Mit dem Einsatz der gelben Tonne wird auch die Meringer Wertstoffsammelstelle wohl künftig seltener frequentiert werden. Alteingesessene erinnern sich vielleicht noch an den ersten Verwalter Karl Böhm, der bis 1990 im Auftrag der Gemeinde am Wertstoffhof angestellt war. Der als Charlie oder Kalle bekannte Schreiner hatte dort schon zuvor seine Schreinerwerkstatt aufgebaut, die aufgrund immer weiterer Anbauten aus Holz im Volksmund als „Vereinigten Hüttenwerke“ bekannt waren. Dieses „Unikum“ der Marktgemeinde wird in der Meringer Ortschronik, die 2021 erscheinen soll, als Sonderfall in der Meringer Handwerksgeschichte beschrieben.
Viele solcher Geschichten und Anekdoten finden Eingang in das große Werk, das 2021 zum 1000-Jahr-Jubiläum der erstmaligen urkundlichen Erwähnung des Marktes Mering erscheinen soll. Das Jubiläum rückt näher und die Arbeiten daran laufen auf Hochtouren. Ursprünglich war der Abgabetermin für die Beiträge zu rund 40 Themenbereichen auf den Jahreswechsel festgelegt. „Dieses Datum habe ich bewusst früh gesetzt, damit wir genügend Zeit haben“, erklärt Stefan Breit. Der Historiker aus München ist als wissenschaftlicher Berater für das Mammutwerk tätig, das im Augsburger Context Verlag veröffentlicht werden soll.
Für die Meringer Chronik muss vieles noch gekürzt werden
Derzeit sind die Hälfte aller Beiträge bei ihm eingegangen. „Wie es aussieht, muss ich die meisten Artikel noch kürzen“, hat Breit festgestellt. Zudem macht er auch eine stilistische Überarbeitung und sorgt für eine einheitliche Präsentation. Das ursprüngliche Konzept sah ein rund 400 Seiten starkes Werk vor, inzwischen rechnet man mit einem Umfang von knapp 600 Seiten. „Wenn man sich in ein Thema eingearbeitet hat, dann lässt einen das nicht mehr so schnell los und man taucht immer mehr in das Sachgebiet ein“, hat Johann Weber festgestellt. Als Meringer Heimathistoriker ist es für ihn Ehrensache, ohne Honorar mehrere Themen beizutragen.
Wie auch viele andere Autoren hat er aber Mühe, für seine Artikel die vorgegebenen knapp kalkulierten Umfänge einzuhalten. „Und wenn einem bei der Recherche dann so nette Geschichten wie eben die vom Schreiner Böhm unterkommen, dann will man eigentlich nicht auf ihre Erwähnung verzichten“, so hat er festgestellt. Genau wegen solcher unterhaltsamer Anekdoten ist Johann Weber auch davon überzeugt, dass das Werk auf keinen Fall als Meringer Ortschronik betitelt werden darf. „Eine Chronik ist eine nüchterne Aufzählung geschichtlicher Fakten und das haben wir hier auf keinen Fall“, stellt er klar. „Wie der Titel genau heißen soll, das liegt bei der Gemeinde und beim Verlag“, betont er und plädiert für „Meringer Heimatbuch“.
Toni Schlickenrieder beleuchtet die Vereine in Mering
Doch die Titelfindung ist zunächst zweitrangig. Wichtig ist, dass die Beiträge rechtzeitig fertig werden. Als einer der wenigen einheimischen Autoren ist auch Toni Schlickenrieder derzeit eifrig mit dem Schreiben beschäftigt. „Ich habe die Meringer Vereine als Thema übernommen und bin derzeit bis zu acht Stunden täglich am Schreiben“, berichtet der ehemalige Redakteur unserer Zeitung. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Mering über hundert Vereine hat. 70 Seiten stehen dem Autor für seinen Streifzug durch die Vereinsgeschichten zur Verfügung. Das ist nicht viel und erfordert einen straffen Überblick.
„Bei den Recherchen stößt man auf viele interessante Dinge“, hat Toni Schlickenrieder festgestellt. Beispielsweise fand er zu Eduard Ettensberger als dem Gründer des Turnvereins und des Turn- und Stemmclubs Mering heraus, dass der TV Mering eigentlich schon zwölf Jahre früher sein hundertjähriges Jubiläum hätte feiern können. Ganz besonders betonen will er die gute Zusammenarbeit mit allen Vereinen. „Es ist schon ein großer Vertrauensbeweis, dass die Vorsitzenden mir für die Recherchen die kompletten Unterlagen überlassen“, lobt er. So standen ihm auch wundervolle Originalplakate von Vereinsveranstaltungen zur Verfügung, die eine interessante Bebilderung des Meringer Heimatbuches versprechen.
Am kommenden Freitag treffen sich die rund 30 Autoren wieder zu einem Austausch über ihre Arbeit. „Vielleicht werden wir uns unter dem Vorsitz von Bürgermeister Hans-Dieter Kandler künftig öfter als im bisherigen etwa vierteljährlichen Turnus mit den Autoren treffen, denn das Jubiläum rückt ja in großen Schritten näher“, sagt Stefan Breit.
Lesen Sie dazu auch den Artikel: „Beiträge für die Ortschronik müssen bald fertig sein.“