Die Hobbykicker des FC Friedenau müssen nach mehr als 50 Jahren ihre Heimat verlassen
Fußball
Die Hobbykicker des FC Friedenau müssen nach mehr als 50 Jahren ihre Heimat verlassen
Der Grundstücksbesitzer hat ihnen die Nutzung des Platzes überraschend gekündigt. Der größte Hobbyfußballklub Merings hat bereits einen neuen Spielort.
Liebgewonnener Acker: Auf der Wiese in der Friedenau wurde bei jedem Wetter gespielt. Foto: FC Friedenau
Am Silvestertag nahmen sie Abschied von ihrer Heimat. Fast zwei Dutzend Fußballer ließen noch einmal den Ball über den holprigen Platz hüpfen, schossen ihn in die selbst angestrichenen Tore, tranken ein letztes Bier am eigens gezimmerten Umkleide-Verschlag. Und spürten ein letztes Mal die Atmosphäre dieses fußballerischen Kleinods zwischen Waldrand und Galgenbach, der ihnen im Sommer Getränkekühlschrank und Dusche war. Dann verließ der FC Friedenau den Ort, der ihm seinen Namen gab. Die einstige Liegewiese des Strandfreibads zwischen Mandichosee und Mering, auf der 55 Jahre zuvor ein Haufen Hobbykicker den Verein gegründet hatte.
„Krass unwirklich“ sei das alles, sagt Lukas Stefaniak. Seit Ende des vergangenen Jahres ist der 25-Jährige Vorsitzender des FC Friedenau. „Die Nachricht von der Kündigung zum Jahresende kam im Oktober per Brief an meinen Vorgänger. Und traf uns völlig ohne Vorankündigung“, erzählt Stefaniak. Der Platz, merkt er mit einem Lachen an, sei „sicher nicht der beste“ gewesen, „ein Acker halt“. Aber dieser Acker, schiebt er hinterher, „war unser Zuhause“. Stefaniak holt aus: „Der Platz hatte einfach einen eigenen Charme. Man spürte dort die Historie: Ein Ort, an dem seit mehr als 50 Jahren Freunde zum Kicken und Spaß haben zusammenkommen“, beschreibt er. Nun aber wurden die letzten Stollenabdrücke auf der Wiese hinterlassen.
Die Gründe für das fußballerische Ende in der Friedenau
„Im Wald neben dem Platz haben wir viel Fichte. Seit Jahren besteht ein großes Käferproblem“, informiert Paul Lidl, dem zusammen mit seiner Familie die Friedenau gehört. Die Bäume müssen weichen, die Wiese wird gebraucht. „Anders kommen wir nicht an die Bäume hin“, sagt Lidl, der selbst sechs Jahre lang als als FCF-Mitglied gegen den Ball getreten hat. Entsprechend emotional sei der Entschluss gewesen, dem Verein zu kündigen. „Wir haben innerhalb der Familie lange überlegt“, betont er und versichert: „Mir tut es schrecklich leid.“ Das Gespräch mit der Klubführung, so sagt Lidl, habe er nicht mehr gesucht, „weil die Entscheidung unumgänglich war“.
Auf dem Gelände wird bereits seit Anfang des Jahres gearbeitet, der Boden wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. „Der Platz wird nicht mehr dieselbe Beschaffenheit haben“, sagt Lidl und verleiht dem Abschied Endgültigkeit: „Darauf wird nie wieder Fußball gespielt.“ Die Wiese sei als eine landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen und werde künftig als solche bewirtschaftet, kündigt der Heilpraktiker mit Praxis in der Friedenau an.
Den Holzverschlag mit Kleiderhaken und Sitzbank haben die Vereinsmitglieder eigens gezimmert. Foto: FC Friedenau
Was auch Lidl freut: Die Hobbykicker des FC Friedenau haben bereits einen neuen Spielort gefunden. Sie kommen jetzt auf der Anlage des TSV Schmiechen zusammen. Weit weniger fußballromantisch zwar, „dafür mit richtiger Kabine, Duschen und Toilette“, merkt Stefaniak an. Wenngleich er nicht unerwähnt lassen will, dass fünf Mitglieder wegen des Heimatverlustes aus dem FCF ausgetreten seien. Er selbst kann sich mit dem, wenn auch schmerzhaften, Ortswechsel arrangieren. Die Kooperation mit dem TSV laufe gut, Friedenau-Fußballer haben etwa die Möglichkeit, zusätzlich im Altherren-Team des TSV zu trainieren und zu spielen.
19-Jährige stehen mit Spielern jenseits der 60 auf dem Platz
Dass auf Rasenplatz und mit angeschlossenem Klubheim eine Atmosphäre entsteht wie in der Friedenau, ist zwar zu bezweifeln. Letztlich sind es aber ja die 45 Mitglieder des FC Friedenau, die ihm seine Besonderheit verleihen. Fußballer von 19 bis 64 Jahre, das älteste Mitglied über 80. Manche ehemalige Vereinsspieler, andere Quereinsteiger. Sie sind mindestens genauso wie der Platz Grund dafür, weshalb Stefaniak 2021 beitrat, zunächst regelmäßig 45 Minuten Autofahrt aus den Stauden in Kauf nahm, sich seither stark engagiert. „Die Stimmung und die Leichtigkeit haben mir sofort gefallen“, erinnert sich der heutige Königsbrunner.
Das neue Vorstandsteam (von links): Florian Manger, Florian Zick, Lukas Stefaniak, Timo Graf und Niklas Hengst wollen den Verein nach eigener Aussage weiterentwickeln und einen modernen Weg einzuschlagen. Foto: FC Friedenau
Seit Mitte Januar trainieren die Hobbykicker wieder, schließlich stehen die ersten Spiele und Turniere für 2026 schon fest. Das zurückliegende Jahr war ein sportlich erfolgreiches, daran wollen Stefaniak und seine Mitspieler anknüpfen. Das Wetter spielt dabei keine Rolle, solange genug Leute zusammenkommen. Diese Tradition ist mit dem Verein umgezogen, daran ist nicht zu rütteln. Genauso wenig wie am Namen, das macht Stefaniak noch einmal deutlich: „Wir bleiben natürlich der FC Friedenau.“
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