Startseite
Icon Pfeil nach unten
Geld & Leben
Icon Pfeil nach unten
Rente
Icon Pfeil nach unten

Rentenlücke größer als gedacht? So prüfen Sie online, was Ihnen im Alter zusteht

Rente

Rentenlücke größer als gedacht? So prüfen Sie online, was Ihnen im Alter zusteht

  • |
  • |
  • |
  • |
    Wie hoch könnte die Rente ausfallen? Das lässt sich online prüfen.
    Wie hoch könnte die Rente ausfallen? Das lässt sich online prüfen. Foto: Benjamin Nolte, dpa (Symbolbild)

    Eines ist sicher: die Rente. Das zumindest hatte 1986 der damalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Norbert Blüm (CDU) behauptet. Und auch Politiker wie der Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) bemühten diesen Satz. Mittlerweile sieht es aber nicht mehr ganz so rosig aus. Denn nach aktuellen Einschätzungen steht es um die Rente in Deutschland nicht besonders gut. Manche Politiker oder Finanzexperten, wie etwa Joachim Nagel, fordern daher, dass die Deutschen länger arbeiten und später in Rente gehen sollten.

    Für viele Rentner zeichnet sich ab, dass die Rente in Zukunft nicht mehr ausreicht, um damit den Alltag im Ruhestand bestreiten zu können. Dann entsteht eine sogenannte Rentenlücke, also ein großer Unterschied zwischen dem Geld, das man vor der Rente verdient hat, und der Rentenzahlung. Wie hoch diese ausfallen kann, lässt sich vorab berechnen. Und wer sich nicht mit mathematischen Formeln zur Rentenberechnung herumschlagen will, kann ein Tool nutzen: Eine offizielle Website hilft angehenden Rentnern dabei, zu prüfen, welcher Betrag ihnen zusteht.

    Rentenlücke online prüfen: Was ist die Digitale Rentenübersicht?

    Ein nützliches Tool zur Abschätzung der Rentenlücke ist die Digitale Rentenübersicht. Dabei handelt es sich um ein Portal, das 2023 von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) eingerichtet wurde, nachdem die Bundesregierung 2021 dafür ein Gesetz verabschiedet hat. In der Übersicht sind laut DRV alle Anbieter von Altersvorsorge-Produkten, die eine jährliche Standmitteilung verschicken und mehr als 1000 Vorsorgeansprüche verwalten, eingebunden. Seit 2023 kommen immer mehr Angebote aus der betrieblichen und privaten Altersvorsorge zu dieser Übersicht hinzu. Eine Liste aller Anbieter gibt es auf der Website zum Download.

    Auf der Seite können Nutzer ihre gesetzlichen Renten-Ansprüche online abfragen und sich einen Überblick über ihre Altersvorsorge verschaffen. Das Bundesfinanzministerium (BMF) erklärt: „So hilft die Digitale Rentenübersicht dabei, sich ein Bild von der zu erwartenden finanziellen Situation im Ruhestand zu machen und ermöglicht eine Prüfung, ob die derzeitige Altersvorsorge zu den individuellen Plänen im Alter passt.“

    Digitale Rentenübersicht: Wie registriert man sich?

    Die Nutzung des Online-Portals ist freiwillig, kostenfrei und von jedem gängigen Internetbrowser aus möglich, erklärt die DRV in einer Broschüre. Allerdings muss man sich mit einem Nutzerkonto registrieren – und dieser Vorgang ist etwas komplex. Zum einen benötigt man hierfür die eigene Steuer-ID. Diese persönliche Identifikationsnummer wird jedem Bürger zugeteilt und ist beispielsweise ganz oben auf dem Einkommensteuerbescheid zu finden. Zum anderen brauchen Nutzer einen Personalausweis mit freigeschalteter Online-Ausweisfunktion. Außerdem sind laut dem Personalausweisportal die dazugehörige selbstgewählte, sechsstellige PIN, ein geeignetes Smartphone oder Tablet sowie die installierte „AusweisApp“ notwendig. Wie genau Nutzer den E-Ausweis für die Registrierung nutzen können, erklärt die DRV in einem Video.

    Wie aufwendig die Anmeldung ist, zeigt sich laut einem Bericht der Zeitung Welt daran, wie wenig Besucher der Website sich tatsächlich dort registrieren. Demnach haben knapp vier Millionen Menschen die Internetseite der digitalen Rentenübersicht bis Ende August besucht, doch nicht einmal 7,5 Prozent davon seien im geschützten Bereich registriert. Auch das BMF erklärte in seinem Monatsbericht vom vergangenen April: „Im Zeitraum ab dem öffentlichen Start bis Ende 2024 wurde die Website über 2,7 Millionen Mal besucht.“ Eine Abfrage der persönlichen Rentenübersicht habe bisher allerdings in deutlich weniger Fällen erfolgt. „Einer der Gründe hierfür liegt mit Sicherheit in dem vergleichsweise aufwendigen Authentifizierungsprozess“, so das Ministerium.

