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Kreditkarten im Test
10.07.2020

Stiftung Warentest: Diese Tücken haben kostenlose Kreditkarten

Kreditkarten sind praktisch, aber die Kunden sollten sich schon vor Vertragsabschluss über Modalitäten und Kosten informieren.
Foto: Andrea Warnecke, dpa (Symbol)

Die Stiftung Warentest hat Kreditkarten-Angebote unter die Lupe genommen. Fazit: Verbraucher sollten genau hinsehen. Denn was kostenlos erscheint, ist es nicht immer.

Früher war sie eine Art Statussymbol, heute bietet fast jede Bank oder Sparkasse eine an: Kreditkarten sind aus dem täglichen Leben kaum mehr wegzudenken, besonders wenn es um das Bezahlen im Internet oder auch auf Auslandsreisen geht. Die Zahl der Kreditkartenbesitzer ist in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, nach Angaben des Statistik-Portals Statista werden hierzulande jedes Jahr über eine Milliarde Transaktionen mit Kreditkarten durchgeführt. Der mit ihnen getätigte Umsatz beläuft sich auf rund 100 Milliarden Euro. Und in der Tat sind die Plastikkarten ausgesprochen praktisch: Statt größere Geldbeträge in der Geldbörse mit sich herumzutragen, wird an der Kasse einfach die Karte gezückt, um bargeldlos zu bezahlen. Die Kosten, die die verschiedenen Anbieter für diese Leistung in Rechnung stellen, sind allerdings höchst unterschiedlich.

Bei kostenlosen Kreditkarten können versteckte Gebühren lauern

Im günstigsten Fall zahlen die Kunden gar nichts – bei teureren Anbietern werden dagegen bis zu 136 Euro Jahresgebühr fällig. Das zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“.

Grundlage des Tests war der Kreditkartenpreis im zweiten Jahr, denn manche Anbieter versuchen die Kunden mit wegfallenden Kosten im ersten Jahr zu ködern, um dann kräftig an der Preisschraube zu drehen.

Genau hinschauen muss man der Untersuchung zufolge aber auch sonst, denn einige Karten seien nur auf den ersten Blick kostenlos, sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest: „Mitunter können dennoch Gebühren anfallen.“

In welcher Form die Kunden für die vermeintlich kostenlosen Angebote zur Kasse gebeten werden, ist unterschiedlich: Mal wird die Kostenfreiheit an Bedingungen geknüpft – etwa einen bestimmten monatlichen Geldbetrag, der eingehen muss. Teilweise werden hohe Gebühren für den Auslandseinsatz verlangt, etwa beim Geldabheben am Automaten: Der Aufschlag für die Umrechnung von ausländischen Währungen in Euro lag bei den meisten Anbietern im Test bei 1,75 Prozent oder sogar darüber.

Grundsätzlich können Kunden zwischen vier Karten-Arten wählen. Dabei haben jene Kreditkarten, die hierzulande am weitesten verbreitet sind, wenig mit dem zu tun, was sie im Namen tragen: einem Kredit nämlich. Die meisten Karten werden lediglich als Zahlungsmittel genutzt – und nicht, um damit auch ein Darlehen aufzunehmen.

Maximaler Verfügungsrahmen der Kreditkarte hängt von der Bonität ab

Am häufigsten werden von den Banken und Sparkassen die sogenannten Charge-Karten ausgegeben. Bei dieser Variante werden die Kreditkartenumsätze gesammelt und dem Karteninhaber einmal monatlich in Rechnung gestellt. Das mit der Kreditkarte ausgegebene Geld wird also nicht sofort vom Konto abgebucht, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt in einer Summe per Lastschrift vom Girokonto eingezogen. Dem Karteninhaber wird mit dieser Kreditkartenart in der Regel bonitätsabhängig ein individueller Verfügungsrahmen eingeräumt.

Eine weitere Variante sind die so- genannten Debit-Karten, die genau wie die normalen Girocards, die es zu praktisch jedem Konto dazu gibt, funktionieren: Was mit der Karte bezahlt wird, wird einfach direkt vom Konto abgebucht.

Stiftung Warentest: Prepaid-Kreditkarten funktionieren besonders transparent

Noch transparenter funktionieren Prepaid-Kreditkarten: Ähnlich wie bei einem Prepaid-Handy werden diese mit einem Guthaben aufgeladen – und wenn es verbraucht ist, gibt es auch kein Geld mehr. Für Jugendliche, Auszubildende und Studenten, die unabhängig vom Bargeld sein wollen, können solche Zahlungskarten auf Guthabenbasis durchaus sinnvoll sein. Ein weiterer Vorteil: Wer die Karte fürs Online-Shoppen nutzt, ist im Fall einer Cyber-Attacke davor gefeit, dass Betrüger das Karten-Limit überreizen. „Bei einem Missbrauch der Karte haftet der Nutzer maximal in Höhe des aufgeladenen Guthabens“, sagt David Riechmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ein Nachteil dieser Kartenvariante: Für ungeplante größere Ausgaben kann das Guthaben nicht ausreichen oder gerade aufgebraucht sein. „Wenn man keine Möglichkeit hat, neues Geld auf das Kartenkonto zu überweisen, kann dies zu Zahlungsengpässen führen“, sagt Riechmann.

Eine „echte“ Kreditkarte – also eine, mit der man auch wirklich auf Pump bezahlen kann – ist hingegen nur etwa jede zehnte hierzulande ausgegebene Karte. Bei dieser auch als Revolving-Kreditkarte bezeichneten Variante wird dem Karteninhaber wie bei der Charge-Karte für seine monatlichen Umsätze ein individueller Kreditrahmen bereitgestellt. Auch hier erhält der Kunde eine monatliche Abrechnung. Der Betrag wird allerdings nicht automatisch vom Konto abgebucht, sondern der Kunde kann selbst auswählen, ob er den Betrag sofort und zinslos in einer Summe begleicht oder ihn in Raten abstottert.

Für diese Ratenzahlung fallen allerdings sehr hohe Kreditzinsen von bis zu 20 Prozent an. Stiftung Warentest-Finanzexpertin Backofen rät daher dazu, bei diesen Karten die Abrechnungsart umzustellen - statt der voreingestellten Teilzahlung sollte der volle Rechnungsausgleich gewählt werden. Das allerdings ist nicht bei allen Anbietern möglich - Kunden sollten also beim Vertragsabschluss genau hinsehen.

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