Schon Mozart muss von ihnen ganz hingerissen gewesen sein. Im April 1776 wurde im Salzburger Dom seine „Missa in C“ uraufgeführt. Teile dieser als fröhlich beschriebenen Messe erinnerten die Zuhörerschaft so sehr an das Tschilpen und Zwitschern von Spatzen, dass das Werk den Beinamen „Spatzenmesse“ bekam. Ob das von Mozart auch so geplant war, konnte ich leider nicht rausbringen.
Man begegnet ihnen im Café, wo es Kuchenbrösel zum Picken gibt, im Reitstall, wo Haferreste in Pferdeäpfeln als Vogelbuffet dienen oder im Garten, wo Sämereien zu finden sind. Spatzen sind uns Menschen in fast alle Lebensbereiche gefolgt und leben wie keine andere Vogelart weltweit eng mit Menschen zusammen. Selbst größte Vogel-Ignoranten können sie kaum übersehen, so nahe sind sie uns. Deswegen sind Spatzen ideal geeignet, den ornithologischen Blick für Details zu schulen. Männchen oder Weibchen? Noch jung oder schon erwachsen? Hier eine kleine Vogelnachhilfe für die Ferien.
Der Feldsperling hat ein braunes Köpfchen und einen schwarzen Wangenfleck
Die beiden wichtigsten Spatzenarten hierzulande sind der Haus- und der Feldsperling. Beide sind grundsätzlich an ihren braun-weiß-schwarz gemusterten Flügeln zu erkennen. Wichtigste Unterscheidungsmerkmale: Feldsperlinge haben immer ein braunes Köpfchen und unterhalb des Auges einen deutlichen schwarzen Wangenfleck, der mich an Kopfhörer erinnert. Spatzen mit Kopfhörern sind Feldsperlinge.
Und wie der Name schon erahnen lässt, fühlen sie sich zum Menschen nicht ganz so sehr hingezogen wie Hausspatzen. Sie bleiben eher an Stadträndern und in Parks, Innenstädte sind für sie weniger attraktiv.
Der Hausspatz trägt den Scheitel grau
Spatzen ohne Kopfhörer sind (wenn es sich nicht gerade um den äußerst seltenen Italiensperling handelt) immer Hausspatzen. Männchen sind im Prachtkleid sehr kontrastreich gefärbt. Ihr Oberkopf, man spricht vom Scheitel, ist grau abgesetzt. Besonders markant aber ist der schwarze Latz unterhalb des Schnabels. Er ist perfekt geeignet, um die Geschlechter auseinanderzuhalten. Latz gleich Männchen. Zusätzlich ist im Sommer der Schnabel der Männchen ebenfalls häufig schwarz gefärbt. Der schwarze Latz ist aber sicherer für die Bestimmung. Wenn sie demnächst im Kaffeehaus also Besuch von einem Spatz mit Latz bekommen, können sie souverän mit dem neuen Wissen angeben: „Schaut mal, ein Spatzenmann.“
Weibchen halten sich optisch eher zurück. Das Gefieder ist grau-braun, der Schnabel gelb bis braun, der Bauch hellgrau bis beige, der Blick sanft und freundlich. Die Jungvögel sind den Weibchen auf den ersten Blick recht ähnlich. Aber: Die Federn, vor allem am Bauch, sind noch flauschiger und wirken unfrisiert. Aufschlussreich ist aber das Verhalten. Auch wenn es sich schon um ordentliche Brummer handelt, betteln sie Altvögel noch um Futter an. Das sind eindeutig die Mitglieder des Kindergartens.
Sonnenblumenkerne: Fütterung für die Kleinen auch im Sommer
Wer ihnen Gutes tun und sie beim Erreichen des Zielgewichts von 30 Gramm unterstützen will, kann auch im Sommer Vogelfutter anbieten. Sonnenblumenkerne zum Beispiel. Auch ein Sand- oder Staubbad ist für Spatzen paradiesisch.
Zur Autorin: Tanja Warter ist Tierärztin und verknüpft seit Jahren die Leidenschaft für die Tiermedizin mit dem Spaß am Schreiben.
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