In großen Buchstaben war in der Aula der Grundschule ein Satz zu lesen: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ Unter diesem Motto lud die Gemeinde Kissing zur Bürgerversammlung – und dieses Thema griff auch Bürgermeister Reinhard Gürtner in seinem Bericht über die Entwicklungen im Ort auf.
Im Großen und Ganzen steht Kissing gut da. Die Einwohnerzahl wächst und lag Ende 2018 bei 11654 – die 12.000 rückt allmählich zum Greifen nah. Auch die Finanzen entwickeln sich positiv. Während die Schulden im vergangenen Jahr um rund 1,7 Millionen Euro abgebaut werden konnten, schmilzt die finanzielle Belastung dieses Jahr voraussichtlich um weitere 590.000 Euro. Gleichzeitig kann Kissing auf ein Finanzpolster zurückgreifen, das Ende 2018 bei 9,3 Millionen Euro lag.
Kissing muss sich eine Lösung für die Kinderbetreuung überlegen
Diese Rücklagen wird die Gemeinde jedoch brauchen, um sich den anstehenden Herausforderungen zu stellen. Die Kindertageseinrichtungen etwa stoßen an die Grenzen ihrer Kapazitäten – wie Gürtner sagte, war im aktuellen Kindergartenjahr noch genau ein Platz frei: „Wir werden uns dafür eine Lösung überlegen müssen.“ An der Umsetzung des geplanten Waldkindergartens etwa sei die Gemeinde dran – noch fehlt allerdings die Baugenehmigung. Für Kinder soll weiterhin Geld in die Hand genommen werden, machte Gürtner klar. Insgesamt 115.000 Euro wurden für neue Spielgeräte an den Spielplätzen eingeplant – 85.000 Euro davon sind bereits umgesetzt. Auch die Erweiterung der Schule treibt Kissing voran – dazu tauschen sich die Verantwortlichen mit der Stadt Königsbrunn aus, um sich Anregungen zu holen.
Weitere Stimmen aus der Bürgerversammlung in Kissing
Diskussionen gab es etwa nach einem Antrag von Horst Zloch, der die neu verbauten LED-Straßenlampen in der Gemeinde als Zumutung empfinde. Das helle Licht störe nicht nur Anwohner, sondern wirke sich auch belastend auf die Umwelt aus. Er brachte den Vorschlag ein, die Lichtstärke der Lampen auf 50 Prozent zu reduzieren und ab 23 Uhr auf 20 Prozent. Wie Bürgermeister Reinhard Gürtner daraufhin ausführte, werden die Lampen derzeit zwischen 21 Uhr und Mitternacht auf 70 Prozent ihrer Stärke reduziert, während sie von Mitternacht bis 5 Uhr nur mit der Hälfte ihrer möglichen Kraft leuchten. Aus dem Publikum schlossen sich vereinzelt Aussagen an, welche die Probleme bestätigten und auch nach der möglichen Energieeinsparung fragten. Gürtner verkündete daraufhin, dass er das Thema in den Bauausschuss bringen will.
Isabella Giouros erkundigte sich, welche Aufgaben künftig der Seniorenbeauftragte übernehmen wird. Gürtner erwiderte, dass dieser über ein Förderprogramm als Quartiersmanager eingestellt wird, der Bedürfnisse der Senioren sichten und Projekte betreuen wird. Geplant ist etwa ein Fragebogen an Senioren.
Nach einer Nachfrage von Bürgern, ob man nicht zur Verkehrsberuhigung Anzeigetafeln verwenden kann, die Autofahrern das gefahrene Tempo einblendet, antwortete Gürtner, dass die Gemeinde bereits derartige Anlagen besitzt. Weitere seien bestellt, allerdings gebe es derzeit Lieferschwierigkeiten.
Ruth Kehl erkundigte sich nach dem Vorankommen des Projekts „Licca liber“, das eine Renaturierung an Abschnitten des Lechs vorsieht. Sie warf die Frage auf, ob das Projekt für Kissing nachteilig laufen könnte und es es Einflussmöglichkeiten darin gebe. Gürtner führte aus, dass das Projekt noch in einer frühen Phase steht. Im weiteren Fortschreiten werden die Pläne öffentlich ausgehängt, wobei Kissing dann Einwände vorbringen kann. Auf die Frage von Erika Fritzka, ob es in Zukunft einen Steg über den Lech geben könnte, sagte Gürtner, dass so etwas vielleicht über das Projekt „Licca liber“ möglich sei. (cgal)
Die Gemeinde selbst ist gut für die Herausforderungen aufgestellt. 115 Mitarbeiter kann Kissing zählen, wobei allein 19 davon auf den Bauhof entfallen und 17 auf die Ganztagesbetreuung. Weiterentwickeln soll sich der Internetauftritt. Nachdem dort seit kurzem die Ortsgeschichte auf mehreren Seiten präsentiert wird, soll die gesamte Homepage im kommenden Jahr überarbeitet werden – konkret ist diese Planung allerdings noch nicht. In ein Projekt will die Gemeinde allerdings bald einsteigen: in die digitale Bauverwaltung. Dadurch wird es zum Beispiel möglich, Bauanträge auch digital einzureichen.
Kissinger Bürger beschweren sich über Raser
Der zentrale Punkt des Abends startete mit der zweiten Hälfte der Veranstaltung – den Wünschen und Fragen der Bürger. Mehrere der Anwesenden meldeten sich zum Thema Verkehr. Jens Jakobus etwa fragte, ob es möglich sei, in der Bahnhofstraße Tempo 30 vorzuschreiben. Bürgermeister Gürtner verwies darauf, dass dies laut Straßenverkehrsordnung nicht möglich sei. Die Büchereileiterin Petra Scola merkte an, dass im Bereich der Bücherei selten Tempo 30 eingehalten wird. Das bestätigte auch Heinz Schmidt: „Der Großteil der Autofahrer ist vernünftig. Aber täglich sind zehn bis zwölf Fahrzeuge dabei, die brandgefährlich unterwegs sind.“ Er schlug vor, darüber nachzudenken, Hindernisse aufzustellen, die den Verkehr ausbremsen. Reinhard Gürtner erwiderte darauf, dass die Straße an der Stelle bereits verengt ist, er aber mit der Bauverwaltung über dieses Thema sprechen will.
Werner Kraus kritisierte, dass einige Gehwege in Kissing schlecht passierbar sind, weil Grundstücksbesitzer ihre Hecken nicht ausreichend zurückschneiden. Laut Gürtner seien mehrere Grundstücksbesitzer angeschrieben worden, bei wiederholten Verstößen drohen ihnen Bußgelder. Der Bürgermeister versicherte, dass die Gemeinde an dem Thema dran ist – im Moment sei ein Mitarbeiter der Gemeinde ausschließlich damit beschäftigt, sich um solche Fälle zu kümmern.