    Der Anmelde-Prozess mag aus Nutzersicht kompliziert gestaltet sein, doch die aufwendige Prozedur hat einen bestimmten Grund, wie das BMF in seinem April-Bericht erklärte: Das hohe Sicherheitsniveau sei für die Übermittlung von Rentendaten Voraussetzung. „Die Sicherheitsmechanismen entsprechen mindestens den Anforderungen im Online-Banking“, so das BMF. Die DRV erklärt: „Die persönlichen Daten sind dabei immer zuverlässig vor Diebstahl und Missbrauch geschützt.“

    Rentenlücke prüfen: Werte abfragen in der Digitalen Rentenübersicht

    Ist der persönliche Account eingerichtet, können Nutzer in der Digitalen Rentenübersicht auswählen, bei welchen Vorsorgeeinrichtungen sie Rentenansprüche abfragen wollen. Falls man sich nicht sicher ist, bei welchen Anbietern man Anwartschaften haben könnte, ist es auch möglich, eine Sammelabfrage bei allen eingebundenen Vorsorgeeinrichtungen zu starten.

    Die Übersicht listet im Regelfall erste Ergebnisse sofort auf, während manche Daten mehr Zeit erfordern, bis sie ins System eingeholt sind. Nach höchstens fünf Tagen können die Nutzer dann den endgültigen Stand ihrer Altersvorsorge einsehen: Alle Ansprüche werden in drei Übersichten präsentiert – sortiert nach Auszahlungsarten, aufbereitet in unterschiedlichen Prognosen und ergänzt durch zusätzliche Informationen, wie die Digitale Rentenübersicht erklärt. So erfahren die Nutzer einen „prognostiziert erreichbaren Wert“, eine Hochrechnung aller enthaltener Altersvorsorge-Bausteine. In der Gesamtübersicht finden Nutzer eine Auflistung ihrer Ansprüche, geordnet nach Auszahlungsarten.

    Gibt die Digitale Rentenübersicht die Rentenlücke an?

    Wichtig für das Verständnis ist: Die Digitale Rentenübersicht kann nur die voraussichtliche Rentenhöhe abschätzen. Doch der Wert allein reicht nicht, um die Rentenlücke herauszulesen. Die Plattform erklärt: „Um eine Versorgungslücke auszuweisen, müsste der persönliche Finanzbedarf der Nutzenden bekannt sein.“ Dieser sei von vielen individuellen Faktoren abhängig. Dazu gehören etwa die Wohnsituation, die finanzielle Verantwortung für weitere Personen oder der persönliche Lebensstil. Das heißt: Wer wissen will, wie hoch die Rente später einmal ist, kann die Informationen aus der Rentenübersicht nutzen, um die Rentenlücke selbst abzuschätzen.

    Übrigens: Die Bundesregierung hat beschlossen, dass die Doppelbesteuerung der Rente wegfallen soll. Davon profitieren manche Jahrgänge besonders.

    Digitale Rentenübersicht: Was wird nicht angezeigt?

    Ziel der Digitalen Rentenübersicht ist eine Gesamtdarstellung aller Werte, doch derzeit werden noch nicht alle Aspekte der Altersvorsorge aufgeführt. Die DRV erklärt etwa auf ihrer Website: „Beamtinnen und Beamte, Richterinnen und Richter sowie Versicherte eines Berufsständischen Versorgungswerks können Ansprüche aus diesen Versorgungen hier nicht abfragen.“

    Außerdem weist die Plattform auch in Sachen privater Vorsorge noch einige Lücken auf, wie das Portal Finanztipp einordnet. Wer beispielsweise mit einem ETF-Sparplan für den Ruhestand vorsorgt, muss sich demnach weiterhin beim entsprechenden Depotanbieter nach den Werten erkundigen. Ebenfalls keine Berücksichtigung finden laut Finanztipp Immobilien, Bau- sowie Prämiensparverträge oder VL-Aktienfonds. Wer auf diese Form der Altersvorsorge setzt, sollte diese voraussichtlichen Werte in seiner persönlichen Berechnung der Rentenlücke gesondert einberechnen.

    Wie die Welt anmerkt, sollten Nutzer auch berücksichtigen, dass sich die Beträge nicht einfach addieren lassen, weil sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten, über verschiedene Zeiträume und in abweichender Häufigkeit ausgezahlt werden würden. Zu beachten sei außerdem, dass die Werte, die die Digitale Rentenübersicht liefert, keine Rücksicht auf die Inflation nehmen. Finanztipp erklärt dazu: „Mit 1.500 Euro kannst Du Dir in 20, 30 oder 40 Jahren deutlich weniger leisten als heute. Das nennt sich Kaufkraftverlust.“

    Zudem betont die DRV, dass die Hochrechnung keine Steuern und Sozialabgaben berücksichtigt. „Diese hängen zu stark von der persönlichen Situation beziehungsweise den persönlichen Umständen ab. In einer detaillierteren Ansicht wird es jedoch einen Hinweis geben, ob Steuern oder Sozialabgaben anfallen können“, heißt es auf der Website der Rentenübersicht.

    Übrigens: Um die Rente aufzubessern, können Rentenpunkte auch gekauft werden. Die Kosten dafür variieren jedes Jahr.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren