Wenn Feen und Piratinnen beschwingt mit Charleston-Ladys und Rockabilly-Girls tanzen und Rehe hinter der Bar Longdrinks mixen, dann ist wieder Weiberfaschingsball bei den Sportfreunden Friedberg. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr stand für Organisatorin Karin Goldstein schnell fest: Das war keine einmalige Sache. Deshalb ging der Frauenfasching im Vereinsheim der Ostler vergangenen Donnerstag in die zweite Runde. „Wir wollen, dass die Mädels Spaß haben und einfach mal unter sich sind“, erklärte sie.
„Dieses Jahr haben wir fast doppelt so viele Karten verkauft wie beim ersten Mal“, berichtete sie stolz. Um 19 Uhr öffnete das Vereinsheim seine Türen – die ersten Frauen machten es sich zunächst einmal am Tisch gemütlich und gönnten sich Pommes, Currywurst, Schnitzel, Schnitzelsemmel, Kässpatzen oder eine Pizzaschnitte. Die meisten Gäste kommen traditionell etwas später: „Wir warten, bis die Mamas ihre Kinder ins Bett gebracht haben – und dann geht’s richtig los“, so die Organisatorin voller Vorfreude.
Die Garde Danzaria zeigt auf dem Weiberfaschingsball der Ostler ihr Können
Kurz vor 21 Uhr folgte der erste Höhepunkt des Abends: die Show der neuen Tanzgruppe Danzaria. Neun Frauen in pinkfarbenen Kostümen mit viel Glitzer, Schleifchen und Fransen betraten die Bühne und lieferten eine energiegeladene Performance. Mit Choreografien etwa zu „Spice Up Your Life“ von den Spice Girls oder „Feel This Moment“ von Christina Aguilera zeigten sie ein vielfältiges Programm. Nach der Show warb Danzeria-Moderatorin und -Choreografin Anna Rausch gleich für neue Mitglieder: Gesucht werden Menschen, ob Frauen oder Männer, mit Vorerfahrung oder ohne, die Spaß am Tanzen und Teamgeist haben.
Später erzählte Garde-Chefin Katharina Berchtold, dass Danzeria mehr ist als eine Tanzgruppe – nämlich ein Safe Space für Frauen. „Uns ist wichtig, dass jede Stimme zählt und jede sich wohlfühlt.“ Anna Rausch fügte hinzu: „Die Kostüme werden demokratisch abgestimmt: Jede darf selbst entscheiden, ob sie etwas Bauchfreies anzieht oder die Beine zeigt.“ Sie seien feministisch aktiv und wollen, dass ihre Meinung gehört wird. Trainiert wird direkt im Vereinsheim der Sportfreunde Friedberg, genau in dem Raum, in dem der Auftritt stattfand. „Heute fühlte es sich wie ein Heimspiel an“, schwärmte Katharina Berchtold.
Die Wirkung der Show war sofort spürbar. Nach dem Danzaria-Auftritt strömten die Frauen zum Tanzen. DJ Cello und DJ Flo wussten genau, wie sie die Stimmung anheizen. Mit Octopus (100.000 Hände) ist die Tanzfläche sofort voll“, verriet DJ Cello. Auch „Wackelkontakt“ oder Songs von Andreas Gabalier bringen stets eine Party in Schwung. Kostümtechnisch zeigte sich der Abend fantasievoll: Rotkäppchen, Kleopatra, Piratinnen oder Batwoman hatten sich in Schale geworfen. Besonders ins Auge fielen Gruppen mit einheitlichem Motto wie Disney-Hauptfiguren, die selbstironisch mit ihren Schildern ihre dunklen Geheimnisse ans Licht brachten, ebenso Regenbogen-Clowns, Popkorntüten oder mehrere Amore passend zum nahenden Valentinstag.
Feiern Frauen ohne Männer ausgelassener? Einige sagen: ja
Da stellte sich die zentrale Frage: Feiern Frauen ohne Männer ausgelassener? Die Meinungen gingen auseinander. Organisatorin Karin Goldstein war überzeugt: „Ja! Da ist mehr Gekicher, mehr Geschnatter. Die Mädels sind einfach lockerer.“ Männer seien später ab 23 Uhr willkommen, doch die ersten Stunden gehören bewusst den Frauen. Anna Rausch und Katharina Berchtold von Danzeria sahen es ähnlich: „Viele fühlen sich einfach wohler, wenn nur Frauen da sind. Man kann mit den Mädels abgehen, so sein, wie man will, und sich sicher fühlen.“ Die als Amor verkleidete Frauengruppe war dagegen der Ansicht, dass es vor allem die kinderfreie Zeit das Feiern ausmacht. „Die Männer stören uns nicht, aber wir können unbeschwert feiern, weil wir wissen, dass unsere Männer zu Hause auf die Kinder aufpassen.“
Später am Abend kommt dann doch ein Schwung gutgelaunter Kerle – allerdings als Programmpunkt. Das Männerballett Da Lachia aus Gersthofen präsentierte tänzerisch eine College-Abschlussparty, die nach einem Schluck aus der überdimensionalen Monster-Dose in eine wilde „Monsterparty“ kippt. Zu „Thriller“ wird getanzt, gehoben, posiert. Der Saal jubelte. Um Mitternacht war die Party immer noch in Schwung. Bleibt zu hoffen, dass der Weiberfasching Teil der Fastnachttradition in Friedberg bleibt. „Wir wollen, dass es auch nächstes Jahr weitergeht“, versprach Karin Goldstein.
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