Aller guten Dinge sind drei. Nachdem das Konzert zweimal verschoben werden musste, hat es nun geklappt. Der Friedberger Club 20 setzte zum Auftakt seiner „Star Wochen“ auf ein Duo, das für den Rahmen wie geschaffen ist. Im ausverkauften Gewölbekeller unter der Stadtmauer standen Vivid Curls auf der Bühne. Zwei Frauen, zwei Akustikgitarren, eine Mundharmonika und ein Sound, der in dieser minimalistischen Besetzung seine große Kraft entfaltete.
Inka Kuchler und Irene Schindele musizieren seit mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam. Und diese Erfahrung prägt das Geschehen auf der Bühne, das Zusammenspiel wirkt organisch. Eigentlich tourt das Duo derzeit mit seinem Cover-Programm „Sounds of Silence“. Für den Auftritt in Friedberg reaktivierten sie eigens das Programm ihres jüngsten Albums „Noch immer“, das seit über einem Jahr nicht mehr live zu hören war. So entstand ein charmanter Hybrid aus beiden Konzertreihen, bei dem sich eigene Songs und Meilensteine der Pop-Geschichte abwechselten.
Vivid Curls decken im Club 20 eine große Bandbreite ab
Die Allgäuerinnen wechselten dabei mühelos zwischen Englisch, Hochdeutsch und Mundart. Besonders reizvoll gerieten jene Momente, in denen das Hochdeutsch eines eben verklungenen Liedes in der Anmoderation des nächsten Stücks plötzlich dem Dialekt wich. Auf die Frage in der Pause, was die Mundart gegenüber dem Englischen auszeichne, antwortete Kuchler: „Die Muttersprache fließt oft etwas leichter. Man spricht, wie einem der Schnabel gewachsen ist.“
Gerade diese Mundartlieder erwiesen sich als Leckerbissen für Folk-Puristen, da hier die Wurzeln des Duos besonders deutlich hervortraten. Thematisch deckten Vivid Curls eine enorme Bandbreite ab. Familie, Haushalt und Alltagsbeobachtungen standen neben gesellschaftlichen Fragen. Die Musikerinnen sprachen über Demokratie, Krieg und Machtstrukturen, würdigten die sogenannten Systemrelevanten und bezogen klar Stellung.
Schindeles Plädoyer für demokratische Grundwerte mündete folgerichtig in eine gesungene Liebeserklärung an die Idee der Mitbestimmung. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten an diesem Abend Lieder des gesellschaftlichen Engagements, die Mut machen und Zuversicht vermitteln. Es war ein Konzert für eine bessere Welt, ein Credo, das die Musikerinnen in ihrem Titel „Nicht müde werden!“ besonders eindringlich formulierten.
Allgäuerinnen überzeugen in Friedberg auch mit Humor
Zentral war das Zusammenspiel der beiden Stimmen. Es wirkte so selbstverständlich, dass es den gesamten Konzertabend trug. Dass Humor ebenfalls zu den Stärken der beiden Sängerinnen gehört, zeigten die Zwischenmoderationen. Besonders gut an kam die Geschichte von einem Waldfest in der Schweiz, bei dem die beiden vor einem Publikum voller Rocker in Lederkutten spielten.
Auch die Cover-Versionen überzeugten. Selbst der Jethro-Tull-Klassiker „Locomotive Breath“ funktionierte mit nur zwei Gitarren hervorragend, kommentiert mit den Worten: „Für das Querflötensolo haben wir gerade keine Hand frei.“ Auch „Hymn“ von Barclay James Harvest gewann im Gewölbekeller neue Strahlkraft. Der emotionale Höhepunkt war jedoch „The Boxer“ von Simon & Garfunkel. Beim berühmten „Lei-la-lei“ sang das gesamte Publikum mit und verwandelte den Keller in einen großen Klangkörper.
Zum Ende des Konzerts entfaltete sich eine ganz eigene Qualität. Dabei schwang etwas Melancholisches mit. Es war der ideale Sound für den frühen Sommer. Jene Wochen, in denen die warme Jahreszeit noch vor einem liegt und man gleichzeitig schon ahnt, dass die hellen Abende gezählt sind. Vorfreude und Abschied zugleich.
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