Frau Roß, seit gut einem Jahr sind Sie als Citymanagerin und Wirtschaftsbeauftragte in Friedberg ganz nah an der Geschäftswelt. Verraten Sie uns, was es Neues gibt?
Bianca Roß: Es eröffnet ein Unverpackt-Laden in der Pfarrstraße. Am 24. September zog das Geschäft Ich Bins von Mering-St. Afra hierher. Ein solches Geschäft ist ein Frequenzbringer.
Wie geht es mit dem Müller-Markt weiter? Es kursiert das Gerücht, dass ein Angler-Shop einzieht.
Roß: Meines Wissens bleibt es dabei, dass zum Jahresende eine ortsansässige Physio-Praxis einzieht.
Lange Zeit waren Leerstände das Problem. Das hört sich jetzt anders an.
Roß: Wir bekommen mehrere Anfragen im Monat von Leuten, die in Friedberg ein Geschäft eröffnen möchten; das war sogar im Lockdown so. Es gibt allerdings wenig aktivierbaren Leerstand. Oder die Interessenten, wie etwa ein Anglerladen, möchten eine gute überregionale Anbindung, Fläche und Parkplätze vor der Tür. Mittlerweile zeichnen sich jedoch in der Bahnhofstraße Gebäudesanierungen ab (...), ein positiver Effekt des Umbaus.
Stichwort Bahnhofstraße: Für die Innenstadt war es kein leichtes Jahr mit der Corona-Krise und der Großbaustelle. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Roß: Die Geschäfte sind vergleichsweise gut durch das Jahr gekommen. Das liegt mit an der Treue der Friedberger Kunden, aber auch daran, dass viele Geschäfte zugleich ein zweites Standbein im Handwerk haben, und an der Widerstandsfähigkeit und Flexibilität alteingesessener und inhabergeführter Läden. In der Innenstadt war die Überbrückungshilfe natürlich ein großes Thema, das war aber auch klar branchenabhängig.
Die Gastronomie hat sich teilweise besonders schwergetan.
Roß: Es gab bereits vor meinem Start einige Insolvenzen. Momentan kämpfen viele außerdem mit dem Personalmangel. In der Gastronomie ist gerade Land unter. Das merkt man vor allem bei neuen Themen wie dem Luca-Schlüsselanhänger. Wir versuchen, hier Anreize zu schaffen und zu unterstützen.
So unterstützt die Stadt Friedberg Geschäfte
Wie konnte die Stadt den Handel in der schwierigen Zeit unterstützen?
Roß: Zum Glück haben wir Geld aus einem Fördertopf für das Baustellenmarketing Bahnhofstraße. Es gab dadurch viele Einzelmaßnahmen, die nicht nur den Umbau begleiten, sondern Händler - insbesondere in den schwierigen Pandemiephasen - in der gesamten Innenstadt unterstützten. So konnten wir zusammen mit dem Aktiv-Ring ein weiteres Gutscheinheft herausbringen, das ein riesiger Frequenzbringer ist. Wir haben Anzeigenkampagnen in Auftrag gegeben, aber auch mit Bannern auf die Erreichbarkeit hingewiesen. Das geht Hand in Hand mit der Buy-Local-Kampagne kauf vor Ort, die es in Friedberg schon zuvor gab. Neueste Aktion ist der zweite Baustellenclip, der ab sofort auf unserer Website friedberg.de zu sehen ist.
Geschäftsleute sowie Anwohnerinnen und Anwohner der Bahnhofstraße wirkten nicht immer zufrieden. Und jetzt gab es noch Verzögerungen an der Baustelle.
Roß: Der Gesamtzeitplan steht. Interne Verschiebungen bei der vorliegenden Komplexität haben darauf keine Auswirkungen. Natürlich gibt es Einschränkungen, vor allem für die Gewerbetreibenden. Wir haben aber nachgebessert. Zum Beispiel wurden bereits am Anfang Fußmatten verteilt. Jetzt wurden, weil es dieses Jahr witterungsbedingt oft matschig war, Stege angebracht. Wir verschicken mittlerweile wöchentlich einen Newsletter an die direkten Anlieger. Momentan läuft noch der Spartenbau, aber im Herbst sollen die Pflasterarbeiten beginnen, und zwar mit den Gehsteigen. Dann ist die Bahnhofstraße wieder besser begehbar.
Wie lief das erste Jahr als Wirtschaftsbeauftragte und Citymanagerin für Sie selber?
Roß: Ich habe ja keinen Vergleich - es war alles neu. In Friedberg funktioniert vieles gut durch die Vernetzung und die vielen kreativen und engagierten Akteure. Ich habe das erste Jahr verstärkt zum Kontaktaufbau mit Partnern und verwaltungsintern genutzt. Corona-bedingt konnte ich zu Unternehmen, auch in den Ortsteilen, leider wenig persönlichen Kontakt aufnehmen. Das möchte ich jetzt angehen.
Auch wenn es gerade schwierige Zeiten für eine Prognose sind: Was wird die Zukunft bringen?
Roß: Das ist tatsächlich ein Stück weit ein Blick in die Glaskugel. Egal ob Markttage, Aktionen zum Augsburger Friedensfest oder Lange Einkaufsnacht: Man muss sehen, was 2022 durchführbar ist. Ein großes Thema ist das Einzelhandelskonzept, in das viele Player eingebunden sind. Und vielen Händlern fehlt der persönliche Kontakt untereinander, hier möchte ich Treffen anbieten, aber auch Schulungen, zum Beispiel im Herbst zu Schaufenstergestaltung und digitaler Sichtbarkeit.
So kann es mit der Wirtschaft in Friedberg weitergehen
Was planen Sie zur Wirtschaftsförderung?
Roß: 2022 ist ein großes Unternehmertreffen geplant, nachdem der Wunsch der Firmen an mich herangetragen wurde, sich zu vernetzen. Meine Aufgabe ist es, ein Format anzubieten, das aktuelle Themen wie Fachkräftemangel, Mobilität oder Digitalisierung für Unternehmer vor Ort aufbereitet. Wir haben in Friedberg aktuell rund 3500 Gewerbe angemeldet - das reicht vom großen Möbelhaus bis zum nebenberuflichen Nagelstudio.
Wo sehen Sie Friedberg in Zukunft?
Roß: Friedberg geht es wesentlich besser als vielen anderen Städten. Wichtig ist ein gemeinsames Ziel. Schon jetzt schätzen die meisten an der Stadt, dass man hier nach dem Wochenmarkt noch ins Café nebenan gehen kann, dass vielleicht Musik spielt. Wir haben in der Region um Augsburg ein Alleinstellungsmerkmal an Aufenthaltsqualität. Ich möchte diese noch stärker erlebbar machen, für Bewohner gleichermaßen wie für Besucher. Schon jetzt arbeite ich bei vielen Projekten mit den Tourismuskolleginnen zusammen.