Wie man private Altersvorsorge nicht organisieren sollte, haben 25 Jahre Riester-Rente gezeigt: zu kompliziert, zu teuer, zu wenig verständlich. Jetzt korrigiert die Politik vieles davon. Das ist gut. Vor allem aber ist es richtig, dass es künftig ein öffentlich organisiertes Standardprodukt geben soll. Genau das haben Verbraucherschützer seit Jahren gefordert: einen einfachen, kostengünstigen und verlässlichen Einstieg in die geförderte Altersvorsorge.
Der Bundestag hat die Reform am 27. März 2026 beschlossen. Die Koalition will die private Altersvorsorge neu aufsetzen, das Altersvorsorgedepot einführen und das Standardprodukt nicht nur bei privaten Anbietern, sondern auch bei einem öffentlichen Träger verankern. Für dieses Standarddepot gilt ein Kostendeckel von einem Prozent. Außerdem sind die Beschlüsse zur stärkeren Förderung, zur Einbeziehung von Selbstständigen und zu mehr Flexibilität bei der Auszahlung vorgesehen.
Was 2027 neu wird
Aus Verbrauchersicht sind mehrere Punkte ausdrücklich zu begrüßen. Dass Garantien für das Standardprodukt entfallen, ist richtig. Für die meisten heutigen Riester-Sparerinnen und -Sparer haben Garantien zur Folge, dass ihre Rente zwar abgesichert ist, sie dafür aber auch oft zu wenig ausgezahlt bekommen. Wer aber über Jahrzehnte spart, braucht keine teuren Sicherheitsversprechen, die am Ende vor allem Rendite kosten.
Auch Zeitrenten und Auszahlungspläne bis mindestens zum 85. Lebensjahr stärken die Wahlfreiheit. Ebenso ist es sinnvoll, Abschluss- und Vertriebskosten über die gesamte Laufzeit zu verteilen, weil das Wechseln des Anbieters dann weniger bestraft wird. Wichtig ist aber auch: Ein öffentlich organisiertes Standardprodukt ist kein Allheilmittel, sondern die notwendige Antwort auf ein seit Jahren schief laufendes System: Finanzberatung ist zu oft Verkauf, und Verkauf folgt häufig den Provisionsinteressen und löst Zielkonflikte aus.
Am Ende zählen die Kosten
Deshalb reicht es nicht, irgendein Standardprodukt anzubieten. Es muss wirklich leicht zugänglich, transparent und günstig sein. Ein Kostendeckel von einem Prozent ist zwar ein Fortschritt gegenüber dem alten Riester-System, aber noch zu hoch, wenn es um effiziente Altersvorsorge geht. Ein öffentlicher Anbieter kann ein Gegenmodell zum provisionsgetriebenen Vertrieb sein, insbesondere weil er mit niedrigen Kosten von 0,2 Prozent arbeiten könnte, was ein Booster für die Rendite wäre.
Der richtige Pfad wurde also eingeschlagen: weg von der überkomplexen, teuren Riester-Rente, hin zu mehr Wahlfreiheit, mehr Transparenz und einer öffentlichen Standardlösung. Jetzt kommt es darauf an, dass die Umsetzung nicht wieder an Kleingedrucktem, Vertriebslogik und zu hohen Kosten scheitert. Die neuen Produkte sollen ab 1. Januar 2027 starten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Reform dann erfolgreich, wenn am Ende ein Standardprodukt steht, das man guten Gewissens empfehlen kann.
Zur Person
Sascha Straub ist Fachmann für Finanzfragen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Für die Augsburger Allgemeine ordnet er aktuelle Entwicklungen ein. Zuletzt schrieb er über die Krankenkassen. Für wen sich ein Wechsel zu den Privaten lohnt, erklärt er hier. Welche versteckten Kosten beim Bestellen in China-Shops leicht übersehen werden können, verrät er hier.
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