Schmetterlinge gelten im Allgemeinen als harmlos und erfreuen sich für Insekten sogar ungewöhnlich großer Beliebtheit bei vielen Menschen. Doch so klein und zart die Tierchen auch aussehen mögen, legen manche von ihnen ein erstaunlich wehrhaftes Verhalten an den Tag, wenn sie gestört werden. Japanische Forscher haben in Versuchen herausgefunden, dass eine bestimmte Schmetterlingsart sogar außergewöhnlich laute Geräusche von sich geben kann. Doch wozu dient ihr Fauchen?
Welche Schmetterlingsart kann fauchen wie eine Katze?
Während unsere in Deutschland heimischen Schmetterlinge nicht gerade durch ihre Lautstärke auffallen, können Vertreter der insbesondere in Asien vorkommenden Nachtfalterart Phyllosphingia dissimilis bemerkenswerte Laute von sich geben. Zu dieser Erkenntnis kamen Insektenforscher der Kobe-Universität in Japan, als sie Untersuchungen mit den Tieren in verschiedenen Entwicklungsstufen durchführten. Ihre Studienergebnisse haben die Insektenforscher im Journal of Experimental Biology veröffentlicht.
Bei Phyllosphingia dissimilis handelt es sich um eine Art aus der Familie der Schwärmer, die laut dem Nachschlagewerk „Sphingidae of the Eastern Palaearctic“ vorwiegend in China, Taiwan, Korea, Japan und im südöstlichen Russland beheimatet ist. Ihre in verschiedenen Brauntönen gefärbten Flügel erinnern an Blattlaub. Ausgewachsene Tiere können eine Flügelspannweite von bis zu 13 Zentimetern aufweisen und schwärmen zwischen Mai und August aus.
Die Forschergruppe der Kobe-Universität befasste sich in ihren Untersuchungen hauptsächlich mit den Larven und Puppen der Schmetterlingsart. Um herauszufinden, wie sich diese in Anwesenheit von potenziellen Fressfeinden verhalten, imitierten die Biologen mithilfe einer Pinzette das Picken eines Vogelschnabels, wie Studienautor Shinji Sugiura in einer Pressemitteilung der Universität beschreibt. Die Insekten reagierten mit einem deutlich wahrnehmbaren Geräusch, das einem Fauchen oder Zischen ähnelt.
Wie und warum geben Schmetterlinge Fauchgeräusche von sich?
Bei der vogelschnabelartigen Berührung mit der Pinzette erzeugten die Larven und Puppen Sugiura zufolge „überraschend laute Geräusche“ durch spezielle, hochfrequente Körperbewegungen. Anders als bei Heuschrecken oder einigen Mottenarten reiben die Insekten dabei jedoch nicht ihre Flügel oder Beine aneinander, sondern pressen mit hohem Druck Luft durch ihre Tracheen genannten Atemöffnungen, wie die Forscher herausfanden. Auf diese Weise erreichten die Schmetterlinge einen Geräuschpegel von bis zu 62 Dezibel, was etwa einem normalen Gespräch in Zimmerlautstärke entspricht.
Doch wozu dient diese Geräuscherzeugung? Die Vermutung der Forschergruppe um Shinji Sugiura lautet, dass Phyllosphingia dissimilis durch das Fauchen beziehungsweise Zischen versucht, typische Fressfeinde wie Vögel oder kleinere Säugetiere in die Flucht zu schlagen. Die Larven und Puppen würden mit diesen Lauten das Zischen von Schlangen imitieren, die wiederum gerne Jagd auf Vögel und kleine Säugetiere machen. Diese akustische Täuschung setzen die Schmetterlinge also als cleveren Schutzmechanismus ein, wie Sugiura in der Pressemitteilung erläutert.
Übrigens: Eine Studie aus Brasilien hat sich mit der Frage beschäftigt, ob Mücken lieber Menschen als Tiere stechen. Experimente mit einer speziellen Pilzart wecken zudem Hoffnung im Kampf gegen Borkenkäfer.
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