Viele Menschen kennen die Folgen einer kurzen Nacht. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und schlechte Laune sind dann fast unvermeidlich. Doch was geschieht, wenn der Schlaf nicht nur einmal, sondern über längere Zeit ganz ausbleibt? Kann ein akuter Schlafentzug den Körper so stark belasten, dass er gefährlich wird? Hier erfahren Sie mehr dazu.
Zu lange wach: Wieso ist Schlaf so wichtig?
Um klären zu können, ob langes Wachbleiben gefährlich werden kann, muss zunächst berücksichtigt werden, dass Schlaf eine zentrale Rolle für unseren Körper spielt. Denn laut Angaben der Stiftung Gesundheitswissen hilft er uns unter anderem dabei, klar zu denken und seelisch stabil zu bleiben.
Das liegt daran, dass im Schlaf das Gehirn intensiv arbeitet: Neue Informationen werden gespeichert und gefestigt, während zugleich überflüssige Eindrücke aussortiert werden, wie die Stiftung Gesundheitswissen erklärt. Außerdem sorgt der Körper in dieser Zeit für eine Art Reinigung, indem Abfallstoffe in den Nervenzellen abgebaut werden.
Darüber hinaus ist Schlaf auch für andere Bereiche im Körper sehr wichtig. So unterstützt er unter anderem das Immunsystem, den Stoffwechsel und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Hormonen.
So viel Schlaf braucht man täglich
Schlaf ist also sehr wichtig, aber wie viele Stunden sollte man eigentlich jede Nacht davon bekommen? Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht, denn die benötigte Schlafdauer ist individuell verschieden und verändert sich zudem auch noch mit dem Alter. Die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gibt jedoch Richtwerte vor, an denen man sich orientieren kann:
- 0-3 Monate: 14-17 Stunden
- 4-12 Monate: 12-16 Stunden
- 1-2 Jahre: 11-14 Stunden
- 3-5 Jahre: 10-13 Stunden
- 6-13 Jahre: 9-12 Stunden
- 13-17 Jahre: 8-10 Stunden
- 18-60 Jahre: 7 oder mehr Stunden
- 61-64 Jahre: 7-9 Stunden
- 65 Jahre und älter: 7-8 Stunden
Bleibt man über längere Zeit unter den empfohlenen Vorgaben, kann daraus ein chronischer Schlafmangel entstehen. Laut der Cleveland Clinic wirkt sich das dann auf viele Bereiche der Gesundheit aus. So beeinträchtigt langfristig zu wenig Schlaf unter anderem Gedächtnis und Konzentration, schwächt die Abwehrkräfte und erhöht die Gefahr für Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Schlaganfälle.
Tagelang wach: Wie lange kann man ohne Schlaf überleben?
Chronisch zu wenig Schlaf schadet also der Gesundheit und kann mit der Zeit ernsthafte körperliche Folgen haben. Doch was passiert, wenn man gar nicht mehr schläft? Laut Angaben von Medical News Today ist bis heute unklar, wie lange ein Mensch ohne Schlaf tatsächlich überleben kann. Sicher ist nur, dass akuter Schlafentzug in bestimmten Situationen lebensgefährlich werden kann.
Zum einen kann er nämlich indirekt tödliche Folgen haben. Laut der Gesundheitsplattform Verywell Health liegt das daran, dass die Aufmerksamkeit schon nach kurzer Zeit stark nachlässt. Bereits 24 Stunden ohne Schlaf können die Leistungsfähigkeit so stark beeinträchtigen wie Alkoholkonsum, was zum Beispiel im Straßenverkehr oder bei der Arbeit zu Unfällen führen kann.
Zum anderen gibt es eine extrem seltene Erbkrankheit, bei der Schlaflosigkeit selbst zum Tod führt. Denn wie Verywell Health erklärt, verlieren Betroffene der sogenannten Fatal Familial Insomnia nach und nach jede Möglichkeit zu schlafen. Mit der Zeit treten schwere gesundheitliche Störungen auf, die schließlich tödlich enden. Weltweit sind nur sehr wenige Fälle bekannt.
Tage ohne Schlaf: Wie macht sich das bemerkbar?
Wenn man tagelang nicht schläft, wirkt sich das sowohl auf den Körper als auch auf den Geist aus. Welche Folgen auftreten, hängt stark davon ab, wie lange der Schlaf bereits fehlt. Laut der Cleveland Clinic zeigt sich das durch folgende Veränderungen:
- 24 Stunden wach: Die Reaktionszeit wird langsamer, das Urteilsvermögen verschlechtert sich und Aussprache, Aufmerksamkeit und Koordination leiden. Zusätzlich schüttet der Körper mehr Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin aus.
- 36 Stunden wach: Nach eineinhalb Tagen steigt der körperliche Stress deutlich. Entzündungswerte im Blut nehmen zu, der Stoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht und die Hormonkonzentration verändert sich weiter. Die Symptome des Schlafmangels werden stärker.
- 48 Stunden wach: Ab zwei Tagen ohne Schlaf kommt es oft zum sogenannten Sekundenschlaf: Das Gehirn schaltet unkontrolliert für Sekunden ab, was besonders im Straßenverkehr gefährlich sein kann. Alle bisherigen Symptome verstärken sich zusätzlich noch mehr.
- 72 Stunden wach: Spätestens nach drei Tagen leidet die Wahrnehmung massiv. Stimmungsschwankungen, Angst oder depressive Gefühle treten auf, die Fähigkeit, klar zu denken, geht verloren. Häufig kommt es zudem zu Halluzinationen.
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