Während des Schlafs fährt der Körper viele Funktionen herunter, um sich zu erholen. Sogar der Puls verändert sich mit den verschiedenen Schlafphasen. Welche Werte normal sind und was hinter ungewöhnlichen Pulswerten in der Nacht stecken kann, erfahren Sie hier.
Was ist ein normaler Ruhepuls?
Wenn es um den Ruhepuls geht, also den Puls tagsüber, in entspannter Situation ohne körperliche Belastung, gibt es verschiedene Faktoren, die ihn beeinflussen können. Dazu zählen Alter, Fitnesslevel, Stress oder auch der allgemeine Gesundheitszustand. Es gibt jedoch auch allgemeinere Richtwerte, an denen man sich für den Ruhepuls orientieren kann. Laut der Deutschen Herzstiftung liegen diese bei:
- Erwachsene: 60 bis 80 Schläge pro Minute, im höheren Alter oft etwas höher
- Ältere Kinder und Jugendliche: 80 bis 100 Schläge pro Minute
- Kleinkinder: 100 bis 120 Schläge pro Minute
- Neugeborene: 120 bis 140 Schläge pro Minute
Wie verändert sich der Puls im Schlaf?
Tagsüber richtet sich der Puls unter anderem nach dem Grad der körperlichen Aktivität. Während des Schlafs ist dann der individuelle Ruhepuls ein wichtiger Bezugspunkt. Denn wie die Harvard Medical School erläutert, sinkt die Herzfrequenz bereits kurz nach dem Einschlafen und erreicht in der Leichtschlafphase den Ruhepuls-Wert. Im Tiefschlaf verlangsamt sich der Puls noch weiter und liegt etwa 20 bis 30 Prozent darunter.
In der REM-Phase, also während des Träumens, verhält es sich dann wieder anders: Hier schwankt die Herzfrequenz stärker und passt sich laut der Harvard Medical School sogar den Inhalten des Traums an. Wer zum Beispiel also gruselige Träume hat oder im Traum körperlich aktiv ist, hat in diesem Moment eine ähnlich hohe Herzfrequenz wie im Wachzustand.
Warum sinkt die Herzfrequenz in der Nacht?
Bisher wurde angenommen, dass der Parasympathikus, also der Teil des Nervensystems, der für Entspannung sorgt, den Herzschlag in der Nacht verlangsamt. Eine neuere Untersuchung der Universität Manchester, gefördert von der British Heart Foundation, legt jedoch eine andere Erklärung nahe. Demnach könnte der Sinusknoten, der natürliche Taktgeber des Herzens, selbst eine Art innere Uhr besitzen. In Tierversuchen mit Mäusen und Ratten zeigte sich nämlich, dass er den Herzschlag nachts eigenständig drosselt. Die Forscher gehen davon aus, dass ähnliche Abläufe auch beim Menschen eine Rolle spielen könnten.
Gründe für einen ungewöhnlichen Puls im Schlaf
Im Schlaf ist es also normal, dass der Puls niedriger ist als im wachen Zustand. Manchmal kann sich der Puls im Schlaf jedoch auffällig verhalten und deutlich niedriger oder höher ausfallen als normal. Laut der Cleveland Clinic können dafür verschiedene Gründe infrage kommen, wie zum Beispiel:
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft muss das Herz mehr Blut für Mutter und Kind pumpen. Dadurch steigt die Herzfrequenz im Verlauf meist deutlich an, auch im Schlaf.
- Zu viel Stress: Bei Stress werden Hormone wie Adrenalin und Cortisol gebildet. Diese können dafür sorgen, dass der Puls auch im Schlaf erhöht bleibt.
- Hohe körperliche Fitness: Gut trainierte Ausdauersportler haben oft einen sehr niedrigen Puls im Schlaf, ohne einen krankhaften Hintergrund.
- Schlechte Schlafqualität: Wird der Tiefschlaf nicht erreicht, kann der Puls nachts höher bleiben. Schlafstörungen wie Schlafapnoe, Insomnie oder auch Faktoren wie Koffein am Abend können zum Beispiel Gründe dafür sein.
- Zu wenig Flüssigkeit: Wenn der Körper dehydriert ist, schlägt das Herz schneller, was auch im Schlaf zu einem hohen Puls führen kann.
- Medikamente: Blutdrucksenker wie Betablocker können den Puls im Schlaf senken, andere Medikamente wie zum Beispiel Antidepressiva können ihn erhöhen.
- Erkrankungen: Verschiedene gesundheitliche Probleme können den Puls im Schlaf ebenfalls beeinflussen, wie etwa Herzrhythmusstörungen oder Schilddrüsenerkrankungen.
Generell gilt jedoch immer: Wer in der Nacht körperliche Beschwerden bemerkt, unter ausgeprägten Schlafproblemen leidet, einen ungewöhnlich niedrigen oder hohen Puls feststellt, plötzliche Veränderungen beobachtet oder sich diesbezüglich unsicher ist, sollte in jedem Fall ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren