Die Bürgergeld-Quote gibt an, wie viele Menschen im Verhältnis zur erwerbsfähigen Bevölkerung Bürgergeld beziehen. Sie dient als wichtiger Indikator für die soziale Lage in einem Bundesland: Je höher die Quote, desto größer ist der Anteil der Menschen, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Wie hoch ist die Quote in Baden-Württemberg?
Baden-Württemberg: Wie hoch ist die Bürgergeld-Quote?
In Baden-Württemberg leben im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich weniger Menschen von Bürgergeld als im Bundesdurchschnitt. Nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bezogen im September 2025 rund 5,4 Prozent der Bevölkerung des Südwestens Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II), also Bürgergeldleistungen. Unter den deutschen Bundesländern ist das einer der niedrigsten Werte. Nur Bayern liegt mit etwa 4,1 Prozent noch darunter. Bundesweit lag die Bürgergeld-Quote im selben Zeitraum bei rund 8,0 Prozent.
Aber auch innerhalb Baden-Württembergs gibt es starke regionale Unterschiede: In Großstädten wie Pforzheim beziehen etwa 11,1 Prozent der Einwohner Bürgergeld. In Mannheim sind es 10,7 Prozent, in Stuttgart 8,1 Prozent und in Freiburg 6,9 Prozent. Dagegen liegen in kleineren Städten und ländlichen Regionen oft deutlich niedrigere Quoten vor – etwa in Tübingen und Ravensburg mit jeweils 4,1 Prozent.
Bürgergeld: Was bedeutet eine niedrige Quote?
Eine vergleichsweise niedrige Bürgergeld-Quote wie in Baden-Württemberg deutet darauf hin, dass mehr Menschen im Erwerbsleben stehen und weniger auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen sind. Zugleich darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier Menschen mit geringem Einkommen oder in prekären Arbeitsverhältnissen auf Bürgergeld angewiesen sind. Die sogenannten „Aufstocker“ fließen ebenfalls in die Bürgergeld-Quote mit ein.
Eine Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit aus dem Dezember 2025 zeigt auch: Die Bürgergeld-Quote kann schnell durch Faktoren wie konjunkturelle Schwankungen, demografische Veränderungen und politische Entscheidungen beeinflusst werden. So stieg beispielsweise in Baden-Württemberg die Zahl junger Menschen unter 25 Jahren im Grundsicherungsbezug überdurchschnittlich stark an. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass auch in diesem Bundesland aktuelle strukturelle Herausforderungen den Eintritt in den Arbeitsmarkt erschweren.
Bürgergeld-Regelungen: Warum werden sie kritisiert?
Kritiker der aktuellen Bürgergeld-Regelungen betonen, dass die Leistungen trotz ihrer Verbreitung häufig nicht ausreichen, um Armut nachhaltig zu verhindern. Eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Baden-Württemberg zeigt, dass viele Bezieher unter der Armutsgrenze leben und mit materieller Entbehrung kämpfen. So könne sich jeder dritte Bürgergeldempfänger in Baden-Württemberg nicht einmal jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten. Soziale Verbände fordern deswegen, die Bürgergeld-Regelsätze regelmäßig zu prüfen und an die tatsächlichen Lebenshaltungskosten in einem Bundesland anzupassen.
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