Im Winter, wenn alles dunkel, grau und ungemütlich ist, sehnen wir uns nach Frühling, nach frischem Grün und gesunden Vitaminen. Im Garten spitzen bereits ganz zaghaft der Schnittlauch und manch andere Kräuter. Doch schnelle Vitamine gibt es auch von der Fensterbank, mit Microgreens und Sprossen. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie geben Tipps.
Sprossen oder Microgreens anbauen - das brauche ich dafür
Sprossen sind die „Kleinen“. Bei Keimsprossen werden die Samen meist in einem Keimglas zum Quellen gebracht und verzehrt. Es haben sich kaum Wurzeln und Blätter entwickelt. Wichtig ist die Hygiene bei den Sprossen. Die Samen werden lediglich immer wieder (täglich zweimal) mit frischem Wasser gespült, damit sie nicht austrocknen und sich auch keine Schimmelpilze bilden.
Einfacher geht es mit sogenannten Grünsprossen. Hier verzehrt man die grünen Blätter mit Stängel. Die Samen quellen auf einer Watteunterlage, einem Küchenkrepp oder in Keimschalen. Die Unterlage bleibt feucht und bietet den Wurzeln Halt. Nach etwa sieben bis zehn Tagen schneidet man die ersten jungen Triebe über der Wurzel ab. Im Lebensmitteleinzelhandel kennt man die eckigen Pappschälchen mit Kresse oder rotem Rettich.
Microgreens geben mehr, brauchen aber auch länger bis zur Ernte
Als Microgreens sind die Pflänzchen noch größer. Sie wachsen auf einer dünnen Substratschicht oder auch einem Vlies, werden jedoch erst nach etwa zwei oder drei Wochen erstmals geerntet. Oft ist auch eine weitere Ernte möglich. Da sich grüne Blätter bilden, benötigen Microgreens wie auch schon die Grünsprossen Licht.
Verwenden Sie am besten Saatgut, das speziell zur Anzucht von Sprossen oder Microgreens ausgewiesen ist, zum Beispiel für Kresse, Rauke, Radieschen. Keimlinge von Hülsenfrüchten wie Bohnen werden vor dem Verzehr blanchiert, denn sie sollten nicht roh verzehrt werden. Ungeeignet sind grundsätzlich Nachtschattengewächse wie Tomate und Chili.
Kresse am Küchenfenster – das schnellste Gemüse
Für die Kresse-Anzucht im Zimmer benötigt man möglichst frisches, gut keimfähiges Saatgut, eine am Boden flache Schale (zum Beispiel aus Glas, Keramik oder ein saubere Familien-Eispackung) und etwas Küchenkrepp. Die Schale erhält eine genau zugeschnittene Einlage aus Küchenkrepp in doppelter Lage. Diese wird vorsichtig befeuchtet und dann mit Kressesamen bestreut. Achten Sie darauf, dass gut die Hälfte der Kreppfläche noch durchscheint, da die Pflänzchen sonst zu dicht stehen. Die Schale bedeckt man bestenfalls die ersten Tage mit einem Teller oder dem lose aufgelegten Deckel der Eispackung. Von nun an befeuchtet man die Schale täglich zweimal mit etwa einer halben Tasse Wasser, gießt es aber sofort wieder ab. An den ersten Tagen passiert dies sehr vorsichtig, um keine Samen auszuschwemmen. Später halten sich die Keimlinge gegenseitig fest, und das Befeuchten und Abgießen geschieht einfach unter dem Wasserhahn über dem Spülbecken.
Kresse schmeckt kalt und warm
Nach etwa einer Woche erfolgt die Ernte mit einer Schere. Dazu kann man die „Kressewiese“ sogar aus der Schale herausheben. Man hält sie möglichst seitlich, dann fallen nur die trockenen, sauberen Grünsprossen der Kresse in die Salatschüssel. Nach kurzem Waschen eignen sie sich für eigenständigen Salat, aber auch zum Garnieren anderer Salate wie Kopfsalat oder Kartoffelsalat. Kresse geht auch warm: Kresse-Suppe mit Zwiebel, Gemüsebrühe, Sahne, Eigelb, einem Schluck Weißwein sowie Salz, Pfeffer, Muskat und Croutons als Topping.
Zur Person
Gartenbautechnikerin Isolde Keil-Vierheilig entspannt gern im Garten. Für sie ist das Grün zudem Lernort und Versuchsfläche. Die 55-Jährige arbeitet seit 30 Jahren an der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim. Seit 2026 schreibt sie als Kolumnistin für die Augsburger Allgemeine.
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