Solidarität mit Israel: 40 Menschen kommen an den Meringer Marktplatz
Das erlebte die Delegation aus Mering in Israel
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Günter und Annemarie Wurm, Initiatoren der Städtefreundschaft zwischen Mering und Karmiel, sind in großer Sorge. "Natürlich habe ich mich gleich mit meinen Freundinnen und Freunden in Israel in Kontakt gesetzt, um zu erfahren, wie es ihnen geht", sagt Günter Wurm. Er und seine Frau kennen Israel, reisen seit vielen Jahren in die Region zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Auch die Grenzgebiete haben sie mehrfach bereist. Wurm selbst ist Zweiter Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Augsburg und hatte erst noch diesen Sommer gemeinsam mit einem Team um Jessica Bader den Israeltag in Mering organisiert. Auch er wurde vom Anschlag am Samstag vollkommen überrascht.
"Mit diesem Ausmaß der Eskalation hat niemand gerechnet", sagt er. Und so war es für ihn schon am Montagvormittag klar: "Wir machen eine Kerzenlichtstunde auf dem Meringer Marktplatz, um unser Mitgefühl mit den Freundinnen und Freunden in Karmiel und Israel zum Ausdruck zu bringen."
Den ganzen Vormittag über organisierten er und seine Frau Annemarie die spontane Veranstaltung. Die Polizei wurde informiert, das Landratsamt ebenfalls. "Wir gehen hier auf Nummer sicher und kennen uns aus", sagt Wurm. Die Sorge ist berechtigt. Denn im Rahmen des Israeltages kam es zu einem Einsatz von Sprengstoffexperten der Polizei, nachdem ein verdächtiger Gegenstand im Gebüsch vor der Realschule gefunden wurde. Doch dieser stellte sich als harmlos heraus. Wurm bedankt sich ausdrücklich bei der Polizei Friedberg, die schnell und unkompliziert ihre Unterstützung für die Kerzenlichtstunde zugesagt hatte. "Wir gedenken mit dieser Veranstaltung der Toten und der Opfer von Terroranschlägen, besonders jetzt in Israel."
Am Abend dann kamen etwa 40 Menschen zum Marktplatz, unter ihnen auch amtierende Marktgemeinderätinnen und -räte, Altbürgermeister Hans-Dieter Kandler sowie Josef Strzegowski, der als Gabbai, Vertreter des Rabbiners, in der jüdischen Gemeinde Schwaben-Augsburg tätig ist. Gemeinsam mit Annemarie Wurm sang er ein jüdisches Lied und sprach ein Gebet für den Frieden. Wurm bedankte sich bei allen Menschen, die am Montagabend zum Marktplatz gekommen waren: "Ihr setzt ein Zeichen für den Frieden, das macht Hoffnung."
Auch Bürgermeister Florian Mayer hat umgehend mit der befreundeten Stadt Karmiel Kontakt aufgenommen. "Für mich persönlich sind die Ereignisse in Israel natürlich ein Schock." Nach den tollen Erlebnissen im August sei es für ihn unvorstellbar, dass die israelische Armee so überrascht werden konnte und dass die Freunde in Karmiel unter dieser Situation jetzt leiden. "Ich hoffe und wünschen ihnen vor allem, dass sie gesund und wohlbehalten bleiben." Er spricht die "absolute Solidarität" zu den Freunden in Karmiel aus. "Unsere Freundschaft wird durch diese Ereignisse nur stärker." Seine persönliche und die Unterstützung der Meringer habe er Tomer Hoffmann, Lila Waksmann und Bürgermeister Moshe Koninski persönlich im Zuge eines Gesprächs übermittelt.
Nach seinen Informationen hat die Stadt Kontakt zu acht Bürgern verloren, die bei dem Musik-Festival waren, welches die Terroristen attackiert haben. "Ihre Telefone funktionieren nicht. Die Stadt wartet auf irgendeine Reaktion, ob sie noch am Leben sind oder von den Terroristen verschleppt wurden." Es gebe zwei verwundete Soldaten aus Karmiel, einer ist im Krankenhaus und einer ist zurückgekommen. "Die Bevölkerung ist sehr besorgt, weil auch die Grenze zum Libanon nicht ruhig und die Situation sehr chaotisch ist", sagt Mayer. Moshe Koninski und sein Stab arbeiten 24 Stunden am Tag, um sicherzustellen, dass jeder das bekommt, was er benötigt: sei es emotionale oder jede andere Art von Unterstützung.
Tomer Hofmann, der sich in Israel ebenfalls für die Städtefreundschaft zwischen Mering und Karmiel seit vielen Jahren engagiert, selbst schon mehrfach auch in Mering zu Besuch war, beurteilt die derzeitige Situation im Gespräch mit unserer Redaktion als ruhig. "Die städtischen Einrichtungen, wir sind auf diesen Notfall eingestellt." Alle Bildungseinrichtungen sind derzeit geschlossen. "Das ist in ganz Israel so", schildert Hofmann.
Die Fabriken, Läden und andere Institutionen sind ganz normal geöffnet, auch wenn nicht mit kompletter Belegschaft. "Einige von ihnen sind für die Hilfsorganisationen, die medizinische Versorgung oder das Militär nun im Einsatz", sagt Hofmann. Eigentlich hätten am 31. Oktober die Kommunalwahlen in Karmiel stattfinden sollen. Bürgermeister Moshe Koninski stellt sich zur Wiederwahl. "Diese Wahlen werden sehr wahrscheinlich wohl um einige Wochen verschoben", so Hofmanns derzeitiger Informationsstand.
Hofmanns Sohn ist in der Armee und dort in einer höheren Position an der Grenze zum Libanon im Einsatz. Seine Tochter lebt und arbeitet in Tel Aviv. "Wir sind natürlich in Sorge um sie, aber wir wissen, dass die alles tun werden, um ihr Land und sich selbst zu schützen", sagt Hofmann. Er schreibt täglich mit seinem Sohn, sofern das möglich ist. "Mit ihm zu telefonieren, ist leider nicht erlaubt." Es gehe im derzeit gut. "Was die Zukunft des Gazastreifens betrifft, so wird das, was war, nicht mehr sein", beurteilt Hofmann die Lage.