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Landkreis Günzburg: Was bringt das Volksbegehren den Bienen?

Landkreis Günzburg

Was bringt das Volksbegehren den Bienen?

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    Die Biene war das Leittier, die das Volksbegehren beflügelt hat. Rund 1,75 Millionen Menschen in Bayern haben für die Forderungen der Initiatoren unterschrieben.
    Die Biene war das Leittier, die das Volksbegehren beflügelt hat. Rund 1,75 Millionen Menschen in Bayern haben für die Forderungen der Initiatoren unterschrieben. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

    „Rettet die Bienen!“ Damit hat das Volksbegehren für Artenvielfalt zum Beginn des Jahres geworben. Und das erfolgreich. Ungefähr 1,75 Millionen Stimmberechtigte haben dafür unterschrieben. Motiviert von dem großen Erfolg in Bayern gibt es in Brandenburg schon ein ähnliches Vorhaben.

    Horst Zeiser vom Imkerverein Günzburg sieht die Bienen hauptsächlich als Emotionsträger. Das Volksbegehren umfasse deutlich mehr Bereiche und Themen. Haben denn die Imker von der Abstimmung profitiert? Wesentlich mehr Interesse für diese Tätigkeit lässt sich Zeiser zufolge nicht feststellen. Die Mitgliederzahlen seien nach dem Volksbegehren ungefähr gleichgeblieben.

    Ein Anstieg sei allerdings durchaus in den vergangenen sechs Jahren zu bemerken. Zeiser sieht den Grund dafür in der Medienberichterstattung, die in diesem Zeitraum ebenfalls zugenommen habe. Als ein Beispiel nennt er den Film wie „More than Honey“ des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof, der weltweit die Lage der Bienen dokumentiert. Bienen haben damit auf der Kinoleinwand die Hauptrollen eingenommen. Wann hat es das schon mal gegeben?

    Die Menschen gehen mit offenen Augen durch die Natur

    Das gewachsene Interesse zeige sich vor allem in den vielen Anmeldungen für die Kurse, die die lokalen Imkervereine anbieten. Der Erweiterungsbau des Lehrbienenstands in Günzburg im vergangenen Jahr wurde mit finanzieller Hilfe des Leader-Programms der EU und durch Eigenleistung der Vereinsmitglieder verwirklicht. Damit wolle man der Nachfrage nach Aus- und Weiterbildung, sowie Informationsveranstaltungen gerecht werden, sagt Bienenexperte Zeiser.

    Vor einigen Wochen kontaktierte ein Leser die Redaktion unserer Zeitung mit dem Foto einer blauen Holzbiene, das er aufgenommen habe. Dies sei eine seltene und höchst interessante Bienenart, bestätigt Horst Zeiser. Die Menschen gingen mit offenen Augen durch die Natur, findet der Imkervereinsvorsitzende. Das gewachsene Bewusstsein für die Besonderheit der wichtigen Insekten ist eine Folge des Volksbegehrens, vermutet er.

    Ein Volksbegehren von "Stadttheoretikern"

    Generell steht Zeiser dieser Bürgerbewegung eher kritisch gegenüber. Das Volksbegehren ist aus seiner Beobachtung heraus von „Stadttheoretikern“ entworfen worden. Die damit verbundenen Forderungen seien in mehreren Punkten für die Landwirtschaft nicht angemessen. Speziell bei Themen wie Walzen, Schnitt und der Erweiterung von Blühflächen sieht Zeiser Probleme. Die Anforderungen seien nicht naturgerecht und förderten die Ausbreitung von landwirtschaftsschädlichem Springkraut. Für umso wichtiger hält er deswegen die Kompromissgespräche zwischen dem Bauernverband und den Vertretern des Volksbegehrens. Wichtige Einigungen bei Streitpunkten sind bereits erzielt worden. Die Ergebnisse der Gespräche sollen in einen zweiten Gesetzesentwurf gegossen werden.

    Den Hauptgrund für das Bienensterben sieht Zeiser nach wie vor bei der aus Asien eingeschleppten Varroamilbe und dem Einsatz von insektenschädlichen Pestiziden.

    Das Volksbegehren hat dem Verein nicht genutzt

    Wolfgang Heininger vom Imkerverein Neuburg-Wiesenbach ist nach dem erfolgreichen Volksbegehren ein wenig enttäuscht, dass dies seinem Verein nicht genutzt hat. Er habe mehr Interessenten erwartet. Das Eintrittsalter für Imker liegt meistens zwischen 40 und 50 Jahren. Aber auch bei Jüngeren sei das Bienenthema präsent. Dennoch sei der große Ansturm ausgeblieben.

    Ottmar Frimmel ist der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Günzburg. Er erkennt nach dem Volksbegehren einen Sinneswandel in der Bevölkerung. „Jetzt ist die Zeit des Handelns gekommen“, sagt er. Frimmel erhofft sich eine Entwicklung mit Schneeball-Effekt für den Naturschutz – sowohl im privaten und wie auch im kommunalen Bereich. „Jeder sollte sich fragen: Was ist mein Beitrag für die Natur?“ Vor allem Toleranz für „die wilden Ecken“ etwa im eigenen Garten wäre wichtig. Unordentliche Stellen und ein Stück Totholz seien quasi „Tankstellen der Insekten“, und trügen bereits viel zum Artenschutz bei. Dieser „fängt vor der Haustür an“, sagt Frimmel.

    Dass Umweltschutz wieder ein Thema sei, dem sich die Menschen zuwendeten, erkennt der Fachmann an den vielen an ihn gerichteten Fragen. Eine davon lautet, was man persönlich alles machen kann, um Bienen und der Natur zu helfen. Frimmel ist überzeugt davon, dass die Natur insgesamt von dem Volksbegehren und dem damit neu geweckten Interesse profitieren wird.

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