Der Aufstieg auf der Karriereleiter geht idealerweise mit mehr Verantwortung, einem höheren Gehalt und besseren Arbeitsbedingungen einher. Doch die Realität sieht oft anders aus, wie die Ergebnisse einer aktuellen US-amerikanischen Umfrage zeigen. Demnach hat ein Großteil der Arbeitnehmer den Eindruck, ihre Fortschritte im Job wären mehr Schein als Sein. Der berufliche Aufstieg würde nur auf dem Papier existieren, ohne in Form von realen Veränderungen wie einer Lohnerhöhung oder echter Anerkennung spürbar zu sein. Dieses Phänomen wird als „Ghost Growth“ bezeichnet. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Angestellte und Unternehmen – und wie fordert man eine faire Bezahlung ein?
Mehr Aufgaben, gleiches Gehalt: Wenn zusätzliche Leistung nicht belohnt wird
Die Online-Plattform zur Erstellung von Lebensläufen MyPerfectResume hat 1000 Arbeitnehmer aus den USA zu ihren bisherigen Job-Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse machen deutlich, welche weitreichenden Ausmaße die „Ghost Growth“-Problematik in der Arbeitswelt bereits angenommen hat. 65 Prozent der Befragten gaben an, in ihrem Arbeitsumfeld bereits „Ghost Growth“ erlebt zu haben, also vermeintliche Karrierefortschritte gemacht zu haben, die sich jedoch als Illusion herausstellten. Besonders prekär ist dabei, dass eine große Mehrheit der Beschäftigten in diesem Zuge zusätzliche beziehungsweise anspruchsvollere Aufgaben übernommen hat, ohne dass dieser Mehraufwand entsprechend entlohnt wurde.
78 Prozent der Befragten haben bereits die Erfahrung gemacht, in ihrem Unternehmen neue Aufgaben erledigen zu müssen, ohne dafür mehr Gehalt oder andere Formen der Anerkennung zu erhalten. Nur ein geringer Anteil der Arbeitnehmer (15 Prozent) gab an, dass ihr Lohn im vergangenen Jahr adäquat an die erhöhte Arbeitslast angepasst wurde. Gut die Hälfte der Angestellten (53 Prozent) teilt die Erfahrung, dass ihnen von Vorgesetzten Beförderungen, Gehaltserhöhungen oder Karrieremöglichkeiten versprochen, jedoch nie in die Tat umgesetzt wurden.
Dass viele Arbeitnehmer derlei Ungerechtigkeiten in ihrem Job erleben, ist laut Arbeitsexpertin Jutta Rump kein speziell US-amerikanisches Phänomen und auch nicht nur in der jüngeren Altersgruppe verbreitet. Die Professorin lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung. Im Gespräch mit Ippen.Media erklärt sie: „Jede Generation hatte das Gefühl, zu wenig gefördert oder entlohnt zu werden.“
Dabei sei es durchaus legitim, dass nicht jede Form der Weiterentwicklung im Job sofort mit einer Gehaltserhöhung belohnt wird, stellt Rump klar. Kritisch werde es allerdings, wenn ein Arbeitnehmer in eine höhere Position im Unternehmen aufsteigt und damit auch mehr Verantwortung trägt, ohne jedoch entsprechend besser bezahlt zu werden. „Das wäre dann Sparen an den Personalkosten – und das ist nicht in Ordnung“, ordnet die Expertin ein. Manche Arbeitgeber würden ihre Angestellten lediglich mit der Aussicht auf den Erwerb neuer Kompetenzen und Erfahrungen vertrösten. Diese Masche führe auf lange Sicht jedoch zu Frustration aufseiten der Arbeitnehmer.
Wie wirkt sich „Ghost Growth“ im Job auf die Angestellten aus?
Welche fatalen Konsequenzen die Kombination aus oberflächlichen Fortschritten, leeren Versprechungen und mangelnder Entlohnung für die Beschäftigten hat, zeigen auch die Ergebnisse der MyPerfectResume-Umfrage. Diejenigen Teilnehmer, die bereits „Ghost Growth“ im Job erlebt haben, berichteten von negativen Auswirkungen auf die Arbeitsmoral und psychische Gesundheit. Sie verspürten im Arbeitsalltag verstärkt Gefühle wie Frustration (23 Prozent), Erschöpfung (20 Prozent), Motivationslosigkeit und Gleichgültigkeit (15 Prozent).
Ein Unternehmen, das derartige Unzufriedenheiten schürt, riskiert den Verlust wertvoller Arbeitskräfte. So haben 68 Prozent der befragten Arbeitnehmer aufgrund der oben beschriebenen Problematiken bereits mit dem Gedanken gespielt, ihren Job zu kündigen. Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) hat das betroffene Arbeitsverhältnis infolgedessen tatsächlich beendet.
Bessere Bezahlung fordern: So klappt es mit der Gehaltserhöhung
In der Erhebung von MyPerfectResume wurde auch danach gefragt, welche konkreten Veränderungen echte Karrierefortschritte mit sich bringen sollten. Die meisten Umfrageteilnehmer (27 Prozent) wünschen sich in diesem Fall vor allem eine bessere Bezahlung.
Arbeitsforscherin Jutta Rump rät Beschäftigten, die eine Lohnerhöhung anstreben, dazu, in der Gehaltsverhandlung mit dem Arbeitgeber die eigenen Fortschritte und Leistungen klar zu benennen und konkret mit Fakten und Daten zu belegen, warum die Forderung gerechtfertigt ist. „Es reicht nicht, nur ein Gefühl zu äußern“, betont Rump gegenüber Ippen.Media.
Um den eigenen Wert für das Unternehmen zu steigern und damit gute Argumente für eine Gehaltserhöhung zu liefern, sollten Arbeitnehmer ihre Qualifikationen ausbauen, beispielsweise durch die Teilnahme an Weiterbildungen. Wer sich auf diese Weise neue Kompetenzen erarbeitet hat, könne sich entweder intern auf höhere Positionen im Unternehmen bewerben oder extern auf die Suche nach einer besser bezahlten Stelle gehen, so Rump.
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