Aus Gästen werden die ersten Käufer: Frank Türpe aus Augsburg (Bildmitte) ersteht das erste Bild.Foto: Christine Hornischer
Die Archivgalerie in Friedberg ist an diesem Abend mit Gästen gefüllt und voller Farbe. Leuchtende Aquarelle hängen neben dichten Ölbildern, dazwischen entfaltet sich ein Spiel aus Formen, Linien und Schichten. Immer wieder bleiben Besucher stehen, treten näher an die Werke heran, lassen den Blick schweifen.
So vielseitig sind die Werke von Künstler Hermann Jaufmann
Von sehr konkreten Darstellungen haben sich die Werke des früheren Goldschmieds Jaufmann im Laufe der Jahre immer stärker zum Abstrakten hinentwickelt. Die Austellung in Friedberg zeichnet diesen künstlerischen Weg nach.
Den Gästen gefällt der bunte und zugleich besondere Mix aus Aquarellen und Ölmalerei, aus gegenständlichen Motiven und freien, abstrakten Kompositionen. „Da ist für jeden etwas dabei“, freut sich die dritte Bürgermeisterin der Stadt Friedberg, Claudia Eser-Schuberth, und lässt den Blick aufmerksam durch den Raum wandern.
Früherer Goldschmied Hermann Jaufmann stellt erstmals seine Gemälde aus
Der Künstler Hermann Jaufmann ist 91 Jahre alt. Er steht vor seinen Bildern, ruhig, fast zurückhaltend. Er sucht nicht die Aufmerksamkeit, drängt sich nicht in den Vordergrund. Gespräche entstehen eher beiläufig, wenn Besucher ihn ansprechen, Fragen stellen oder Eindrücke teilen. Eine offizielle Rede gibt es nicht. „Wenn meine Arbeiten nicht sprechen, nutzt alles nichts mehr“, sagt Jaufmann.
Die frühen Arbeiten Jaufmanns sind gegenständlich geprägt. Landschaften, Alltagsbeobachtungen, Szenen, die vertraut wirken und doch eine eigene Handschrift tragen. Man erkennt darin die Präzision eines Handwerkers, die Sorgfalt eines Goldschmieds, der über Jahrzehnte hinweg mit feinen Materialien gearbeitet hat. Linien sind klar gesetzt, Formen sorgfältig ausgearbeitet, Farben zurückhaltend, aber bewusst gewählt.
Doch dabei ist es nicht geblieben. Mit den Jahren hat sich Jaufmann weiterentwickelt, hat begonnen, sich von der reinen Abbildung zu lösen und neue Wege zu gehen. Die abstrakte Malerei öffnet ihm einen neuen Raum. In manchen Bildern scheinen sich Flächen zu überlagern, in anderen brechen Linien auf, verlaufen ins Offene. Es entstehen Kompositionen, die nicht erklären wollen, sondern wirken. Seine Bilder entwickeln sich während des Malens, verändern sich, nehmen Richtungen an, die nicht immer geplant sind.
Bei Vernissage in der Archivgalerie Friedberg wird gleich das erste Bild verkauft
Frank Türpe und Siegrid Beukert aus Augsburg kennen Hermann Jaufmann noch aus seiner Zeit als Juwelier, als er ein Geschäft in der Fuggerstadt führte. Umso größer ist ihre Neugier auf sein künstlerisches Schaffen. Besonders die Aquarelle haben es ihnen angetan. Ein abstraktes Acrylbild in den Farben Weiß, Blau, Grün auf Spanplatte zieht außerdem ihre Aufmerksamkeit auf sich. Am Ende bleibt es nicht beim Betrachten: Aus Gästen werden die ersten Käufer.
Bis zum 3. Mai sind Jaufmanns Werke in der Archivgalerie in Friedberg zu sehen. „Wir kommen bestimmt nochmal vorbei“, sagt seine Künstlerkollegin Rita Höfler. „Sein Farbgefühl ist einzigartig“, schwärmt sie beim Hinausgehen. Und dann fügt sie anerkennend hinzu: „Er kann wirklich exakt malen – und gleichzeitig so frei arbeiten.“
Hermann Jaufmann (91) zeigt in der Archivgalerie Friedberg erstmals seine Werke – ein vielseitiger Mix aus Aquarellen, Ölmalerei und abstrakten Arbeiten.Foto: Christine Hornischer
Für den passenden Klang des Abends sorgt das Acoustic-Pop-Ensemble der Friedberger Schule für Musik. Unter der Leitung von Stefan Schmidt spielen die jungen Musikerinnen und Musiker aktuelle Coversongs, ein neues Projekt, wie Schmidt sagt. Die Lieder wie beispielsweise „Sleeping at last“ vom US-Sänger und Multi-Instrumentalisten Ryan O’Neal tragen die Atmosphäre der Vernissage. Die Musik begleitet die Gespräche, verbindet die Eindrücke – und gibt dem Abend eine weitere, feine Farbe.
So erzählt diese Ausstellung nicht nur von Motiven, sondern von einem Weg. Von der Genauigkeit des Handwerks hin zur Offenheit der Malerei. Und von einem Künstler, der sich auch mit 91 Jahren nicht festlegt, sondern weitersucht.
Öffnungszeiten: Freitag, 17. April bis Sonntag, 3. Mai 2026 jeweils samstags 14 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 15 Uhr. Der Künstler ist am Sonntag, 26. April, persönlich anwesend.
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren