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Wie viele Ukrainer beziehen Bürgergeld?

Bürgergeld

Wie viele Ukrainer beziehen Bürgergeld?

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    In Deutschland können geflüchtete Ukrainer Bürgergeld beziehen – doch das könnte sich laut Plänen der Bundesregierung bald ändern.
    In Deutschland können geflüchtete Ukrainer Bürgergeld beziehen – doch das könnte sich laut Plänen der Bundesregierung bald ändern. Foto: kinomaster, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Am 24. Februar 2022 begann der Krieg in der Ukraine mit dem Einmarsch russischer Truppen. Viele Menschen haben daraufhin unter anderem in Deutschland Zuflucht vor den kriegerischen Auseinandersetzungen gesucht. Seit Juni desselben Jahres können geflüchtete Ukrainer laut der Agentur für Arbeit bei Hilfebedürftigkeit Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II erhalten. Zunächst war dies das frühere Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt, seit Januar 2023 ist es das Bürgergeld. Wie viele ukrainische Staatsbürger inzwischen Bürgergeld bekommen, wie hoch die Unterstützung ist und was sich mittlerweile rund um den Bürgergeld-Bezug von Ukrainer geändert hat, erfahren Sie hier.

    Wie viele Ukrainer leben in Deutschland?

    Die Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt regelmäßig Statistiken heraus und hat im Oktober 2025 einen Bericht zum Thema „Auswirkungen der Fluchtmigration aus der Ukraine auf den Arbeitsmarkt und die Grundsicherung für Arbeitsuchende“ veröffentlicht. Laut dem Bericht lebten im September 2025 rund 1,4 Millionen Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in Deutschland, wie das Ausländerzentralregister (AZR) angibt. Davon waren:

    • 953.000 Personen im erwerbsfähigen Alter,
    • 284.000 Personen unter 15 Jahren alt,
    • 137.000 Personen im Alter von 65 Jahren und älter.

    Wie viele Ukrainer beziehen Bürgergeld?

    Zum Bürgergeld-Bezug ukrainischer Staatsbürger in Deutschland liegen laut BA Zahlen von Juli 2025 vor: Demnach haben etwa 673.000 ukrainische Staatsangehörige Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende erhalten. Darunter waren rund 484.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte und rund 188.000 nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte – in der Regel Kinder.

    Die BA nennt Gründe dafür, warum ein Großteil der erwerbsfähigen Ukrainer Bürgergeld bezieht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Darunter etwa die Familienkonstellation: Etwa die Hälfte der Frauen im erwerbsfähigen Alter lebt gemeinsam mit minderjährigen Kindern, meist im Vorschul- oder Grundschulalter, in einem Haushalt und räumlich getrennt vom Partner, was eine Erwerbsaufnahme schwer realisierbar macht. Weitere Bürgergeld-Bezieher mit ukrainischer Staatsbürgerschaft nehmen aktuell an Sprach- und Integrationskursen teil und stehen dem Arbeitsmarkt daher noch nicht zur Verfügung.

    Der NDR nennt als weitere Hürde für geflüchtete Ukrainer die fehlende Anerkennung von beruflichen Abschlüssen und Qualifikationen. Die BA zieht folgendes Fazit: „Die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Kriegsflüchtlinge ist angelaufen, wird jedoch noch Zeit benötigen.“

    Wie viel Bürgergeld bekommen Ukrainer in Deutschland?

    Laut Informationen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BMF) können Ukrainer, genauso wie Deutsche, Sozialleistungen erhalten, wenn ihr Einkommen und ihr Vermögen nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Erwerbsfähige Geflüchtete können vom Jobcenter Bürgergeld für sich und die Familie erhalten. Als Voraussetzungen müssen ukrainische Geflüchtete eine Aufenthaltserlaubnis oder eine „Fiktionsbescheinigung“ der Ausländerbehörde vorlegen.

