Die "Chance", dass die Filiale der Commerzbank in Günzburg erhalten bleibt oder schließt, stand mehr oder minder 50:50. Schließlich hatte die Bank schon vor einiger Zeit angekündigt, etwa die Hälfte ihrer Standorte in Deutschland aufzugeben. Bislang hatte das Unternehmen auf die Frage, ob auch die Kreisstadt dazu gehören wird, eher ausweichend reagiert. Zuletzt war die Filiale "vorsorglich geschlossen" gewesen, aus Gründen des Corona-Schutzes. Die Mitarbeiter seien aber weiter erreichbar, die Selbstbedienungsangebote gebe es ebenfalls wie gewohnt. Doch jetzt ist klar, welche Standorte aufgegeben werden - und dass Günzburg darunter ist. Die Frage ist nur: ganz?
Pressesprecherin Renate Christ erklärt auf Anfrage, wirtschaftliche Überlegungen und das Kundenverhalten, also wie oft sie was nutzen, seien in die Entscheidung eingeflossen. Im Herbst werde entschieden, ob zumindest ein SB-Angebot bleibt und wie die Kunden an Bargeld kommen können. Dazu werde die Möglichkeit, etwa in Supermärkten Geld "abzuheben", in jedem Fall ausgebaut. Bis Ende 2022 bleibe die Filiale Günzburg so oder so erhalten.
In der Commerzbank-Filiale in Günzburg gibt es nur noch zwei Mitarbeiter
Die Kunden erhielten noch Briefe, in denen ihnen die Veränderungen erläutert würden. Der nächste Standort für sie sei Ulm. Darüber hinaus gebe es auch die Möglichkeit, sich per Video-Chat beraten zu lassen - auch ältere Menschen nutzten das inzwischen häufig. Den zwei verbliebenen Mitarbeitern würden unterschiedliche Angebote gemacht, wo sie künftig arbeiten können.
Die Filiale in Günzburg ist die einzige der Commerzbank im Landkreis Günzburg. Noch im September vergangenen Jahres hatte die Sprecherin gegenüber unserer Redaktion gesagt, dass es derzeit keine Planungen gebe, sie zu schließen. Doch die Commerzbank will, wie Privatkunden-Niederlassungsleiterin Tanja Sienitzki in einer Pressemitteilung erklärt, "die digitale Beratungsbank für Deutschland werden“. Die Filiale verliere für tägliche Bankgeschäfte bei Kunden immer mehr an Bedeutung, das Smartphone werde zum wichtigsten Kontaktkanal. Daher solle die Betreuung über Beratungscenter ausgebaut und das bundesweite Filialnetz von aktuell 790 um insgesamt 340 Standorte auf 450 reduziert werden. Es sei geplant, bereits ab Oktober mit der Schließung der ersten rund 240 Filialen zu starten, die restlichen folgen im kommenden Jahr.
Günzburgs OB Jauernig: Bedauerlich gerade für die Innenstadt
Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (SPD) bedauert die Schließung, gerade für die Innenstadt sei das bitter. Aber Banken und Sparkassen müssten sich gerade neu erfinden angesichts dessen, dass Kunden verstärkt digitale Angebote nutzten und die Kassen knapper würden.
Das persönliche Gespräch sei gerade in Geldfragen sicherlich nachhaltiger als in anderen Formen, und eine Grundpräsenz auch der großen Geldhäuser brauche man in einer Stadt von Günzburgs Größe. Die Commerzbank sei nicht regional verwurzelt, zumindest bei der Sparkasse und den Volks- und Raiffeisenbanken könne man im Sinne der kommunalen Daseinsvorsorge etwas Einfluss auf die Präsenz vor Ort nehmen.