Früher standen in der Mädchenschule Handarbeit und Kochen auf dem Stundenplan
Die frühere Mädchenschule in Friedberg soll saniert werden
„Im Turnverein haben wir die Buben dann doch getroffen – das war den Schwestern vielleicht ein Dorn im Auge!“ Martha Reißner, Mitgründerin der Stiftung „Bürger für Friedberg“, kann sich herrlich amüsieren, wenn sie an ihre Schulzeit in der Mädchenschule zurückdenkt. Geschlechtergetrennte Klassen gibt es hier nicht mehr, aber das alte Gebäude am Eisenberg erinnert mit der Aufschrift „Mädchenschule“ heute noch daran. Nicht nur das, auch die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule haben dieses Jahr den 120. Geburtstag ihres Schulgebäudes gefeiert.
Das Jubiläum hat Sonja Eisler, Lehrerin an der Mittelschule, gemeinsam mit zwei Kolleginnen zum Anlass genommen, um im Schulhaus eine Chronik auszuhängen und die Kinder auf die Geschichte ihres Schulgebäudes aufmerksam zu machen. „Das hat die Kinder sehr fasziniert. Und überrascht, weil ihnen vorher nicht bewusst war, dass früher dort nur Mädchen von Schulschwestern unterrichtet wurden“, sagt Eisler. Ein Aha-Moment war, als Eisler den Schülerinnen und Schülern einen Teil im heutigen Werkraum näher gezeigt hat: „Dort ist noch die alte Schulkapelle zu erkennen, mit einer Nische für eine Marienfigur“, sagt Eisler.
Seit 1854 gab es in Friedberg getrennte Mädchen- und Knabenschulen. Die Buben unterrichtete ein Lehrer gemeinsam mit einem Hilfslehrer in der heutigen Archivgalerie, für die Mädchen übernahm der Orden der „Armen Schulschwestern“ im Eisenberg 1 die Lehre. Weil im 20. Jahrhundert die Zahl der Schulkinder stieg, entschloss man sich, am Eisenberg 3 ein neues Gebäude für die Mädchen zu errichten. Im September 1905 wurde es eingeweiht.
„Die Mädchen hatten neben den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachkunde Unterricht in Handarbeit. Die Jungs wurden in Werken unterrichtet“, sagt Reißner. Hauswirtschaftslehre hatten die Kinder dann ab der siebten Klasse zusammen. „Viele Jungs haben Hauswirtschaft in der achten Klasse weiter belegt. Dann hatten sie gleich was zu essen und Hausaufgaben gab es auch keine. Manche Jungs haben sogar besser gekocht als die Mädchen, extravaganter“, sagt Reißner und schmunzelt.
Die Erziehung der Ordensschwestern konnte laut Reißner schon mal streng sein. Vor allem war der Unterricht aber christlich geprägt: „Jeder Schultag begann mit einem Morgengebet, die Stadtkinder sind sogar um sieben Uhr morgens in den Gottesdienst gegangen“, erzählt Reißner, die später selbst als Lehrerin in der neu gebauten Theresia-Gerhardinger-Grundschule Hauswirtschaft, Handarbeit und Sport unterrichtete.
Heute werden in der früheren Mädchenschule die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen der Mittelschule unterrichtet, ab der siebten Klasse wechseln sie in die Aichacher Straße. Mittlerweile ist das alte Gebäude stark sanierungsbedürftig, wie Sonja Eisler sagt: „Die Fenster sind mittlerweile nicht mehr ganz dicht, sodass es im Winter zieht und bei Querregen Wasser hineingelangt.“ Die Stadt hat auf die Mängel reagiert und plant Sanierungsarbeiten, die zuletzt im Stadtrat diskutiert wurden.
Die hohen Fenster mit Holzstreben stammen aus dem Jahr 1982 und weisen erhebliche Schäden auf. Daher müssen sie ausgetauscht werden. Das betrifft vor allem die Südseite, die aufwendiger gestaltete historische Schauseite des Gebäudes, die von der Straße aus gut erkennbar ist. An der Nordseite dagegen reicht laut Planung eine Aufbereitung der Fenster aus. Für die Planung war eine Absprache mit dem Denkmalschutz nötig. Die Fenster sollen außerdem mit einem Sonnenschutz ausgestattet werden, um im Sommer die Hitze in den Unterrichtsräumen zu reduzieren und den aktuellen Energiestandards zu entsprechen. Die Kosten liegen insgesamt bei rund 750.000 Euro. Das Vorhaben soll in den Sommerferien 2027 begonnen und zum Jahresende 2027 abgeschlossen sein. Ein Diskussionspunkt im Stadtrat war der Sonnenschutz an den Nordfenstern, weshalb die Entscheidung vertagt wurde.
Der Erhalt der alten Mädchenschule liegt Sonja Eisler am Herzen. Daher hat sie gemeinsam mit zwei Kolleginnen eine Feier zum 120-jährigen Jubiläum des Schulgebäudes organisiert. Auch ein Lied wurde gedichtet, das von einem Chor der Schülerinnen und Schüler aufgeführt wurde. „Die Kinder sind stolz auf ihr Schulhaus. Wenn es auch nicht modern ist, hat es doch einen eigenen nostalgischen Charme. Der Erhalt des Gebäudes ist uns wichtig, damit die Kinder weiterhin Leben in das alte Schulhaus bringen können“, sagt Eisler.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren