Ein alter CD-Player steht auf dem Tisch. Die Schublade klemmt, Musik kommt schon lange keine mehr aus den Lautsprechern. Daneben ein Thermomix, der seinen Dienst verweigert. Dinge, die in vielen Haushalten längst auf dem Wertstoffhof gelandet wären. Doch genau für solche Fälle soll es in Kissing künftig eine neue Anlaufstelle geben. Unter dem Motto „Reparieren statt Wegwerfen“ fand im Sozialkaufhaus an der Münchner Straße am Wochenende erstmals ein Repair-Café statt.
Hier sollen defekte Geräte wieder zum Leben erweckt werden. Ein Konzept, das sich in Zeiten von Wegwerfmentalität und ständigem Konsum zumindest noch nicht bei allen herumgesprochen hat. Das weiß auch Benedikt Demharter von den Kissinger Grünen, die das Event organisiert haben. „Wir Grünen stehen für Nachhaltigkeit“, sagt er. Diese Überzeugung wollten er und seine Partei mit Leben füllen. Hilfe kam von Christopher Blencowe vom Repair-Café Aichach. „Dass wir beispielsweise einen Zettel mit Haftungsausschluss ausfüllen lassen müssen, war ein toller Tipp“, berichtet Demharter.
Repair-Café in Kissing feiert seine Premiere
Am Morgen um neun warten im Sozialkaufhaus bereits rund 20 Frauen und Männer darauf, Hilfe zur Selbsthilfe zu erhalten. Sie sitzen zusammen, betrachten geöffnete Geräte, suchen nach Fehlern, tauschen Erfahrungen aus und tüfteln gemeinsam an Lösungen.
Karin Kopitz aus Kissing ist gekommen, um ihrem Thermomix ein zweites Leben zu schenken. Für den ehrenamtlichen Reparateur Sebastian Helbing ist das kein Problem. Mit geübten Handgriffen löst er die ersten Schrauben, hebt das Gehäuse ab und wirft einen prüfenden Blick ins Innere. So schnell kann die Kissingerin kaum schauen, da hat er die Ursache bereits entdeckt. Während er den Defekt behebt, erklärte er geduldig jeden Arbeitsschritt, zeigt Kontakte, Kabel und Mechanik. „Oft sind es nur Kleinigkeiten, die ein Gerät lahmlegen“, sagt er und lächelt.
Wenige Minuten später dreht sich das Messer im Thermomix wieder. Karin Kopitz strahlt. Auch Helbing kann seine Freude nicht ganz verbergen, ein bisschen stolz ist er schon. Nicht nur, weil der Thermomix wieder funktioniert, sondern weil er bewiesen hat: „Kaputt bedeutet nicht automatisch wertlos.“
Die Organisatoren suchen noch weitere Freiwillige
Noch befindet sich das Repair-Café im Aufbau. Deshalb hoffen die Organisatorinnen und Organisatoren auf Menschen, die ihr handwerkliches oder technisches Wissen einbringen möchten. Gesucht werden Frauen und Männer, die Freude daran haben, Dinge zu reparieren und ihr Können weiterzugeben. Auch Fahrradreparaturen werden künftig Teil des Angebots sein. „Hier haben wir die Symbiose mit dem Sozialkaufhaus“, sagt Demharter. „Dinge wie Fahrradreifen, Schläuche oder Ständer, die gespendet wurden, dürfen wir kostenlos verwenden.“
Die Pläne reichen bereits weiter. Ab Oktober möchten die Grünen ein Förderprogramm des Bundes nutzen. Über das Programm „Reparieren statt Wegwerfen“ werden ehrenamtliche Initiativen wie Repair-Cafés finanziell unterstützt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Treffen regelmäßig stattfinden. Einmal im Monat soll das Repair-Café deshalb künftig seine Türen öffnen. Die nächsten Termine sind am 18. und 25. Juli von 10 bis 13 Uhr. Bis 13 Uhr werden wieder Geräte angenommen und direkt repariert.
Demharter blickt zuversichtlich nach vorn. „Das sollte zu schaffen sein“, sagt er. Nach dem gelungenen Auftakt scheint das Interesse jedenfalls groß. Und während an diesem Vormittag der CD-Player und der Thermomix wieder funktionieren, wird deutlich: Manchmal braucht es nur einen Schraubendreher, etwas Geduld und das richtige Wissen, damit aus einem vermeintlichen Fall für den Wertstoffhof wieder ein funktionierendes Gerät wird.
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