere, witzige und immer positive Art und Weise die Meringer Geschäftswelt in den Fokus rückt: sei es ein besonders leckeres Gericht in einem der Gastronomiebetriebe, die neu gestalteten Räume im Juweliergeschäft oder ein Blick in eine Schreinerwerkstatt. Die Rückmeldungen waren euphorisch, die Seite hat mittlerweile weit über 1500 Fans.

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Tatsächlich ist hier eine Fachfrau am Werk. Nach dem Abitur am Friedberger Gymnasium absolvierte Miriam Wölfle beim Merchinger Forum-Verlag ein duales Studium im Bereich Marketing und arbeitete dort auch nach der Ausbildung weiter. „Ich wollte eigentlich bei Forum bleiben“, erzählt sie. Doch dann ging es ihrer Mutter gesundheitlich sehr schlecht und sie stand vor der Frage, wie es mit dem Familienunternehmen weiter gehen soll. „Da habe ich schweren Herzens gekündigt“, erzählt sie.

Eine gemeinsame Plattform für Merings Geschäftsleute

Das war vor fünf Jahren. Jetzt fließt ihre Marketing-Ausbildung in die Gerüchteküche ein. Die Meringerin bietet damit den Geschäftsleuten eine Möglichkeit, sich auf unkomplizierte Weise in der digitalen Welt zu präsentieren. „Viele Eigentümer stehen selbst im Geschäft und arbeiten den ganzen Tag. Die haben nicht unbedingt Lust, sich noch viel mit Facebook auseinander zu setzen“, sagt sie. Deswegen war es ihre Idee, eine gemeinsame Seite anzubieten, damit sich nicht jeder einzeln die Arbeit machen muss. Miriam Wölfle steckt nebenher 15 bis 20 Stunden pro Woche in die Gerüchteküche – rein ehrenamtlich, denn bezahlte Beiträge gibt es auf der Seite nicht.

Für ihre Beiträge besuchte Miriam Wölfle viele Betriebe. Oft stieß sie bei den Geschäftsleuten auf das Gefühl, alleine gelassen zu sein. Viele Inhaber hatten in ihrem Laden noch keinen der Gemeinderäte zu sehen bekommen. „Daraus entstand bei mir die Idee, die Gemeinderäte zu einer Führung durchs Zentrum einzuladen“, erzählt Miriam Wölfle. Damit stieß sie bei den Ortspolitikern auf großes Interesse. Nach sechs Rundgängen mit Vertretern aller Fraktionen schloss sie das Projekt ab, Anfragen wären noch mehr da gewesen. „Die Geschäftsleute haben sich so viel Zeit genommen, da hatte ich das Gefühl, da muss jetzt auch etwas raus kommen“, sagt die Meringerin. So kam es im Nachgang zum Treffen am Runden Tisch und in der Folge zum gemeinsamen Antrag von sechs Mitgliedern aus allen Fraktionen, den verkehrsberuhigten Geschäftsbereich bis März auszuweisen.

Der Verkehr ist nur der Anfang in Mering

Der Beschluss im Gemeinderat ist einstimmig gefallen. „Einstimmige Beschlüsse hat es in Mering aber schon viele gegeben. Ich glaube erst daran, wenn es wirklich passiert“, sagt die 30-Jährige. Sie weiß natürlich, dass eine neue Verkehrsraumgestaltung alleine kein einziges Geschäft rettet. Sie sieht es vielmehr als eine Initialzündung, als ein Signal an die Gewerbetreibenden, dass sich doch etwas bewegen kann in Mering. „Und wenn es so weit ist, steht die Gerüchteküche in den Startlöchern mit ganz vielen verschiedenen Konzepten“, sagt sie.

Als erstes würde sie gerne einen Vorschlag aufgreifen, den Grünen-Rätin Pia Strecker am runden Tisch vorbrachte: eine Internetseite für Gewerbetreibende, auf der sie unter anderem nach Personal suchen können – Fachkräftemangel ist ein großes Thema auch bei den Innerortsgeschäften. Eine solche Website tauchte früher bereits in verschiedenen Konzepten auf und wurde mit rund 10.000 bis 15.000 Euro beziffert. „Aber bis eine professionelle Seite beschlossen und auf den Weg gebracht ist, das dauert. Wenn wir alle zusammen helfen, können wir eine abgespeckte Version selber bauen“, meint Miriam Wölfle. Einen IT-ler, der sie unterstützen würde, habe sie schon an der Hand. Auch wenn es um Veranstaltungen geht, gebe es in Mering echte Organisationsgenies, die bereit seien, sich einzubringen. „Sobald wir sehen, dass etwas passiert, legen wir los!“, verspricht sie.

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