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Dating-Apps statt Kontaktanzeigen: „Es geht oft nur um die Optik“

Aichach-Friedberg

Kennenlernen über Dating-Apps: „Es geht oft nur um die Optik“

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    Viele Paare lernen sich heute online kennen – das war früher anders.
    Viele Paare lernen sich heute online kennen – das war früher anders. Foto: Sina Schuldt, dpa (Symbolbild)

    Über eine Dating-App, wie sie heute viele Menschen nutzen, hätten sich Monika und Tom Walter vermutlich nie kennengelernt. „Wenn mein Mann und ich uns auf einer Party gesehen hätten, hätten wir uns nicht angesprochen“, ist sich die 43-Jährige aus Unterbernbach sicher. Sie und ihr Mann haben sich vor 19 Jahren über eine Kontaktanzeige in der Zeitung kennengelernt – ein Weg, der mittlerweile kaum noch genutzt wird. Stattdessen liegen gerade bei jungen Menschen Dating-Apps wie Tinder, Bumble und Co. hoch im Kurs. Wie blicken Paare aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, die sich über Kontaktanzeigen kennengelernt haben, auf diese Entwicklung?

    „In Dating-Apps geht es oft nur um die Optik“, findet Walter. Dadurch würden andere Eigenschaften in den Hintergrund rücken. Als sie und ihr heutiger Mann sich das erste Mal trafen, konnten sie relativ wenig miteinander anfangen. „Das Treffen war Horror, wir hatten nichts gemeinsam“, erinnert sich die Unterbernbacherin. Erst als sich die beiden ein zweites Mal trafen, näherten sie sich an – mittlerweile sind sie seit 15 Jahren verheiratet. „In unserem Fall hat sich der zweite Blick und das zweite Gespräch gelohnt“, betont Walter.

    Jedes vierte Paar lernt sich heute über Online-Dating kennen

    Zu diesem zweiten Blick kommt es bei Dating-Apps oft gar nicht. Mit einem kurzen Wisch nach links ist eine vorgeschlagene Person schnell beiseitegeschoben. Der Vorteil bei diesem Weg sei wiederum, dass man andere Singles schnell kontaktieren kann, betont Walter – anders bei einer Kontaktanzeige. Auf die kann man zum Teil sogar nur per Chiffre antworten. „Es ist wesentlich bequemer“, sagt die Unterbernbacherin mit Blick auf die heutigen Möglichkeiten. Und: „Gerade für schüchterne Menschen ist es eine angenehme Art, Leute kennenzulernen.“

    Nicht nur für schüchterne Menschen ist Online-Dating eine reizvolle Option. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben 53 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland schon Erfahrung damit gemacht. Betrachtet man nur die Paare, die in den vergangenen drei Jahren zusammengekommen sind, hat sich laut einer Studie der Online-Partnervermittlung Elite-Partner fast jedes vierte (37 Prozent) über Online-Dating kennengelernt. Damit ist das Internet bei dieser Gruppe der Ort, an dem sich die meisten Paare gefunden haben. Dahinter folgen der Freundes- und Familienkreis (22 Prozent) und das berufliche Umfeld (14 Prozent).

    Kontaktanzeigen tauchen in dieser Liste gar nicht auf. Rein statistisch ist es also sehr ungewöhnlich, dass sich heute ein Paar über diesen Weg findet – so wie Petra und Klaus Kemerlings. Auf ihre Annonce in der Friedberger Allgemeinen erhielt die damals 33-Jährige unter anderem einen formlosen Brief ohne Bild – es war der ihres heutigen Mannes. „Das hat ihn interessant gemacht“, sagt die Kissingerin rückblickend. In Dating-Apps seien die Bilder meistens geschönt, findet sie. „Ein Brief oder ein Text ist viel persönlicher. Das ist für mich ausschlaggebend, ob ich jemanden kennenlernen möchte.“

    Die Nutzerzahlen von Tinder und Co. gehen leicht zurück

    Durch ein Bild bekomme man zwar einen ersten Eindruck. „Es zählen aber auch innere Werte“, betont die heute 58-Jährige. Viele würden Menschen nur aufgrund des Aussehens aussortieren. Dass sich das Dating wie vieles andere auch ins Internet verlagert hat, sei eben ein Trend. „Ich finde es auch nicht schlecht“, betont Kemerlings. „Das ist eine tolle Möglichkeit.“ Zumal junge Menschen auch nicht mehr so oft ausgehen würden wie früher.

    Online kann man dagegen auch bequem vom Sofa aus neue Leute kennenlernen. Im Internet scheint es vielen Menschen leichter zu fallen, zu flirten als in der analogen Welt. Das gaben jedenfalls fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) im Rahmen der Bitkom-Umfrage an. Gleichzeitig würden mehr als drei Viertel (78 Prozent) ihren Partner oder ihre Partnerin lieber außerhalb des Internets kennenlernen. Diesen Trend merken auch die Anbieter: Zuletzt gingen die Nutzerzahlen von Tinder, Bumble und Co. leicht zurück. In einer ZDF-Umfrage gaben 74 Prozent der Befragten an, dass Online-Dating oberflächlich sei. 81 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Menschen beim Online-Dating wie Produkte bewertet würden.

    Das lässt sich über Kontaktanzeigen sicher nicht behaupten. Womöglich können Singles in dieser Hinsicht etwas vom analogen Weg lernen. „Auch wenn man jemanden im ersten Moment aussortieren würde, kann man die Person trotzdem kennenlernen“, findet jedenfalls Petra Kemerlings. Sie rät: „Man sollte es einfach ausprobieren und jedem eine Chance geben.“

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