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Kissing
28.03.2015

Trasse frei für die Osttangente

Einen Streifen von 40 Metern Breite entlang der Bahn hält die Gemeinde Kissing seit Jahren für die B2 neu frei. Die Auenstraße (Bildmitte) ist derzeit vielleicht sieben Meter breit. In den Vorbehaltsstreifen würde auch, so sagte Bürgermeister Manfred Wolf, eine vierspurige Straße passen.
Foto: Anton Schlickenrieder

Die B2-Ortsumfahrung von Kissing ist bereits seit dem Jahr 2002 im Bundesverkehrswegeplan. Der Gemeinderat unterstützt jetzt mit 20:3 Stimmen die Resolution für die „große Lösung“

Seit 2002 befindet sich die Kissinger Ortsumfahrung als B2 neu im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Das betonte Bürgermeister Manfred Wolf in der jüngsten Ratssitzung: „Und da soll sie auch bleiben!“ Selbst wenn sie jetzt, wie vorgesehen, Teil der vierspurigen Osttangente Augsburg wird und nicht mehr vor St. Afra über die Bahn zurück schwenkt, sondern direkt zur Staatsstraße 2380 durchgezogen werden soll. Mit 20:3 Stimmen votierte der Gemeinderat Kissing für die Annahme der Resolution, die die Stadt Friedberg vorantrieb und der Markt Mering ablehnt. Die Region und das Staatliche Bauamt wollen so ein starkes Signal nach Berlin schicken. Wobei Wolf betonte, dass es den Kissingern nicht um die große Lösung geht. „Wir haben aber selbst für eine normale Ortsumfahrung nur eine Chance, wenn wir uns einklinken in die Augsburger Osttangente. Alles andere wird in Berlin nicht wahrgenommen.“

Wie zu erwarten war, ist in Kissing der Neubau alles andere als unumstritten. Massiver Widerstand kam von den Grünen, während sich die CSU und die Freie Wähler Gemeinschaft hinter das Projekt stellten. Einzig Claudia Bär (FWG) war bei der Abstimmung aus dem Sitzungssaal gegangen. Den Austausch der Argumente eröffnete Grünen-Fraktionssprecherin Katrin Müllegger-Steiger, die darauf verwies, dass man den Menschen in der Region ehrlich sagen solle, dass es in Königsbrunn Bedenken gebe. „Glückwunsch nach Mering“, kommentierte sie die Tatsache der dortigen Ratsentscheidung vom Tag vorher. Müllegger-Steiger wies darauf hin, dass der Vorteil für Kissing gering ausfalle, weil es bei der „Autobahn“, wie die Grünen die vierspurige Bundesstraße allgemein titulierten, nur wenige Auffahrten gebe. „Der Ziel- und Quellverkehr wird also erhalten bleiben.“ Das war als Antwort formuliert auf Wolfs plakatives Argument, dass zu bestimmten Zeiten ganz Kissing vom Schleichverkehr belastet sei, weil die B2 nicht leistungsfähig genug ist.

Ludwig Asam (Grüne) rechnete vor, dass die mögliche Trasse bei 35 Meter Breite rund 250 Hektar Land verschlingt. „Das Gleiche geht nochmals als Ausgleichsfläche drauf. Und für Bauern gibt es keine Tauschflächen“, betonte der Hofbetreiber. „Da wird der Herr Offner von der CSU kein Landwirt mehr sein.“ Bernd Bartelsen (Grüne) wies darauf hin, dass die Kissinger quasi von ihren Naherholungsgebieten abgeschnitten würden oder die Seen und Natur ihren Reiz verlieren würden, wenn sich eine vierspurige Straße durch das Lechfeld zieht.

CSU-Fraktionssprecher Franz-Xaver Sedlmeyr gab sich verwundert darüber, „was die Grünen alles aus einem Strich auf einer Karte rauslesen können.“ Kissing gewinne allein schon dann, wenn 5000 Schwerlaster weniger durch den Ort donnerten. „Wir werden schon sehen, was passiert, wenn jetzt die B17 in Augsburg gesperrt wird“, unkte er. Ohne Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan passiere die nächsten zehn bis 15 Jahre gar nichts mehr, dann gebe es nicht einmal eine Einhausung der B2, wie sie die Grünen immer propagierten.

Wolfgang Hörig (FWG) sagte, er kämpfe jetzt seit 24 Jahren für eine B2 neu. „Und ich fahre seit 38 Jahren täglich nach Augsburg in die Arbeit. Da gibt es inzwischen Kolonnenverkehr frühmorgens und auch schon am frühen Nachmittag.“ SPD-Fraktionssprecher Ronald Kraus berichtete, dass er vor 25 Jahren von Gröbenzell nach Kissing gezogen ist. „Damals haben wir uns auch Mering angeschaut und fanden es toll, wie der Verkehr außen herum floss auf der neuen Umfahrung. Wie die Menschen aufatmeten. Drum lasst es uns angehen und ansehen, wie weit wir kommen. Noch ist ja gar nichts festgelegt. Und wir haben ja auch ein Mitspracherecht.“

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