Kommt ein Kind auf die Welt, ist die Freude meist sehr groß. Es werden kleine Strampelanzüge, Spielsachen und Schnuller gekauft. Dem Baby soll es ja an nichts fehlen. Schnell kommt daher bei Eltern oder Großeltern der Gedanke auf, für das Neugeborene auch finanziell vorzusorgen. Doch dabei gibt es einiges zu beachten.
"Man muss sich ganz klar von dem Gedanken lösen, klassisch zu sparen", sagt Anlagefachmann und Ratgeber-Autor Sandro Fetscher. Von Sparbüchern und Bausparverträgen rät er ab. "Bei Sparbüchern liegt der Zins derzeit unter einem Prozent." Bei einer Inflation von etwa drei Prozent mache man jährlich also zwei Prozent minus. Beim Bausparvertrag sei es ähnlich – durch Kosten und Inflation rechne sich die Anlage nicht.
Experten raten von der Ausbildungsversicherung ab
Beworben werden manchmal Ausbildungsversicherungen, aber auch die haben ihre Tücken. "Die Kosten in solchen Verträgen sind enorm hoch", sagt Fetscher. Die Netto-Verzinsung liege maximal zwischen einem und zwei Prozent. Eine solche Versicherung bringe daher ebenfalls kaum Gewinne. Ein Vorteil dieser Anlage ist aber laut Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern die Risikoabsicherung.
Denn auch wenn man an diesen Fall nicht gerne denkt: Im Todesfall der Eltern oder Großeltern sichert die Ausbildungsversicherung trotzdem ab, dass das Kind das Geld bekommt. "Wobei auch die Frage ist, ob es das braucht", sagt Straub. Zwar habe man diese Absicherung bei anderen Anlagemöglichkeiten nicht automatisch, könne diese aber auch durch ein Testament erwirken. Kinder können laut Fetscher bis zu 400.000 Euro steuerfrei erben, bei Enkelkindern seien es 200.000 Euro.
Sparen für die Kinder mit Fonds, Aktien und ETFs
Wiederum sinnvoll ist laut den beiden Experten, in Aktien, Fonds oder ETFs anzulegen. Ein ETF (exchange-traded fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen gesamten Börsen-Index wie den Dax eins zu eins abbildet. Straub empfiehlt Eltern und Großeltern, einen Sparplan festzulegen. Sie können ein Depot eröffnen, auf dem monatlich für einen festen Betrag wie zum Beispiel 50 oder 100 Euro ein Fondsanteil gekauft wird.
Aus steuerlichen Gründen sei es am sinnvollsten, das Depot sofort auf den Namen des Kindes laufen zu lassen, sagt er. Das sei etwa drei Wochen nach der Geburt möglich. Denn dann erhält das Kind seine Steueridentifikationsnummer. Zudem brauche man eine Geburtsurkunde oder den Ausweis des Kindes. Jedoch könnte es laut Straub später einmal den Anspruch des Kindes auf Bafög kosten, wenn das Geld auf seinen Namen angelegt ist. Man müsse abwägen, was mehr Sinn hat.
Wer überlegt, in einen Fonds zu investieren, sollte sich laut Fetscher auch Gedanken über die Qualität machen. "14.000 Fonds sind auf dem Markt zugelassen", sagt er. Bei vielen sei die Qualität jedoch "nicht das Gelbe vom Ei". Er rät deshalb, sich bei unabhängigen Anbietern zu informieren. Denn Banken hätten oft nur eine eingeschränkte Auswahl an Fonds. Sind einem ethische Aspekte wie Umweltschutz oder der Ausschluss von Kinderarbeit und Waffen wichtig, solle man auf soziale Kriterien und Nachhaltigkeitsstandards achten.
Wie lange sollte die Anlagedauer sein?
Zur Anlagedauer sagt Fetscher: "Mindestens fünf Jahre, besser sind aber zehn aufwärts." Optimal sei, wenn das Kind die Anlagen mit dem Erwachsenwerden selbst übernehmen und sein ganzes Leben lang weiterführen kann. "Nehmen wir an, man legt 1000 Euro bei der Geburt an und zahlt dann monatlich 100 Euro ein", sagt er. Jährlich könne man bei Fonds und Aktien erfahrungsgemäß mit einer Rendite von sechs Prozent rechnen. Führt der Nachwuchs diese Anlage bis ins Rentenalter von 67 Jahren weiter, werde es mit einer Millionen Euro in den Ruhestand gehen können. Ob diese Rechnung in der Realität auch so eintreffen wird, ist natürlich nicht sicher. Denn auch Fetscher sagt: "Keiner weiß, was morgen passiert."
Wer sich gut mit der Geldanlage auskennt oder einen Vermögensverwalter hat, der könne die Geldanlage für sein Kind auch breiter aufstellen. Das erhöht laut Fetscher die Sicherheit. Zu einer optimalen Streuung zählten neben Fonds auch Staatsanleihen, Kryptowährungen und Edelmetalle wie Gold.