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Mehr Netto vom Gehalt? Neue Steuer-Idee würde viele Deutsche entlasten

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Mehr Netto vom Gehalt? Neue Steuer-Idee würde viele Deutsche entlasten

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    In der Politik wird über eine Anhebung des Spitzensteuersatzes diskutiert, um Menschen mit mittlerem Einkommen zu entlasten.
    In der Politik wird über eine Anhebung des Spitzensteuersatzes diskutiert, um Menschen mit mittlerem Einkommen zu entlasten. Foto: Marco2811, stock.adobe.com (Symbolbild)

    In der Politik wurde die Debatte über den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer erneut angefacht. Union und SPD wollen eine Steuerreform auf den Weg bringen und damit vor allem kleine und mittlere Einkommen entlasten. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte im Februar 2026 gegenüber der Bild Vorschläge für eine Steuerreform angebracht. Unter anderem soll, wenn es nach ihm geht, die Schwelle, ab wann der Spitzensteuersatz greift, angehoben werden: von derzeit knapp 70.000 Euro zu versteuerndem Einkommen für Singles pro Jahr auf 80.000 Euro. Linnemanns Vorschlag würde aber eher Gutverdiener entlasten, die dann mehr von ihrem Brutto behalten könnten. Der Koalitionspartner SPD reagierte verhalten auf den Vorstoß, wie Deutschlandfunk berichtete. Die Partei wolle stattdessen lieber den Spitzensteuersatz selbst anheben, wie das Wirtschaftsmagazin Capital schreibt. Der Spitzensteuersatz beträgt aktuell 42 Prozent.

    Wie zuerst das Handelsblatt im März 2026 berichtete, ist die Union grundsätzlich offen für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes – wenn dieser Schritt Teil einer grundlegenden Steuerreform mit umfassenden Entlastungen der meisten Steuerzahler wird. Der Steuerexperte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat laut dem Blatt einen Kompromissvorschlag vorgelegt, der unter anderem den sogenannten „Mittelstandsbauch“ abschaffen soll.

    Gehalt: Warum würde die neue Steuer-Idee mehr Deutsche entlasten?

    Der „Mittelstandsbauch“ bezeichnet laut MDR den starken Anstieg der Einkommensteuer zwischen niedrigen und mittleren Einkommen. Diskutiert wird, diesen Anstieg abzuflachen, um die Mittelschicht spürbar zu entlasten. Dies könnte laut Bachs Vorschlag vor allem durch die Zusammenlegung der Zonen zwei und drei des Einkommensteuertarifs erreicht werden, erklärt Focus. In Deutschland steigt die Einkommensteuer mit dem Einkommen, sodass Besserverdienende stärker zur Finanzierung des Staates beitragen. Bei der Verschmelzung von Zone zwei und drei gäbe es nur noch eine Zone für zu versteuernde Einkommen zwischen 12.848 bis 90.000 Euro. Dieser Anstieg ist viel flacher als der bisherige Anstieg in Zone drei. Davon würden laut Focus Menschen mit niedrigeren Einkommen profitieren.

    Zudem sieht Bach eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent sowie entsprechend des Reichensteuersatzes von derzeit 45 auf 49 Prozent vor. Dadurch würden Spitzenverdiener stärker belastet werden als zuvor. Dieser hohe Steuersatz soll aber erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 90.000 Euro greifen. So könnten Menschen mit mittlerem Einkommen steuerlich entlastet werden. Auch der Solidaritätszuschlag soll laut Bachs Vorschlag komplett entfallen. Den zahlen laut Finanztip seit 2021 nur noch Besserverdiener und viele Kapitalanleger.

    Mehr Netto vom Gehalt? Was der Vorschlag für Steuerzahler bedeuten würde

    Nach den Berechnungen von Stefan Bach würde sein Vorschlag folgende Auswirkungen haben:

    • für die unteren 98 Prozent der Steuerzahler: Entlastung um 20,3 Milliarden Euro
    • für die Top zwei Prozent der Steuerzahler: Belastung um fast fünf Milliarden Euro
    • für die Top ein Prozent der Steuerzahler: Belastung um fast vier Milliarden Euro

    Nur die zwei Prozent Spitzenverdiener müssten mehr zahlen, das seien laut Handelsblatt alle mit mehr als 130.000 Euro zu versteuerndem Einkommen im Jahr. Anhand von zwei Beispielen für Familien rechnet Bach vor:

    • Normalverdiener: Familie mit zwei Kindern, Haushaltsnettoeinkommen 67.103 Euro – Steuerersparnis von etwa 1000 Euro
    • Hochverdiener: Familie mit Haushaltsnettoeinkommen 124.704 Euro – Steuerersparnis von 2064 Euro an Lohn- und Einkommensteuer

    Steuerreform: Was sagen Politiker zur Idee und gibt es schon konkrete Pläne?

    Laut Handelsblatt trifft Bachs Vorschlag auf geteilte Meinungen: Das Konzept gehe „in die richtige Richtung“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler (CDU). Er halte die Vorschläge für geeignet, um „in eine Diskussion über die dringende Reform des Einkommensteuertarifs einzusteigen“. Zudem sagte er: „Wir brauchen eine spürbare Entlastung der unteren und der mittleren Einkommen.“ Andere Unionspolitiker halten laut Finanztip eine Anhebung auf 49 Prozent für zu hoch – schließen aber eine moderate Erhöhung auf etwa 45 Prozent nicht grundsätzlich aus. Der Unions-Fraktionsvizechef Mathias Middelberg sagte hingegen laut Berliner Morgenpost, die Steuern müssten runter, nicht rauf.

    Kritik übt auch der Bund der Steuerzahler. So sagte dessen Präsident Reiner Holznagel gegenüber der Morgenpost: „Den Spitzensteuersatz erst später greifen zu lassen, also ab 80.000 Euro, wie es die Union will, oder ab 90.000 Euro, wie es das DIW vorschlägt, geht in die richtige Richtung. Aber dann gleichzeitig den Spitzensteuersatz von 42 Prozent auf 49 Prozent zu erhöhen, wäre natürlich die Rolle rückwärts.“ Der Steuerzahlerbund hat stattdessen einen eigenen Tarifvorschlag entwickelt, der den „Mittelstandsbauch“ deutlich abflachen und für Topverdiener ab einer Million Euro einen Spitzensteuersatz von 48 Prozent vorsehen würde.

    Öffentlich hat die Koalition Maßnahmen wie die Aufhebung der Grenze zwischen Zone zwei und drei bislang noch nicht diskutiert, weshalb unklar ist, wie die einzelnen Partner dazu stehen. Ob und auf welche Teile des DIW-Kompromissvorschlags sich die Parteien einigen könnten, ist derzeit offen. Konkrete Pläne für eine Steuerreform gibt es bisher nicht. Vorerst ändert sich also für Arbeitnehmer nichts an der Einkommensteuer. Mögliche Reformen würden frühestens in den kommenden Jahren umgesetzt und vermutlich Teil eines größeren Steuerpakets sein, vermutet Finanztip. Holznagel rechnet laut Morgenpost hingegen damit, dass das Gesetzgebungsverfahren schnell startet: „Noch vor der parlamentarischen Sommerpause sollte ein erster Entwurf vorliegen.“ Bis Januar 2027 müsse eine tragfähige Einkommensteuerreform auf den Weg gebracht sein. Laut ihm brauche Deutschland ein deutliches Signal: mehr Netto vom Brutto für Arbeitnehmer, Familien und die Mittelschicht.

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