Das Hiasl-Museum in Kissing ist bereits seit über einem Jahr geschlossen. Die Träger haben die Suche nach neuen Räumen nicht aufgegeben, nun bekommt der Räuberhauptmann aber erst einmal ein Zuhause im Internet. In einem „virtuellen Museum“, wie es von der Regio Augsburg Tourismus genannt wird, können Nutzer ab sofort das bewegte Leben von Matthäus Klostermayr nachverfolgen.
Um den Wilderer ranken sich zahlreiche Legenden. 1736 wurde er in Kissing geboren und 1771 in Dillingen erdrosselt und gerädert. Für viele gilt Klostermayr als Rebell gegen die Gesellschaftsordnung der damaligen Zeit. Im neuen virtuellen Museum wird er als ein „deutscher Robin Hood“ inszeniert.
Aufnahmen aus dem ehemaligen Museum in Kissing nun im Netz
Wie Tourismusdirektor Götz Beck bei der Präsentation erklärte, sind viele Elemente, die bereits zur Ausstellung im ehemaligen Musem gehörten, auf der Internetseite abrufbar, zum Beispiel Hörspiele und ein Comic-Video. Des Weiteren gibt es Informationen über Klostermayrs bewegtes Leben. Auch wird in einem Rückblick an die Erlebniswelt, also das ehemalige Museum auf Gut Mergenthau, erinnert. „Das ist nicht beendet, sondern es geht weiter“, sagte Beck. Ilja Sallacz, Geschäftsführer der Agentur, die die Seite gestaltet hat, war es wichtig, das virtuelle Museum nicht mit Texten zu überfrachten. „Es soll eine Atmosphäre geschaffen werden.“ Kupferstiche aus der Zeit ragen beispielsweise als Bildelemente in die Texte hinein, um den Auftritt aufzulockern. Die Seite enthält auch weitere Angebote, die sich um den Bayerischen Hiasl drehen. Unter anderem besucht Katrin Freund mit ihrem Puppentheater Schulen, um den Kindern den Bayerischen Hiasl spannend näherzubringen.
Die neue Internetseite wurde in Kissing vorgestellt, weil das Leben Klostermayrs untrennbar mit der Gemeinde verbunden ist. Landrat Klaus Metzger betonte aber auch die Bedeutung des Hiasls für den ganzen Landkreis. „Das Entscheidende ist, dass wir das Thema in der Öffentlichkeit halten, daher ist es schön, dass nun der Internetauftritt kommt.“
Kissings Bürgermeister Manfred Wolf erinnert an die erste Hiasl-Ausstellung
Kissings Bürgermeister Manfred Wolf erinnerte an die erste Ausstellung über den Räuberhauptmann im Rathaus im Jahr 1996. Vor seiner Amtsübernahme war Wolf Polizist. Daher hätten sich viele gewundert, dass ein ehemaliger Ordnungshüter nun einem Räuberhauptmann die Bühne biete. „Aber einen Räuber zu verherrlichen, war nie das Ziel“, betonte Wolf. Beim Museum standen laut Wolf immer die zeitgeschichtlichen Erfahrungen und die Lebensverhältnisse Klostermayrs im Vordergrund. Zur Präsentation waren auch viele Mitglieder des historischen Fördervereins aus Kissing gekommen – einige im Kostüm. Sie hoffen, dass es in Zukunft wieder ein Museum geben wird. „Die Gemeinde Kissing hat das Thema nicht vergessen“, sagte Wolf. Das Ziel sei, passende Räumlichkeiten zu finden, die auch über eine Gastronomie verfügen. „Ob es klappt oder nicht, weiß ich noch nicht, Tatsache ist, wir sind dran.“
Bei der Präsentation wurde auch verkündet, dass der Bayerische Hiasl in absehbarer Zeit auf der Theaterbühne zu sehen sein wird. Mit Unterstützung des Augsburger Professors Klaus Wolf hat Sebastian Seidl vom Sensemble Theater ein Stück geschrieben. „Der Hiasl kommentiert aus seiner Geschichte heraus das heutige Zeitgeschehen“, erklärte Klaus Wolf. Zunächst gab es Probleme bei der Finanzierung, aber Metzger versprach als Vorsitzender des Wittelsbacher-Land-Vereins die nötigen Mittel bereitzustellen. Laut Klaus Wolf soll das Schauspiel als Wanderstück in verschiedenen Gemeinden und Städten präsentiert werden. Die Premiere soll aber im Landkreis Aichach-Friedberg stattfinden, in der Heimat des Bayerischen Hiasls.
Das virtuelle Museum ist ab sofort hier abrufbar.
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