Die Einführung der Aktivrente ist für 2026 geplant, um künftige Rentnerinnen und Rentner dazu zu ermutigen, über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus weiterzuarbeiten. Im Oktober 2025 teilte die Bundesregierung nach Beratungen im Koalitionsausschuss mit, dass die Aktivrente ab dem 1. Januar 2026 in Kraft treten soll. Damit soll Personen, die über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten, ermöglicht werden, monatlich bis zu 2000 Euro steuerfrei zu verdienen – also bis zu 24.000 Euro im Jahr. Ziel der Bundesregierung ist es, Fachkräfte länger in den Betrieben zu halten.
Aber wie viele Rentnerinnen und Rentner möchten im Ruhestand weiterarbeiten? Welche Potenziale oder Hürden ergeben sich dadurch? Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich diesen Fragen gestellt und zeigt: Durch den Anreiz der Aktivrente könnten Zehntausende Rentnerinnen und Rentner in Deutschland als Fachkräfte mobilisiert werden. Aber erst, wenn eine bestimmte Schwelle erreicht wird, rechnet sich die Aktivrente auch für den Staat. Ein weiteres Problem: Die Möglichkeit des Hinzuverdienens ist offenbar noch zu wenig bekannt.
Aktivrente: Wie viele Rentner wollen trotz Bonus nicht weiterarbeiten?
Die Analyse des DIW wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt und am 12. November 2025 veröffentlicht. Dafür wurden 3000 Personen im Alter von 60 bis 71 Jahren online befragt, mit folgenden Ergebnissen:
- Unter den aktuellen Steuerregelungen gaben 52 Prozent der Befragten an, nach dem Eintritt in den Ruhestand nicht mehr arbeiten zu wollen.
- Unter den neuen Bedingungen der Aktivrente lag dieser Wert nur noch bei etwa 47 Prozent. Mehr Menschen wollen also länger arbeiten, wenn es sich lohnt.
- Fast alle, die sich eine Weiterbeschäftigung vorstellen können, erklärten, bereit zu sein, ein Jahr oder länger weiterzuarbeiten.
Seit 2023 können Altersrentner bereits unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird. Allerdings müssen Rente und Arbeitslohn zusammen versteuert werden, wie es auch bei anderen Einkommensarten der Fall ist, informiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Zu einem ähnlichen Ergebnis wie das DIW kam eine Umfrage des Civey-Umfrageinstituts unter erwerbstätigen Menschen ab 55 Jahren. Demnach gaben 43 Prozent der Befragten es als „unwahrscheinlich“ an, nach ihrem Renteneintritt noch zu arbeiten. Jeder Zweite wollte die Aktivrente „wahrscheinlich“ nutzen. Sieben Prozent antworteten auf die Umfrage mit „weiß nicht“.
Nutzen der Aktivrente für den Arbeitsmarkt – aber ein Minusgeschäft für den Staat?
Laut den Berechnungen des DIW könnte durch die Aktivrente die Erwerbstätigkeit von Rentnerinnen und Rentnern in Deutschland um bis zu zehn Prozent steigen. Umgerechnet könnten sie voraussichtlich 25.000 bis 33.000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzen. Das gelte für die Altersgruppe 66 bis 70 Jahre und bedeute einen „moderaten Beschäftigungseffekt“. Laut der Bertelsmann Stiftung sind in Deutschland derzeit 21 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig. Im Vergleich zu Ländern wie Dänemark oder Schweden, wo etwa 30 Prozent dieser Altersgruppe arbeiten, fällt die Quote eher niedrig aus.
Für den Staat könnte die Aktivrente aber ein Minusgeschäft werden, bilanziert die Untersuchung. Erst, wenn die Schwelle von mindestens 40.000 zusätzlichen Vollzeitstellen erreicht werde, rechne sich das Modell auch für den Staat. Denn erst dann könnten die durch die Steuerbefreiung entstehenden Einkommensteuerverluste für den Fiskus ausgeglichen werden. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) vom August 2025 hatte gezeigt, dass in der Staatskasse durch die Aktivrente jährlich Steuereinnahmen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro fehlen würden.
Die Aktivrente soll übrigens nur für reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gelten – und demnach nicht für Selbstständige, Freiberufler, Land- und Forstwirte, Minijobber und Beamte. Das führte in der Vergangenheit bereits zu Kritik an der Aktivrente.
Ist die Möglichkeit der Aktivrente noch zu wenig bekannt?
Der Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, Eric Thode, betonte, dass die Politik mit der Aktivrente zwar ein wichtiges Signal setze. Dennoch sei eine umfassende Informationskampagne sowie gezielte Werbung erforderlich, um die neue Regelung bekannter zu machen und ihre Nutzung zu fördern. „Sonst droht das Potenzial der Aktivrente zu verpuffen“, so Thode. Vielen Menschen seien selbst die aktuell bestehenden Regeln im Rentenrecht nicht bekannt: Nur 37,5 Prozent der Befragten wussten, dass es seit 2023 keine Hinzuverdienstgrenzen mehr für die Altersrente gibt.
Gleichzeitig müssten auch die Arbeitgeber aktiv werden, um die Arbeitsbedingungen für ältere Menschen attraktiver zu gestalten. Dazu gehörten altersgerechte Aufgaben, mehr zeitliche Flexibilität, ein positives Arbeitsumfeld und die Anerkennung der Leistung. Außerdem, so die Stiftung, seien weitere Reformen im Arbeitsrecht notwendig, um für Arbeitgeber und Beschäftigte mehr Klarheit und Sicherheit hinsichtlich der Weiter- und Wiederbeschäftigung zu gewährleisten.
Ein weiteres Problem könnte die Aktivrente zum Scheitern bringen: Es gibt kaum offene Stellen für Rentnerinnen und Rentner. Das zeigte eine neue Auswertung des Datenanbieters Index. Damit die Aktivrente funktioniert, braucht es demnach neue Ideen, um Arbeitgeber und Senioren gezielt zusammenzubringen.
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