Mering: Seit über 100 Jahren gibt es in Mering die Friedenau
Mering
Seit über 100 Jahren gibt es in Mering die Friedenau
Es war Eduard Ettensberger, der beschloss, da wo "Fuchs und Hase einander gute Nacht sagen", eine Einsiedelei zu bauen. Daraus wurde die Waldgaststätte Friedenau.
So sah die Friedenau aus bei Mering, bevor sie 1972 um neue Gasträume erweitert wurde.Foto: Archiv Paul Lidl
Paul Lidl, dem zusammen mit seinen Eltern und der Schwester Andrea Merkl, die Friedenau gehört, hat in den Unterlagen gegraben und festgestellt: "Die Friedenau feiert dieses Jahr ihr 101-jähriges Bestehen." Denn im Juni 1922 bezog Eduard Ettensberger mit seiner Frau die Einsiedelei. Dabei war Ettensberger durchaus kein "leutscheuer Mensch", wie man in Mering sagt. Im Gegenteil, er gründete mehrere Vereine, turnte gerne und machte mit seiner ersten Frau viel Musik. In seiner selbstverfassten Schrift über die Gründung und Entstehung des Einsiedlerheims, der Waldwirtschaft und des Strandbades der Friedenau bei Mering beschreibt er genau, warum es ihn dennoch raus aus Mering zog.
Eduard Ettensberger war nicht nur der Gründer des TV Mering, sondern auch der Einsiedler in der Friedenau.Foto: Repro: Anton Schlickenrieder
Der Krieg machte Ettensberger sehr zu schaffen
Seine frühe Jugend verbrachte Ettensberger im Allgäu und nach einer Lehre als Bader arbeitete er bei der Garnison Augsburg. Doch er musste 1890 zur Armee und blieb dort bis 1892. Zwei Jahre später heiratete Ettensberger eine Wirtstochter. Mit ihr eröffnete er 1895 ein gut gehendes Lokal in Mering, dort befindet sich das heutige Papst-Johannes-Haus. Ettensberger war beliebt und gründete neben einem Theaterclub auch den Athletenclub Bavaria und später, 1908 den Turnverein.
Acht Jahre zuvor starb Ettensbergers erste Frau. Der Krieg, die Revolution und die Inflation brachten Ettensbergers Leben ins Wanken. Ettensberger schrieb in seinen Aufzeichnungen über diese Zeit: "Man kann lachen darüber, aber es ging mir über die Nerven." Und so entschied er sich, im Lechfeld die Einsiedelei zu bauen und mit seiner zweiten Frau dorthin zu ziehen. "Ich will mein Leben in Ruhe zubringen und will dieses Drunter und Drüber nicht mehr mitansehen", sagte er zu seiner Frau. Am 1. Oktober 1921 fing er ganz alleine mit den Erdarbeiten an. Um die Wirtschaft in Mering kümmerte er sich nicht mehr. Am 1. Juni 1922 war es endlich so weit, er bezog die Einsiedelei. Die Wirtschaft "Zum Leier" übergab er an den Turnverein, der sie in Turnerheim umtaufte.
Aus dem Frieden in der Au wurde nichts
Ettensberger dachte, jetzt hat er endlich Ruhe, doch nur wenige Tage nach seinem Umzug kamen schon die ersten Meringerinnen und Mering zu ihm zu Besuch. Sie fragten "Hosch a Bier, denn wann ma bis da naus loft, kriegt ma an Durscht." Und das wiederholte sich so oft, dass Ettensberger klein bei gab. Er ließ ein Fuhrwerk der Brauerei kommen, die ihn und die Gäste mit Bier versorgten. So kam es, dass dort die Wirtschaft Friedenau entstand. Später baute Ettensberger dort noch baute er dort ein Strandbad für die Meringerinnen und Mering. Mit dem Frieden in der Au war es also nicht mehr so weit her. Bis 1936 blieb Ettensberger Wirt in der Friedenau. Ihm folgte Johann Hefele, der 1957 an Paul Landsberger verkaufte.
Die Friedenau ist seit vielen Jahren ein beliebtes AusflugslokalFoto: Archiv Paul Lidl
"Mein Großvater baute das Ausflugslokal noch weiter aus", blickt Paul Lidl zurück. Nachdem die Lechstaustufe 23 entstanden war, kamen auch Gäste aus Augsburg und Königsbrunn in die Friedenau. 1972 wurden neue Gasträume erbaut. Die Tochter Irmgard Engelhard und ihr Mann Josef brachten sich bereits ein. Sie übernahmen 1979 die Wirtschaft von Paul und Agnes Landsberger. 1994 macht sich Paul Lidl, Sohn von Irmgard Englhard daran, die Friedenau zu leiten. Doch er entschied sich für eine andere Laufbahn und wurde Heilpraktiker. Seine Praxis ist ebenfalls auf dem Gelände der Friedenau. Seit 2014 sind die Wirtsleute Ulf und Conny Merle in der Friedenau und auch nach über 100 Jahren ist von Einsiedelei nicht mehr viel zu merken. Gerade in den Sommermonaten ist das Lokal beliebt bei den Ausflugsgästen.