Der Friedberger Volksfestplatz wird für mehr als 2,4 Millionen Euro umgestaltet. Foto: Mareike König (Archivfoto)
Trostlos, chaotisch, ungeordnet: Solche Bergriffe fielen in der Diskussion des Bauausschusses über eine Neugestaltung des Friedberger Volksfestplatzes. Über 2,4 Millionen Euro nimmt die Stadt inklusive Planungskosten in die Hand. Als "Luxusplanung" prangerte Grünen-Fraktionsvorsitzende Claudia Eser-Schuberth den Umbau an. Ist das so?
Ziel ist es, das Durcheinander auf dem fast 15.000 großen Areal zu ordnen. Es sollen neue Zufahrten, Busspuren und Haltestellen entstehen, die Zahl der Parkplätze soll erhöht und die Stellplätze sollen ordentlich markiert werden. Die Randbereiche im Süden und Osten sollen gestalterisch aufgewertet werden - mehr Aufenthaltsqualität und Freizeitmöglichkeiten inklusive.
Volksfestplatz: Friedberger Pallotti-Schule wird im September 2022 eröffnet
Anlass für das Projekt ist der Neubau der Vinzenz-Pallotti-Schule im Süden. Die Stadt hat sich gegenüber dem Landkreis als Bauherren vertraglich verpflichtet, die Schule bis zu deren Eröffnung im Herbst 2022 zu erschließen und vor deren Pforten eine eigene Haltestelle zu bauen. Außerdem steht in einigen Jahren eine Erweiterung des Feuerwehrhauses an; für Feuerwehrleute im Einsatz müssen mehr Parkplätze geschaffen werden. Im Bereich der Feuerwache muss außerdem die Zufahrtssituationen aus Sicherheitsgründen geändert werden. Bei all diesen Notwendigkeiten hatten die Landschaftsarchitekten des Büros Adlerolesch als Priorität den Auftrag erhalten, dass das Volksfest weiter problemlos über die Bühne gehen kann.
Der Musikpavillon am Friedberger Volksfestplatz kann auch nach dem Umbau bleiben. Foto: Ute Krogull (Archivfoto)
Die Problematik der Mehrfachnutzung erschwert die Überplanung. Neben dem Volksfest steht die Sicherheit der Schüler im Mittelpunkt. Diese soll durch eine klare Trennung von Verkehr und Fußgängern erreicht werden. Abgesehen von der Haltestelle der Pallotti-Schule im Süden (erster Bauabschnitt) sollen daher im zweiten Bauabschnitt im Osten sechs Schulbushaltestellen mit Zufahrt für die Busse und Hochborden als Wartebereich gebaut werden. Skaterbahn und Basketballkorb müssen weichen, sollen aber möglichst ersetzt werden. Obwohl es insgesamt eng zugeht, kann der Musikpavillon stehen bleiben. Dritter Bauabschnitt ist der Platz selber.
Momentan existieren auf der Fläche etwas über 200 Parkplätze. "Das wirkt wie ein großer Parkplatz, es sind aber immer noch nicht genug", so die Vertreterinnen des Planungsbüros in der Sitzung. 90 sollen hinzukommen; berücksichtigt sind Stellflächen für Pkw ebenso wie für Motor- und Fahrräder. Hintergrund der Stellplatzmehrung ist der Zuwachs am Schulzentrum: Es steht eine Erweiterung der FOS/BOS an. Außerdem ist langfristig daran gedacht, die Rothenbergkreuzung umzubauen, eventuell in einen Kreisverkehr. Dann fallen Lehrerparkplätze der Realschule weg.
Problem aus Sicht der Planer ist der Widerspruch zwischen dem Bedarf des Volksfestes nach einer möglichst großen ebenen Fläche für Zelt, Küchenzelt sowie Fahrgeschäfte, Buden und Wohnwagen auf der einen Seite sowie den vorgeschriebenen Hochborden für die Haltestellen. Weniger Platz (durch den Platzbedarf der Feuerwehr), mehr Parkplätze und Sicherheit, aber auch Aufenthaltsqualität zu schaffen, sei jedoch gelungen. Das gehe allerdings auf Kosten der Warteflächen und Freizeitmöglichkeiten für die Schüler.
Gibt Friedberg zuviel Geld für Parkplätze aus?
Bis auf die Grünen lobten alle Fraktionen das Ergebnis der Machbarkeitsstudie und stimmten den weiteren Schritten zu. Simone Hörmann von und zu Guttenberg (SPD) verteidigte die Maßnahme gegen die Kritik der Grünen, die nicht einmal mehr viel Geld für Parkplätze ausgeben wollten: "Das ist kein Luxus, die Verkehrssicherung ist zwingend nötig, wir müssen für die Sicherheit der Kinder sorgen."
Das Friedberger Volksfest in ein Besuchermagnet. Foto: Elisa Glöckner (Archivfoto)
Alexander Strobel (FW) hätte aus Kostengründen den Bereich am Feuerwehrhaus vorerst ausgeklammert. Die Erweiterung der Feuerwache sei derart teuer, dass keiner sagen könne, ob und wann sie denn nun kommt. Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) argumentierte jedoch, es sei günstiger, alles auf einmal neu zu ordnen. Er bekräftigte auch, dass in der Detailplanung der Umriss des Volksfestzeltes mit den Plänen für den Umbau exakt abgeglichen werden müsse. In der Sitzung waren Bedenken laut geworden, dass es zu eng werden könnte. Die Planerinnen hatten allerdings betont, dass für das Zelt auch künftig ausreichend Platz vorhanden sei.
Was passiert mit der Straßenbahn am Volksfestplatz Friedberg?
Eser-Schuberth fragte außerdem, inwiefern die Linie 6, die eventuell zum Festplatz verlängert werden soll, in die Pläne einbezogen ist. Dazu Eichmann: "Käme die Straßenbahn, wäre das Volksfest weg."