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Friedberg: "Katastrophe": So sehen Friedbergs Geschäftsleute die Folgen des Lockdowns

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"Katastrophe": So sehen Friedbergs Geschäftsleute die Folgen des Lockdowns

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    Am Marienplatz und in der Ludwigstraße in Friedberg gilt seit einer Woche Maskenpflicht.
    Am Marienplatz und in der Ludwigstraße in Friedberg gilt seit einer Woche Maskenpflicht. Foto: Thomas Goßner

    Normalerweise erscheint des Öfteren ein Gesicht mit herunterhängenden Mundwinkeln aus roten Lichtern. Das heißt dann, dass der Fahrer oder die Fahrerin mit mehr als 20 Kilometern pro Stunde, sprich zu schnell, unterwegs ist. Viel Gelegenheit ihren Unmut zu äußern hat die Geschwindigkeitsanzeige in der Friedberger Innenstadt derzeit aber nicht. Die Geschäftsleute rund um den Marienplatz und die Ludwigstraße tun das dagegen umso mehr.

    Eine "Katastrophe" nennt Willi Weißgerber den ersten Tag des Lockdowns für seine Konditorei. "Der Samstag war extrem stark für uns, aber schon am Montag sah die Welt anders aus", erklärt der Inhaber des Altstadtcafés. Denn momentan sei Friedbergs Altstadt wie ausgestorben, weshalb Weißgerber seinen Betrieb auch deutlich herunterfuhr: "Unsere Küche ist geschlossen, wir bieten derzeit wenn dann nur Suppen zum Mitnehmen an", erklärt er. Denn: Den Koch kommen zu lassen, lohne sich in diesen Zeiten einfach nicht.

    Gleiches gilt für die frischen Waren in der Konditorei. Denn Waren mit Sahne oder Früchten lassen sich aktuell schwer verkaufen. "Wir können ja nicht einfach nur eine halbe Schwarzwälder Kirschtorte machen", sagt Weißgerber etwas verbittert. Etwas besser läuft es dagegen bei der Weihnachtsbäckerei, denn die Produktion von Lebkuchen und Plätzchen habe er nicht heruntergeschraubt. "Das ist aber etwas anderes als das Tagesgeschäft", erklärt der Konditor.

    Zudem hofft er, dass die Nachfrage um den ersten Advent herum auch wieder steigt. "Dann geht es uns auch wieder besser, auch wenn der Staat uns durch den Lockdown zwei Drittel des Umsatzes verboten hat", bleibt Weißgerber verhalten optimistisch. Dennoch räumt der Konditor ein: "Wenn ich uns zum Beispiel mit Messevertretern vergleiche, geht es uns ja noch blendend".

    Die Geschäftsleute in Friedbergs Innenstadt sind verhalten optimistisch

    Auch dem Feinkostladen "Vom Fass" in der Ludwigstraße sind die Kunden bislang erhalten geblieben. "Am Marienplatz sind zwar kaum Autos geparkt, die Kunden kommen aber dennoch zu uns", erklärt eine Mitarbeiterin. Der Haken: Oft würden Interessenten die Essige gerne probieren, dies sei derzeit jedoch nicht möglich. Nicht einmal, wenn die Menschen dabei draußen stehen bleiben würden. "Das ist zwar keine schöne Situation, wir nehmen sie aber an und versuchen das Beste daraus zu machen."

    Auch dem Schuhhaus Kratzer fallen derzeit einige Kunden weg, erklärt eine Mitarbeiterin: "Es ist einfach deutlich ruhiger". Ob sich die Situation in Bälde ändere, kann sie derweil schwer einschätzen, hofft aber dennoch darauf.

    Die Geschäftsleute in Friedbergs Innenstadt behalten ihre Stammkunden

    Auch bei der Dönerbude Ala Turka haben die Mitarbeiter aktuell deutlich weniger zu tun. "Laufkunden haben wir zwar", sagt einer der Mitarbeiter, man setze in diesen Zeiten ohnehin eher auf die Stammkundschaft. Diese Rechnung ging bereits während des ersten Lockdowns weitgehend auf, als der Straßenverkauf weiterhin Hungrige insbesondere während der Mittagspause anzog.

    Während des Lockdowns ist die Friedberger Innenstadt wie ausgestorben. Einige Geschäfte können sich dennoch zumindest auf ihre Stammkunden verlassen.
    Während des Lockdowns ist die Friedberger Innenstadt wie ausgestorben. Einige Geschäfte können sich dennoch zumindest auf ihre Stammkunden verlassen. Foto: Michael Postl

    Die Blumenecke in Friedberg ist derweil hochzufrieden mit dem Umsatz. Natürlich sei dieser etwas zurückgegangen, immerhin finden aktuell kaum Hochzeiten und andere Veranstaltungen statt, für die Blumen geordert werden. Auch Laufkunden gebe es naturgemäß weniger. Was allerdings ein Grund zur Freude sei, ist die Treue der Friedberger und Friedbergerinnen, die bereits während des ersten Lockdowns weiterhin zum Blumenkaufen gekommen seien.

    Bei der Buchhandlung Gerblinger ist die Situation ähnlich. Es sei weniger los, sagt eine Mitarbeiterin, die zudem Verunsicherung unter den Kunden und Kundinnen ausgemacht hat. "Einige haben Angst, dass wir schließen müssen". Diese Sorge sei vorerst jedoch unbegründet.

    Der Vorteil bei der Strumpf Insel in Friedbergs Innenstadt: Exklusivität

    Beim Feinkostladen Schadl läuft der zweite Tag des Lockdowns unterdessen etwas besser als der erste. "Solche Tage gibt es immer wieder einmal", sagt Inhaberin Gabriele Schadl, räumt jedoch ein, dass der Montag "schon sehr ruhig war." Zudem fällt der Imbiss weg, den laut Schadl ohnehin vor allem die Arbeitenden genutzt haben, die nun im Homeoffice weilen.

    "Wir haben ohnehin keinen so hohen Anteil an Laufkundschaft, bei uns dominieren die Stammkunden." Dennoch könne sie sich über die aktuelle Situation noch nicht groß beklagen. "Ich hoffe das bleibt auch so", sagt Schadl.

    Auf ihre Stammkunden kann sich auch Karin Schmuck von der Strumpf Insel verlassen. Die Inhaberin des Bekleidungsgeschäftes kann nach eigener Aussage zudem auf ein breites Sortiment zurückgreifen, dass es so auch nicht im Internet zu kaufen gebe. "Das ist natürlich einer meiner Vorteile", erklärt Schmuck, die sogar schon mit dem Weihnachtsgeschäft begonnen hat.

    Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar Die Innenstädte brauchen uns als Kunden

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