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Kirche

29.03.2020

Pfarreien des Wittelsbacher Landes stürmen das Internet

Den Gottesdienst im Internet verfolgen - wie ist das? Unser Mitarbeiter Maximilian von Linden beschreibt, wie er als Katholik es erlebt.
Bild: Maximilian von Linden

Plus Messen gibt es mittlerweile vermehrt online zu sehen. Unser Mitarbeiter Max von Linden beschreibt, wie es ihm als gläubigem Katholik dabei geht.

Der Dom ist leer. Der ernannte Bischof von Augsburg, Bertram Meier, steht ganz alleine vor dem Seitenaltar, im Hintergrund ist lediglich leicht verschwommen eine Jesusfigur zu erkennen. Meier spricht zu den Gläubigen, denen seit der vergangenen Woche der Zutritt zu den heiligen Messen verwehrt ist.

„Worte der Ermutigung“, so lautet der Titel des zehn Minuten langen Videos auf dem YouTube-Kanal von katholisch.tv. Mit einem Schmunzeln weist Meier darauf hin, dass viele Pfarrer, so auch er, nicht gerade technikaffin seien. Dennoch ließen sich gerade junge Menschen finden, die sich auf diesem Feld fantasievoll engagieren könnten.

Friedberger Ministranten leisten technischen Support

Mit genau solchen jungen Menschen aus den Reihen der Pfarrjugend und der Ministranten hat sich Pater Steffen Brühl, der Stadtpfarrer von St. Jakob, zusammengetan. Gemeinsam haben sie eine Übertragung aus der Stadtpfarrkirche aufgezeichnet und auf der Internetseite der Pfarrei online gestellt. Das Ganze passierte unter strengster Einhaltung der diözesanen Vorschriften. Das Video hat mittlerweile über 400 Aufrufe.

Wer hilft durch die Zeit der Trauer? In der Coronakrise ist das besonders schwer.
Bild: Peter Kleist

„Wir wollen den Gläubigen in Friedberg nach wie vor die Möglichkeit geben zusammenzukommen. Wenn das nicht mehr körperlich geht, dann eben online“, so Brühl, „Außerdem soll jeder die Möglichkeit haben, die Übertragung aus ,seiner‘ Kirche zu sehen. Daher wechseln wir für jeden Sonntag die Kirche, damit alle Gotteshäuser unserer Pfarrei eingebunden sind.“ Die nächste Sendung wurde in St. Stephan in Wiffertshausen aufgezeichnet.

Lokalsender a.tv überträgt die Messe aus dem Dom

Überall im Bistum gibt es solche Initiativen, die Kirchen zu den Leuten nach Hause zu bringen. Der Lokalfernsehsender a.tv überträgt die Messen des ernannten Bischofs aus dessen Hauskapelle. Auch ich habe mir vieles angesehen und versucht, Messen mitzufeiern. Schön ist es schon, trotz der Ausgangsbeschränkungen einen Sonntagsgottesdienst erleben zu können, aber es ist einfach nicht das Gleiche.

Der Gottesdienst, so wie wir ihn aus der Zeit vor Corona kennen, lebt davon, in einem Gotteshaus zusammenzukommen, gemeinsam zu beten, Lesungen zu hören und nicht zuletzt auch Eucharistie zu feiern und zu empfangen. Genau das fehlt aber beim Fernsehgottesdienst.

Das Sakrament verbindet die Gläubigen

Was bleibt, ist die Communio, also die Gemeinschaft im Sakrament. Sie verbindet alle Gläubigen, ganz gleich ob sie beim Austeilen von Hostien und Wein anwesend sind. Das bedeutet also, auch wenn ich auf meiner Couch sitze und dem Priester bei der Wandlung nur zusehe, bin ich mit ihm und den anderen verbunden. Irgendwie spüre ich das schon, aber eben nicht richtig. Gerade für mich als Katholik ist die Möglichkeit, an einer Eucharistiefeier teilzunehmen, also Jesu Leib und Blut wahrhaftig zu empfangen, das zentrale Element der Messe.

Genau das fehlt mir eben, wenn ich allein auf meiner Couch sitze und im Fernsehen oder auf Youtube zu-schaue. Es ist toll, dass es diese Möglichkeiten gibt, wenn man nicht selbst zur Messe gehen kann. Es bleibt aber ein Ersatz – und so sind diese Gottesdienste auch gedacht.

Ein Abendgebet auf Instagram

Grundsätzlich ist die Idee von Radio- oder Fernsehgottesdiensten nicht neu. ARD oder ZDF übertragen regelmäßig Sonntagsgottesdienste und es gibt eigene christliche Radiosender, Radio Horeb beispielsweise. Doch was wir seit Beginn der Coronapandemie und ihren miteinhergehenden Einschränkungen innerhalb der katholischen Kirche sehen, ist auf einem anderen Niveau. Unzählige Pfarreien haben das Internet gestürmt, zeigen Gottesdienste oder bieten Impulse an; Ordensgemeinschaften lassen die Welt via Livestream an ihren Gebetszeiten teilhaben. Auch die Brüder im französischen Kloster Taizé, für viele Jugendliche ein spirituelles Zentrum, streamen neuerdings das Abendgebet auf Instagram und Facebook.

Eine solche radikale und gleichzeitig unauffällige Neuausrichtung des Gemeindelebens hat man schon lange nicht mehr gesehen. Die Kirche vor Ort und weltweit macht das Beste aus der Coronakrise, sie lässt sich von den Einschränkungen nicht erschüttern, sondern geht mutig voran, um bei den Menschen zu sein.

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