Aufgrund des demografischen Wandels wird es voraussichtlich immer mehr ältere und weniger junge Menschen in Deutschland geben. Das bereitet der jungen Generation in Bezug auf das Rentensystem Sorgen: Es wird immer mehr Rentner geben, aber immer weniger junge Leute, die einzahlen. Die Rentenbeiträge während der Arbeitszeit könnten immer weiter steigen. So berichtete die Tagesschau kürzlich, dass die Deutsche Rentenversicherung einen „extremen“ Anstieg des Rentenbeitrags bis 2028 erwartet.
Die Junge Union (JU) als Nachwuchsgruppe von CDU und CSU hat sich nun deutlich gegen das geplante Rentenpaket der Bundesregierung gestellt. Was genau am Gesetzentwurf kritisiert wird und welche Konsequenzen das für die Koalition haben könnte.
Rentenstreit mit der Jungen Union: Worum geht es?
Im Mittelpunkt der Diskussion steht laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die sogenannte Haltelinie bei der Rente – also das Sicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Löhnen. CDU, CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag festgelegt, diese Haltelinie bis zum Jahr 2031 auf einem Rentenniveau von 48 Prozent zu garantieren. Das bedeutet: Die durchschnittliche Rente soll mindestens 48 Prozent des durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens betragen – berechnet nach Abzug der Sozialabgaben, jedoch vor Steuern. Um dies zu gewährleisten, sollen zusätzliche Milliardenbeträge aus dem Bundeshaushalt in die Rentenkassen fließen.
Im vom Kabinett unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verabschiedeten Rentengesetzentwurf ist außerdem vorgesehen, das Rentenniveau auch über 2031 hinaus um etwa einen Prozentpunkt über dem derzeit geltenden Recht festzuschreiben, berichtet die dpa.
Geplante Rentenreform: Was kritisiert die Junge Union?
Genau diese Passage stößt bei der Jungen Gruppe der Unionsabgeordneten im Bundestag auf Kritik. Sie bemängeln laut dpa, dass eine solche Regelung im schwarz-roten Koalitionsvertrag nicht vereinbart wurde und zusätzliche Kosten von rund 118 Milliarden Euro verursachen würde. Sie haben Sorge, dass die langfristigen Kosten den finanziellen Handlungsspielraum im kommenden Jahrzehnt stark begrenzen und letztlich von den Beitragszahlern – insbesondere der jungen Generation – getragen werden müssen.
JU-Chef Johannes Winkel hatte laut Tagesschau klargestellt: „Dieses Rentenpaket mit den Folgekosten von 120 Milliarden Euro über den Koalitionsvertrag hinaus, das darf auf keinen Fall so kommen.“
Am Wochenende vom 14. bis 16. November 2025 fand der Deutschlandtag der Jungen Union in Rust statt. Dort hatte die JU laut dpa einen Leitantrag vorgestellt und einschneidende Reformen an der Rente gefordert. Solange keine grundlegenden Reformen umgesetzt sind, lehnt die JU weitere Beitragserhöhungen in den Sozialversicherungen ab.
Zudem fordert die Gruppe, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Nach ihren Vorstellungen soll ab 2031 bei einem Zuwachs der Lebenserwartung um ein Jahr die Regelaltersgrenze um neun Monate angehoben werden. Dadurch würde sich das Renteneintrittsalter innerhalb von zehn Jahren jeweils um rund ein halbes Jahr erhöhen.
Warum könnte der Rentenstreit zum Problem werden?
Einige jüngere Bundestagsabgeordnete der Union haben gedroht, dass sie dem geplanten Rentengesetzpaket so nicht zustimmen werden. Der Jungen Gruppe gehören laut dpa 18 Abgeordnete im Bundestag an. Da CDU, CSU und SPD im Bundestag lediglich über eine Mehrheit von zwölf Stimmen verfügen, ist die schwarz-rote Koalition bei der Abstimmung über das Rentenpaket auf die Unterstützung des Unions-Nachwuchses angewiesen. Wenn die JU bei ihrer Kritik bleibt, könnte es keine sichere eigene Mehrheit geben.
