Der Frühling ist die Zeit, in der die warmen Winterpullis weggepackt werden und leichtere Kleidung wieder hervorgeholt wird. Eine gute Gelegenheit, nicht nur dick mit dünn zu tauschen, sondern auch mal den gesamten Kleiderschrank auszumisten. Schnell kann dann ein Stapel alter Kleidung entstehen, die man nicht mehr mag oder die nicht mehr passt oder kaputt ist. Und es stellt sich die Frage: Wohin damit?
Was gehört in den Altkleidercontainer – und was nicht?
Wichtig ist zunächst die richtige Sortierung nach Tragbarkeit: In Altkleidercontainer gehören nur saubere und noch tragbare Textilien. Stark verschmutzte oder verschlissene Kleidung gehört in den Restmüll. Altschuhe werden meist zusammen mit Altkleidern gesammelt, manchmal gibt es eigene Container. Wichtig: Schuhe paarweise zusammenbinden, das erleichtert das Sortieren. Defekte Schuhe gehören ebenfalls in den Hausmüll, da sie derzeit nicht recycelbar sind.
Über eine Million Tonnen alte Kleidungsstücke – allein in Deutschland
In Deutschland werden jedes Jahr enorme Mengen Textilien aussortiert. Rund 74 Prozent der Alttextilien – etwa eine Million Tonnen oder rund zwei Milliarden Kleidungsstücke – landen in Altkleidersammlungen, weitere 374.000 Tonnen im Restmüll. 246.000 Tonnen werden privat weitergegeben, etwa an Freunde oder Familie.
Ein Teil der Stücke wird als Second-Hand-Ware weiterverkauft, ein anderer Teil recycelt – etwa zu Putzlappen oder Dämmstoffen. Selbst seriöse Sammler verkaufen einen Teil der Kleidung weiter. Mit den Erlösen finanzieren viele Organisationen soziale Projekte oder Hilfsmaßnahmen.
Aufpassen bei unseriösen Kleidersammlern
Wie kann man erkennen, ob Spenden wirklich karitativen Organisationen und Bedürftigen zugutekommen? Der Altkleidermarkt ist inzwischen ein lukratives Geschäft, in dem auch unseriöse Anbieter aktiv sind. Manche Sammler geben sich bewusst einen wohltätig klingenden Namen oder verwenden Symbole wie Kreuze oder Kirchen, um Vertrauen zu wecken. Tatsächlich fließen die Einnahmen aus den gesammelten Kleidern dann jedoch nicht in soziale Projekte, sondern in private Gewinne.
Ein wichtiges Warnsignal sind fehlende Kontaktdaten: Stehen auf einem Sammelzettel oder Container weder vollständige Adresse noch Festnetznummer, sollte man skeptisch sein. Wenn unklar bleibt, was mit den Kleidern geschieht, spricht das gegen eine seriöse Sammlung.
Hilfreich sind bestimmte Qualitätssiegel. Vertrauenswürdige Sammler tragen häufig das Logo „FairWertung“ oder das Qualitätssiegel Alttextilsammlung des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). Diese verpflichten die beteiligten Organisationen zu Transparenz über Sammlung, Vermarktung und Verwendung der Erlöse.
Eine weitere Möglichkeit sind Kleiderkammern oder Sozialkaufhäuser vor Ort. Sie werden häufig von kirchlichen oder gemeinnützigen Organisationen betrieben. Gut erhaltene Kleidung wird direkt Bedürftigen angeboten oder günstig verkauft.
Statt aussortieren lieber bewusster kaufen
Am besten ist allerdings, wenn der Altkleiderberg gar nicht erst so schnell wächst. Wer Kleidung bewusst kauft, auf Qualität achtet und sie möglichst lange trägt, schont Ressourcen und vermeidet Abfall. Auch Secondhand, Reparaturen oder Kleidertausch helfen dabei, Textilien länger im Umlauf zu halten. Denn jedes Kleidungsstück, das länger genutzt wird, spart Rohstoffe und aufwendige Verwertung.
Zur Person
Sigrid Goldbrunner ist Referatsleiterin Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Verbraucherzentrale Bayern. Ab sofort gibt sie hier alle zwei Wochen praktische Tipps für den Alltag, die die Umwelt belasten und den Geldbeutel schonen. In ihrer ersten Folge dreht sich alles um den sogenannten Schubladen-Schatz. Alles über das Potenzial alter Smartphones, die in Schränken und Kommoden herumgammeln, lesen Sie hier.
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