    Wie hoch der Regelbedarf ist, hängt von der Familiengröße und vom Alter ab. Alleinstehende haben zum Beispiel einen Regelbedarf von 563 Euro im Monat. Alleinerziehende mit einem Kind zwischen sechs und 13 Jahren bekommen insgesamt 953 Euro für die Sicherung beider Existenzen, mit einem Kind zwischen 14 und 17 Jahren 1034 Euro. Volljährige Partner bekommen je 506 Euro monatlich, also 1012 Euro für den gesamten Haushalt. Zum Regelbedarf kommen im ersten Jahr des Bürgergeld-Bezugs bei ukrainischen Geflüchteten laut BMF die Wohnkosten in voller Höhe hinzu. Danach übernimmt das Jobcenter die Kosten in „angemessener Höhe“, was individuell entschieden wird.

    Wie ZDFheute berichtet, zahlte Deutschland im Jahr 2024 fast 6,3 Milliarden Euro Bürgergeld an ukrainische Staatsangehörige, also im Schnitt 734 Euro pro Leistungsbezieher pro Monat. Das sei aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervorgegangen. Dieser Betrag macht rund 13 Prozent an den Gesamtausgaben für das Bürgergeld in Deutschland aus.

    Die Neue Grundsicherung steht derweil als Nachfolger des Bürgergeldes fest. Mit der Reform kommt vermutlich auch eine gravierende Änderung für Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf geeinigt, dass Geflüchtete aus der Ukraine, die nach dem 1. April 2025 nach Deutschland gekommen sind, kein Bürgergeld mehr beziehen sollen. Stattdessen sollen nur noch Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) gezahlt werden – also eine deutlich geringere Unterstützung als bisher. Allerdings ist diese Regelung bisher nicht in Kraft. Derweil hat CSU-Chef Markus Söder im August 2025 die Streichung des Bürgergeldes für alle ukrainischen Geflüchteten gefordert. Doch damit stieß er auf heftigen Widerstand, selbst aus den Reihen der Union.

    Wie viele Ukrainer arbeiten in Deutschland und wo?

    Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit hebt auch positive Ergebnisse hervor: Viele nach Deutschland geflüchtete Ukrainer konnten inzwischen eine Beschäftigung finden. So gingen im August 2025 rund 298.000 von ihnen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Überwiegend finden sie in folgenden Branchen eine Beschäftigung: verarbeitendes Gewerbe, Handel, Gesundheits- und Sozialwesen sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen – unter anderem Zeitarbeit, Gartenbau und Gebäudemanagement. Zusätzlich übten 54.000 Ukrainer eine ausschließlich geringfügige Beschäftigung aus. Dazu zählen etwa Minijobs oder Erntehilfetätigkeiten.

    Übrigens: Spannend ist auch ein Blick in andere europäische Länder und deren Unterstützung für geflüchtete Ukrainer. In Polen erhalten Ukrainer beispielsweise keine Grundsicherung wie in Deutschland, aber umgerechnet 180 Euro Kindergeld pro Kind im Monat und eine Sozialhilfe von bis zu 177 Euro im Monat bei längerer Krankheit. In den Niederlanden haben Ukrainer hingegen Anspruch auf das sogenannte Leefgeld, eine Lebenshaltungskostenbeihilfe, die durchschnittlich 315 Euro pro Person und Monat beträgt.

    Bundesregierung hat Bürgergeld-Stopp für Ukrainer beschlossen

    Die schwarz-rote Koalition hat beschlossen, dass Geflüchtete aus der Ukraine in Zukunft nicht mehr automatisch Bürgergeld erhalten sollen. Wer nach dem 1. April 2025 aus der Ukraine nach Deutschland kommt, soll stattdessen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete.

    Hinweis der Redaktion: Die Bundesregierung hat eine Reform der Grundsicherung beschlossen. Aus dem Bürgergeld soll die „Grundsicherung für Arbeitssuchende“ entstehen, die unter anderem schärfere Sanktionen für Empfängerinnen und Empfänger möglich machen soll. Bislang ist unklar, wann die neue Grundsicherung Gestalt annimmt. „Zu den Inhalten oder Zeitpunkten des laufenden Verfahrens können wir derzeit keine Angaben machen. Diese bleiben abzuwarten“, erklärte ein Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) unserer Redaktion.

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