Bundeskanzler Merz lehnt Änderungen am Rentenpaket ebenso ab wie der Kooperationspartner SPD, meldet die dpa. Die Bild und FAZ berichteten derweil, in der Union werde bereits über das Szenario einer Minderheitsregierung gesprochen, falls es zu einem Scheitern der schwarz-roten Koalition kommen sollte.
Der Bundeskanzler wies diese Spekulationen klar zurück. „Das ist aus meiner Sicht ausgeschlossen, so etwas zu machen“, sagte der CDU-Vorsitzende beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung. „Glaubt denn irgendjemand ernsthaft, wir könnten in diesem Deutschen Bundestag mit wechselnden Mehrheiten arbeiten und da noch vernünftige Gesetzgebungsarbeit machen?“
Zustimmung für Junge Union auch aus Unionsreihen
Nicht nur junge Leute haben offenbar Probleme mit dem Rentengesetz. Auch Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin von der CDU, teilte die Argumente der JU, berichtete die Tagesschau. Die umlagefinanzierte Rente dürfe nicht zu einer weiteren Belastung der Lohnnebenkosten führen. Insofern habe die Junge Gruppe der Unionsabgeordneten recht, sagte Reiche. Dennoch bekennt sich die Ministerin zum Kabinettsbeschluss, so die Zeit. Nach ihrer Ansicht gehöre zu den notwendigen Reformen etwa, dass man insgesamt mehr Zeit im Beruf verbringen müsse.
Auch Hubert Hüppe, Chef der Senioren-Union, zeigte Verständnis für die Anliegen des Parteinachwuchses: „Die Sorgen der jungen Generation sind berechtigt, insbesondere mit Blick auf die Finanzierung der Rente und den demografischen Wandel“, erklärte er gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Friedrich Merz beharrt auf Reformplänen – macht aber ein Zugeständnis
Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte am 15. November beim Landesparteitag in Ulm: „An diesem Gesetz wird nichts mehr geändert“. Das berichtete unter anderem die Welt. Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn machte den jungen Abgeordneten wenig Hoffnung auf grundlegende Änderungen am Rentenpaket, wie n-tv berichtete. Die Vereinbarung zur Haltelinie des Rentenniveaus sei ein Kompromiss, so Spahn beim Deutschlandtag der Jungen Union. Das Thema sei für die SPD beim Eintritt in die Koalition in etwa so wichtig gewesen wie für die Union der Politikwechsel bei der Migration.
Merz versuchte derweil, die Wogen im unionsinternen Rentenstreit zu glätten: In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ sprach er sich am 16. November für den Gesetzentwurf seiner Koalition aus. Er stellte aber auch eine umfassende Reform für die Zeit nach 2031 in Aussicht: „Ich unterstütze es, dass wir für die Zeit nach 2031 in unserem Rentensystem grundlegend etwas ändern“, so Merz.
Noch in diesem Jahr soll eine Rentenkommission eingesetzt werden, erklärte der CDU-Vorsitzende. Diese werde so zusammengesetzt, dass auch kritische Stimmen darin vertreten sind. Bis zur Sommerpause 2026 soll die Kommission ihre Arbeit abgeschlossen haben, im Anschluss daran soll das Gesetzgebungsverfahren starten. Die einzelnen Schritte könnten zudem in einem Begleittext zum aktuellen Gesetzentwurf verdeutlicht werden. Darüber wolle er auch mit der SPD das Gespräch suchen.
Merz dringt trotz des aufgeflammten Streits über die Rente auf zügige Entscheidungen: „Ich wünsche mir, dass wir diese Diskussion zum Jahresende abgeschlossen haben“, sagte der CDU-Chef beim Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung. Auch für weitere Pläne der Regierung, wie die Aktivrente, muss das Gesetzgebungspaket noch in diesem Jahr durch den Bundestag und den Bundesrat, so die dpa. Für die Aktivrente, die mit Steuerfreibeträgen zum Arbeiten über das Renteneintrittsalter hinaus motivieren soll, ist ein Start am 1. Januar 2026 geplant, wenn es nach Merz geht.
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