Konzentriert spannen Gertrud Högenauer und Elisabeth Arnold die ersten Fäden auf dem historischen Webstuhl. „Die beiden Webstühle sind ein echter Glücksgriff“, findet Matthias Feiger, Verantwortlicher für das Dasinger Heimatmuseum. Kürzlich erwartete Besucherinnen und Besucher des Museums eine besondere Neuheit: An alten Webstühlen konnte die Herstellung von Flickerlteppichen beobachtet und selbst ausprobiert werden.
Zwei alte Webstühle im Dasinger Heimatmuseum
Die Webstühle aus den 50er Jahren wurden früher an der Landwirtschaftsschule in Friedberg genutzt. Als das Landratsamt keine Verwendung mehr für sie sah, setzte sich Gertrud Högenauer dafür ein, sie im Dasinger Heimatmuseum auszustellen. „Wahrscheinlich wären sie sonst weggeschmissen worden“, sagt sie. Die ehemalige Hauswirtschaftslehrerin unterrichtete über 15 Jahre lang an der Landwirtschaftsschule. Dort brachte sie unter anderem das Weben von Flickerlteppichen an Webstühlen bei. Inzwischen wurden die Webstühle an das Museum verschenkt und können seit dieser Woche dauerhaft besichtigt werden.
„Zuerst muss der Webstuhl mit den sogenannten Kettfäden bespannt werden, diese bilden die Basis“, erklärt Gertrud Högenauer, während drei Helferinnen um sie herumstehen und die vielen Fäden halten. „Es braucht schon mal an die vier Personen, um einen Webstuhl zu bespannen“, sagt sie lachend. Die Stoffstreifen, die später gewebt werden, nennt man Schuss, da sie wie durch den Kettfaden geschossen werden, erklärt sie weiter.
Flickerlteppiche entstehen aus recyceltem Material
Das Besondere: Die Fäden bestehen aus zerschnittenen, abgetragenen Klamotten oder Wollresten. „Früher wurde nichts weggeschmissen. Für alles wurde eine Wiederverwertung gefunden“, erklärt Matthias Feiger.
Auch Elisabeth Arnold kennt sich mit der Arbeit am Webstuhl aus. Sie ist gelernte Weberin. 1965 machte sie ihre Ausbildung im Lehrbetrieb der Spinnerei/Weberei Augsburg im Proviantbachquartier. „Früher war es ganz normal, dass viele Haushalte in Augsburg und Umgebung ihren eigenen Webstuhl hatten“, erzählt sie.
Die Besucherinnen und Besucher konnten sich selbst am Webstuhl versuchen. Dabei dauert es je nach Dicke des Stoffes ungefähr eine Stunde, um zehn Zentimeter Teppich zu weben, beschreibt Gertrud Högenauer. „Das ist natürlich hochinteressant“, findet Christina Deponte, Besucherin des Heimatmuseums. Die Friedbergerin ist durch eine Freundin auf die Veranstaltungen im Heimatmuseum aufmerksam geworden. Neben den historischen Webstühlen ist sie auch für die von Matthias Feiger geleiteten Führungen durch das Museum nach Dasing gekommen.
Auf zwei Etagen können alte Gegenstände aus dem 20. Jahrhundert begutachtet werden. Nicht nur verschiedenste Haushaltsgegenstände, wie eine vollständige Kücheneinrichtung oder Spinnräder und Strickapparate werden ausgestellt. Sondern auch ein nachgestelltes Klassenzimmer wie aus den 60er Jahren, ein altes Schlafzimmer oder landwirtschaftliche Geräte gibt es zu entdecken. Dabei stammen alle Museumsstücke aus Dasing und Umgebung und sind größtenteils Schenkungen von Privatpersonen. „Es kommen immer wieder neue spannende Sammlungsstücke dazu“,erzählt Matthias Feiger. „Und hinter jedem von ihnen steckt eine Geschichte“, fügt er hinzu.
Info: Wer diese Geschichten hören möchte, kann kostenfrei an einer der Führungen teilnehmen. Das Dasinger Heimatmuseum öffnet an jedem Ersten des Monats, mit Ausnahme von Feiertagen, für alle Interessierten seine Türen. Mit den Webstühlen hat die Sammlung zwei weitere Ausstellungsstücke dazugewonnen, die nicht nur betrachtet, sondern auch in Aktion erlebt werden können.
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