Wie sich diese Paare über Kontaktanzeigen kennengelernt haben
Aichach-Friedberg
Mit der Zeitung zum Liebesglück: Wie sich diese Paare über Kontaktanzeigen verliebt haben
In einer Zeit vor Tinder und Co. lernten sich Menschen auch über Annoncen in der Zeitung kennen. Vier Paare aus dem Landkreis Aichach-Friedberg erzählen ihre Geschichte.
Petra und Klaus Kemerlings (links oben), Christina Niederreiter und Josef Müller (rechts oben), Monika und Tom Walter (rechts unten) und Sylvia und Roland Kall (links unten) haben sich über eine Kontaktanzeige kennengelernt. Foto: Petra Kemerlings/Annette Zoepf/Familie Walter/Familie Kall
Monika Walter (43) aus Unterbernbach: „Das erste Treffen war der Horror, wir hatten nichts gemeinsam“
„Ich habe immer schon Kontaktanzeigen gelesen, schon als Teenager. Ich fand es immer lustig, was die Leute so reinschreiben. 2007 saß ich in einem Café, als ich die Anzeige in der Aichacher Zeitung gelesen habe. Tom war der einzige, der vom Alter einigermaßen gepasst hat. Und er hatte seine Handynummer reingeschrieben, das war sein Vorteil. Ich habe ihm gleich eine SMS geschickt, er hat geantwortet und wir haben uns noch am gleichen Tag getroffen.
Monika und Tom Walter 2008 (links) und 2026.Foto: Familie Walter/Sandra Schuh
Das Treffen war Horror, wir hatten nichts gemeinsam. Alles, was er erzählt hat, fand ich doof. Es war also keine Liebe auf den ersten Blick. Wir haben uns aber später nochmal getroffen – und festgestellt, dass es zwischen uns doch sehr gut passt. Zwei oder drei Treffen später waren wir ein Paar. 2011 haben wir geheiratet, mittlerweile haben wir zwei Kinder.
Die Kontaktanzeige, die Monika und Tom Walter zusammenbrachte.Foto: Monika Walter
Wenn mein Mann und ich uns auf einer Party gesehen hätten, hätten wir uns vermutlich nicht angesprochen. Sehr wahrscheinlich waren wir auch nie auf den gleichen Veranstaltungen, er ist eher der Rocker, ich war absoluter Großraum-Disco-Fan. Bei der Kontaktanzeige ging es nicht um das Äußerliche. Es war ein Reiz, wer sich hinter der Nummer verbirgt. Kontaktanzeigen lese ich immer noch, da kann ich mich köstlich amüsieren. Die Anzeige meines Mannes trage ich bis heute im Geldbeutel.“
Petra Kemerlings (58) aus Kissing: „Der Brief ohne Bild hat meinen Mann interessant gemacht“
„Als ich 33 war, waren alle meine Freunde schon verheiratet und ich war der ewige Single. Da hatte meine Tante 2000 die Idee: Mach doch mal eine Kontaktanzeige. Ich habe also eine in der Friedberger Allgemeinen geschaltet, mit der Überschrift: ‚Topf sucht passenden Deckel‘. Es kamen einige Briefe, ein paar Männer habe ich getroffen. Klaus fand die Anzeigenüberschrift passend und hat einen formlosen Brief geschickt, ohne Bild. Er hatte sich nicht viel erhofft. Das hat ihn interessant gemacht.
Petra und Klaus Kemerlings 2000 (links) und 2024.Foto: Familie Kemerlings
Bei ihm war relativ schnell klar, dass wir uns nochmal treffen. Als wir uns beim zweiten Treffen verabschiedet haben, haben wir Glühwürmchen gesehen. Da haben wir gesagt: Das ist doch ein Glückszeichen. Wir sind dann bald zusammengezogen, 2001 kam unsere Tochter auf die Welt. 2002 haben wir geheiratet, 2004 kam unser Sohn zur Welt.
Wenn man heute nach jemandem sucht, geht es in meinen Augen vor allem um Aussehen. Das ist oberflächlich, weil man viele aussortiert. Mein Tipp für Singles? Man sollte es einfach ausprobieren und jedem eine Chance geben. Anhand von Bildern hat man einen ersten Eindruck, aber es zählen auch innere Werte. Auch wenn man jemanden im ersten Moment aussortieren würde, kann man die Person trotzdem kennenlernen.“
Sylvia (66) und Roland Kall (61) aus Mering: „Die Dating-Portale waren nichts Gescheites“
Sylvia: Eine Bekannte von mir wollte 2005 unbedingt einen Partner finden. Sie hat mich animiert, dass ich auch einen bräuchte. Ich war damals schon ein Jahr geschieden und war eigentlich nicht interessiert. Die Bekannte hat mich dann überredet, dass wir zusammen eine Annonce schalten. Darauf haben einige geantwortet. Der letzte Brief war von meinem heutigen Mann.
Roland: Ich wollte nach meiner Scheidung nicht allein bleiben und habe ein paar Dating-Portale ausprobiert. Das war aber nichts Gescheites, deswegen habe ich es über die Zeitung probiert. In der Anzeige stand sowas wie: „Zwei Mädels wünschen sich einen aufgeschlossenen Partner.“ Ich bin davon ausgegangen, dass es eine Frau mit Tochter ist.
Sylvia und Roland Kall 2012 (links) und 2025.Foto: Familie Kall
Sylvia: Der Brief von meinem Mann lag 14 Tage herum. Irgendwann habe ich gesagt: Okay, ich gebe ihm eine Chance. Ich habe angerufen und wir haben uns auf einen Kaffee getroffen. Wir haben stundenlang geredet und uns Geschichten erzählt. Jetzt sind wir seit 22 Jahren zusammen. Mein Mann hat mir in meiner schwierigsten Phase beigestanden. 2009 hatte ich eine Herzklappen-OP, da weiß man nie, wie es ausgeht. Mein Mann hat mich täglich im Klinikum besucht. Da habe ich gemerkt, wir können zusammen durch Höhen und Tiefen gehen. Das ist wahre Liebe, die wir bis heute pflegen.
Roland: In Dating-Portalen passen Bild und Beschreibung oft nicht zur Wirklichkeit. Über die Zeitung ist es kurz und bündig, man hat die wichtigsten Eckdaten. Der Rest ist eine Wundertüte, man muss sich überraschen lassen.
Sylvia: Ich hatte damals keine andere Möglichkeit, ich hatte keinen Laptop zuhause. Es ging also nur über die Zeitung – es war purer Zufall. Heute bin ich dankbar dafür.
Christina Niederreiter (35) aus Hollenbach: „Der Moment wird für immer in Erinnerung bleiben“
„Ich habe mir im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt immer wieder mal die Kontaktanzeigen angeschaut, die waren immer nett zu lesen. Meine Eltern haben eine Landwirtschaft im Rottal in Niederbayern. Vor vier Jahren habe ich kurz vor Valentinstag Josefs Anzeige entdeckt, er hat einen Hof in Mainbach. Ich fand die Anzeige nett und sein Alter hat gepasst. Ich habe ihm einfach eine Mail geschrieben. Wir haben dann erstmal hin und her gemailt, später telefoniert.
Christina Niederreiter und Josef Müller lernten sich über eine Kontaktanzeige kennen.Foto: Annette Zoepf/Christina Niederreiter
Als Wohnort hatte er nur ‚AIC-FDB‘ angegeben. Ich dachte schon, dass es ein Stück weg ist, wusste aber nicht, dass es 170 Kilometer sind. Der Moment, als wir uns das erste Mal gesehen haben, wird für immer fest in meiner Erinnerung bleiben. Da hat es im Herzen ‚Klick‘ gemacht. Durch die Corona-Pandemie konnten wir uns damals nicht drinnen treffen, deswegen haben wir einen Spaziergang gemacht. Josef hatte sich ein paar Tage zuvor am Fuß verletzt, hatte eine kleine Schnittwunde. Aber er hat auf die Zähne gebissen.
Wir kamen relativ zügig zusammen, seitdem führen wir eine Fernbeziehung. Aktuell pendle ich zwischen dem Rottal und Hollenbach, mache zwei Tage die Woche Home Office. Auf dem Hof von Josef stelle ich Käse her und verkaufe ihn dort. Viele sind erstmal überrascht, wenn sie hören, dass wir uns über eine Kontaktanzeige kennengelernt haben. Die meisten müssen schmunzeln: Ach, wirklich? Dating-Apps habe ich selbst nie genutzt, ich habe eine andere romantische Vorstellung. Ich habe aber Freunde und Bekannte, die sich so kennengelernt haben.“
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren