In der südlichsten Gemeinde des Landkreises Aichach-Friedberg schien man einen Hang zur Extravaganz und zum Luxus zu haben, wenigstens im 13. Jahrhundert. Denn der damalige Ortsadel, die Herren von Schmiechen, ließ sich ein Wappen gestalten, das ein auffälliger, silberner Stulphut ziert, der mit seinem Hermelinbesatz und den drei imposanten goldenen Straußenfedern ziemlich Eindruck schindet. Das heutige Gemeindewappen hat dieses Element aufgegriffen - auch wenn sich die Kommune, zu der auch noch Unterbergen gehört, mittlerweile weitaus bescheidener zeigt. Der Luxus liegt woanders.
Er liegt im Dorfbild, das ländlich geprägt ist mit gepflegten Bauernhöfen, heimeligen Häusern, liebevoll angelegten Gärten und sehr viel Natur. Von schwarzweißen, schmucklosen Flachdach-Neubausiedlungen ist Schmiechen derzeit noch weitgehend verschont geblieben. Perfekt für Menschen, welche die klassische Landidylle zu schätzen wissen. Auch die Lage hat viele Vorteile: Sieben Kilometer von Mering und rund 25 Kilometer von Augsburg entfernt lassen sich Schmiechen und Unterbergen zwar über die B17 oder die B2 gut erreichen, dennoch liegt das Gebiet abseits von großen Landstraßen mit ihrem Straßenlärm.
Wohnen in Schmiechen: Gemeinde bietet ein Stück grünes Paradies
Besonders ruhig ist es auch am Naturschutzgebiet Lechauwald bei Unterbergen, das zur Kommune gehört. Dieses Stück grünes Paradies ist der Lieblingsort von Bürgermeister Josef Wecker. Der Politiker der Freien Wähler ist seit 2014 im Amt und wurde 2020 von 92,5 Prozent der Stimmbürger wiedergewählt.
Insgesamt rund 1400 Menschen jeder Altersgruppe leben derzeit in Schmiechen und Unterbergen. Die Einwohnerzahl steigt nur moderat. „Wir streben ein gemäßigtes Wachstum an, damit die erforderliche Infrastruktur mitwachsen kann“, betont der Bürgermeister.
Die meisten Menschen wohnen dabei in selbst genutztem Wohneigentum. Mietwohnungen gibt es dagegen nur wenig, berichtet der Rathauschef. Wer eine Wohnung bzw. Haus ergattert, zahlt im Schnitt zwischen sechs und neun Euro pro Quadratmeter Miete. Bei einem klassischen Einfamilienhaus sind dann schon mal 1100 Euro pro Monat fällig. Schwierig und teuer wird es für diejenigen, die vom Eigenheim träumen. Auf den Immobilienportalen kostet ein Häuschen schon mal 700.000 Euro, wenn überhaupt welche angeboten werden.
Wer selbst bauen möchte, muss ebenso tief in die Tasche greifen: Im Schnitt werden für Bauland rund 300 Euro pro Quadratmeter verlangt, sagt Josef Wecker. Der durchschnittliche Richtwert für einen Quadratmeter Wohnbauland beträgt 402 Euro. Das hat der Gutachterausschuss am Landratsamt ermittelt.
Vor Kurzem hatte die Gemeinde noch die Baugebiete „Bahnwegfeld“ und „Hanserbauer“ ausgewiesen. Neue seien derzeit nicht geplant, sagt der Gemeindechef und fügt hinzu: „Wir sind bemüht, auch weiterhin die Möglichkeit zu schaffen, damit unsere jungen Bürger, die am Ort bleiben wollen, das auch können.“ So gibt es für Nachkommen alteingesessener Schmiechener von privaten Verkäufern immer wieder Bauplätze. „Hier findet oft eine Innenverdichtung statt, da in Schmiechen noch sehr große Grundstücke vorhanden sind“, sagt der Bürgermeister. Das sei aus seiner Sicht aktiver Umweltschutz, da damit kein großer Flächenverbrauch einhergehe und der Ortskern belebt werde.
In Schmiechen haben sich viele kleinere Gewerbebetriebe angesiedelt
Auch wenn es im Dorfzentrum wenig Trubel gibt, herrscht hinter einigen Türen Betriebsamkeit. Denn in der Kommune haben sich viele kleinere Gewerbebetriebe angesiedelt, wie ein Elektrotechnikerbetrieb, ein Vertrieb von Computer- und Kommunikationslösungen, ein Hersteller von Luftkernmatratzen, eine Schreinerei, ein Erlebnisbauernhof. Die meisten Berufstätigen müssen allerdings zum Arbeiten nach Augsburg und München pendeln. Auch die derzeit 118 Schüler werden per Bus zu den Grund- und Mittelschulen nach Merching und Kissing bzw. den anderen Schulen der Region transportiert.
Das bietet die Gemeinde Schmiechen
Einwohnerzahl: 1400
Schulen: Grund- und Mittelschulverband Merching und Kissing
Kinderbetreuung: Kinderhaus mit drei Kindergarten- und einer Krippengruppe
Einkaufsmöglichkeiten: Hofladen Scherer und Bioladen Bäckweck, selbstvermarktende Landwirte
ÖPNV: Zughalt an der Strecke Augsburg – Weilheim (AVV), gute Busanbindung
Senioreneinrichtungen: monatliches Bürgerkaffee, Zusammenarbeit mit der Gemeinde Egling
Bücherei: im Rathaus, Öffnungszeit dienstags von 18 bis 19.30 Uhr
Vereine: Faschingskomitee Schmiechen, Burschenverein Schmiechen, Freiwillige Feuerwehr Unterbergen, Freiwillige Feuerwehr Schmiechen, Gospelchor Enjoy, Kinderchor Kunterbunt, Kirchenchor Schmiechen, Musikverein Schmiechen, Obst- und Gartenbauverein Schmiechen-Unterbergen, Schlepperfreunde Schmiechen, Schützenverein Schmiechachtaler Schmiechen, Theaterfreunde Schmiechen, TSV Schmiechen, Weizenclub Schmiechen
Freizeitmöglichkeiten: sehr aktives Vereinsleben, attraktive Lage zwischen Augsburg und München
Etwas bequemer ist es für die kleineren Kinder: Die Gemeinde leistet sich das „Haus für Kinder Sternschnuppe“ mit drei Kindergarten- und einer Krippengruppe. Auch für Senioren finanziert die Gemeinde eine Ansprechparterin, die Fragen zu Leistungen und Angeboten beantwortet, und organisiert regelmäßig Kaffeekränzchen. Aktive Schmiechener und Unterbergener können sich zudem am Vereinsleben beteiligen – die Zahl der Vereine ist vielfältig und reicht vom Gospelchor bis zu den Freunden des Weizenbiers.